Eine restriktive Asylpolitik bietet ganz neue Möglichkeiten der Ausbeutung. Wie die aussehen, zeigt der Film „Souleymanes Geschichte“ aus dem Jahr 2024, der allerdings erst jetzt im Kino anläuft. Dieser fiktive Realismus-Thriller zeigt, dass Ausbeuter eine harte Asylpolitik instrumentalisieren, um auf Kosten von Geflüchteten Profit zu machen.
Darum geht es in „Souleymanes Geschichte“
Souleymane, Mitte 20, aus Guinea, ist neu in Paris. Der Film begleitet ihn die letzten 48 Stunden vor seinem Termin bei der Ausländerbehörde, wo sich entscheidet, ob er in Frankreich Asyl bekommt. Die Kamera ist ganz nah dran am Laiendarsteller Abou Sangaré, der für seine Performance in Cannes im Jahr 2024 als bester männlicher Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurde. Und obwohl Souleymane keine Arbeitserlaubnis hat, arbeitet er. Als Essenslieferant muss er sich mit dem Fahrrad durch den hektischen Pariser Verkehr schlängeln. Von Haus zu Haus hetzen, um hungrigen Menschen das Abendessen an die Tür zu bringen. Ob er dafür aber überhaupt bezahlt wird, ist ungewiss. Denn eigentlich arbeitet er nur für einen anderen Angestellten, der sich das Ausliefern auf diese Weise spart. Ausgemacht ist mündlich, dass Souleymane einen kleinen Teil des Lohns dafür abbekommt. Vielleicht. Irgendwann. Aber bestimmt nicht, wenn er weiter so langsam Essen ausliefert!
Harte Asylpolitik ermöglicht Ausbeutung am Sozialstaat vorbei
Ausbeutung in Reinform ist das, ein Arbeitsverhältnis ohne Arbeitsvertrag. Aber Souleymane braucht das Geld, um eine Geschichte von einem selbsternannten Berater zu kaufen, die ihm bei der Asylbehörde Erfolg bringen soll. Die nötigen Details – Souleymane soll vorgeben, ein guineischer Oppositioneller zu sein, gibt’s nur gegen Geld.
Kriminalität als Folge strenger Migrationspolitik
Souleymanes Geschichte legt den Fokus auf bislang unsichtbare Profiteure einer restriktiven Asylpolitik: Gerade, weil Souleymane so um Asyl und Arbeit kämpfen muss, können andere den Sozialstaat austricksen und die Ausbeutung auf das nächste Level bringen. Es ist nicht das erste Mal, dass das Migrationskino diese Geschichte erzählt. Im Jahr 2020 zeigte das Remake von „Berlin Alexanderplatz“, wie ein Migrant in Berlin ohne Papiere und Arbeitserlaubnis auf einer Baustelle unter Niedriglohnniveau arbeitet – und dadurch kriminell wird. Schon vor sechs Jahren konnte man im Kino also sehen, wie die Migrationspolitik der harten Hand die Sicherheit, die sie eigentlich bringen soll, aufs Spiel setzen kann.
„Rich Flu“ dreht den Migrationsspieß um
Und was wäre eigentlich, wenn man den Spieß mal umdrehen würde? Dieses Gedankenexperiment wagt die Thriller-Satire „Rich Flu“ aus dem Jahr 2024. Da rafft ein mysteriöses Virus die Superreichen dahin. Danach aber frisst sich das Virus in der Gesellschaft von oben nach unten. Krank werden immer die, deren Vermögen auf der Welt am höchsten ist. Also wollen die Europäer auf einmal in den globalen Süden fliehen. Arm dran sein ist plötzlich das neue reich, weil am Ende selbst ein monatlicher Satz Bürgergeld zur Bedrohung von Leib und Leben werden könnte. Und so zeigt „Rich Flu“ dann Spanier, Deutsche und Franzosen, die von Algeriern, Syrern und Afghanen in Flüchtlingslagern gefangen halten werden. Was wäre besser? Die Antwort des Migrations-Kinos: Eigentlich bräuchte es eine Gesellschaft mit dem Ziel, kein gutes Leben nur für die eigenen Leute, sondern eines für alle zu ermöglichen.

