Ein junger Bank-Azubi wird verhaftet. Wegen Bankraubs. Ein Banker als Gangster: „Bankster“, genau! Aber sind sie das nicht alle? Wer sind eigentlich die wirklichen Gangster? Die, die die Bank ausrauben oder die, die für sie arbeiten?
Die Serie stellt früh die Systemfrage. Und macht den 19-jährigen Yusuf – einen Überflieger mit 0,9er-Abi – zur Identifikationsfigur, zum Sympathieträger. Yusuf wird aus persönlichen Gründen zum Bankräuber, um seinem Vater zu helfen und dessen Schulden abzubezahlen.
Man kann das sofort verstehen, ist sofort auf seiner Seite. Und das ist bereits das erste Problem von „Banksters“: Moralische Dilemmata sind so versimpelt, dass wir sofort wissen, wer die Guten und wer die Schlechten sind.
Dialoge, die in den Ohren weh tun
Zu den Schlechten gehört dann natürlich auch ein übelgelaunter Kripo-Ermittler, die feindselige Anwältin von Yusuf und die geldgeilen Bankbosse – sie sind allesamt moralisch korrumpierte Systemsklaven. Und geben das allzu bereitwillig preis – in Dialogen, die in den Ohren wehtun.
Der hochbegabte Yusuf dagegen überlässt nichts dem Zufall, schleust sich als Azubi ins System ein, knüpft Connections und nimmt die Banken dann von innen aus.
Was als kompliziertes Verbrechen geframt wird, ist am Ende kaum mehr als ein normaler Banküberfall. Polizei und Banker sind die Doofen. Und das war’s dann eigentlich auch schon mit der kriminellen Genialität.
Die Serie schüttet den Rest der Handlung einerseits mit Geld und Protz zu, genau mit dem also, was sie eigentlich kritisieren möchte. Andererseits leert sie die sonntagabendliche Krimidosis an Familienkitsch über uns aus. Die Eltern der jugendlichen Bankräuber-Rebellen sind abwechselnd pleite, depressiv oder toxisch.
Auf cool getrimmt – und langweilig
So bringt die Serie all das mit, worüber man sich seit Jahren in der deutschen Fernsehlandschaft aufregen kann. Von HBO aber ist man anderes gewohnt: komplexe Stoffe, ambivalente Figuren und Mut, das Publikum zu fordern. All das bietet „Banksters“ leider nicht.
Die Serie ist ein auf cool getrimmter Mischmasch an Genres (Krimi, Familien- und Sozialdrama) und ab der zweiten Folge nur noch langweilig, verliert sie sich doch in ständigen Vor- und Rückblenden und bekommt noch dazu phasenweise einen völlig unpassenden Comedy-Charakter. Erzählerisch eine große Enttäuschung!
Meilenweit entfernt von Hollywood-Hits wie „Wolf of Wall Street“ oder „The Big Short“, die offensichtlich Vorbilder waren. Aber auch weit weg von vergleichbaren deutschen Produktionen wie „Testo“ oder „4 Blocks“, die zeigen, dass es anders geht. Ein Prequel zu „4 Blocks“ ist übrigens das nächste große deutsche HBO-Projekt – und man kann sich nur wünschen, dass den Gangstern dann etwas mehr einfällt.

