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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Machtposten: Hat Bayerns evangelische Kirche ein Frauenproblem?
Kultur

Machtposten: Hat Bayerns evangelische Kirche ein Frauenproblem?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 12. Juli 2024 12:58
Von Uta Schröder
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7 min. Lesezeit
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Wer wird Regionalbischof oder Regionalbischöfin von Bayreuth? Diese Frage hat im Frühjahr ein Rumoren in der Evangelischen Landeskirche Bayerns ausgelöst. Denn bisher hatte eine Frau das Amt inne. Als nun ein Mann auf die hochkarätige Stelle berufen werden sollte, regte sich Protest – und eine erneute Debatte über eine Frauenquote. Zumal Landesbischof Christian Kopp sich vor zwei Wochen im BR-Gespräch offen dafür gezeigt hat, über eine Quote zu reden und der Münchner Regionalbischof Thomas Prieto Peral eine Frauenquote befürwortet.

Inhaltsübersicht
Dekanin Lubomierski: „Wir haben ein Frauenproblem“Berufsbilder in der Kirchenleitung überdenkenPetition für Frauenquote im LandeskirchenratKirchenleitung skeptisch gegenüber FrauenquoteFrauenquote könne eine „Aktivierungsenergie“ seinLandessynode müsste Frauenquote beschließen

Dekanin Lubomierski: „Wir haben ein Frauenproblem“

Für die Landshuter Dekanin Nina Lubomierski ist klar: „In der Evangelischen Landeskirche in Bayern haben wir ein Frauenproblem.“ Zwar sind nach der ersten Frauen-Ordination 1975 Pfarrerinnen auf der Ebene der Gemeinden längst eine Selbstverständlichkeit geworden. Aber im Landeskirchenrat stehen zehn Männern drei Frauen gegenüber. Würde in Bayreuth ein Mann Regionalbischof, würde das Zahlenverhältnis auf elf zu zwei rutschen.

Vor einem Jahrzehnt waren mehr Frauen in dem wichtigen Leitungsgremium der Evangelischen Landeskirche. Ihm gehören der Landesbischof, die Regionalbischöfe und -bischöfinnen sowie die Abteilungsleiter des Landeskirchenamtes an. Der Landeskirchenrat ist eines von vier sich gegenseitig ergänzenden Leitungsorganen – die evangelische Kirche legt Wert darauf, dass es landesweit kein übergeordnetes Organ mit Richtlinienkompetenz oder Koordinierungskompetenz gibt. Nach ihrer Verfassung wird die Landeskirche in „arbeitsteiliger Gemeinschaft und gegenseitiger Verantwortung“ geleitet, und zwar vom Landeskirchenrat, dem Landesbischof und der Landessynode als „Kirchenparlament“. Die tagt zweimal im Jahr, in der Zeit dazwischen ist der Landessynodalausschuss zuständig. Ausgeglichen ist das Zahlenverhältnis von Frauen und Männern derzeit nur in der Landessynode.

Im mittleren Management beträgt der Frauenanteil nach Auskunft der Landeskirche derzeit 28 Prozent. Hierzu zählen vor allem Dekaninnen in den 66 Dekanatsbezirken im Freistaat. Ihre Funktion wird oft mit der von Landräten verglichen.

Berufsbilder in der Kirchenleitung überdenken

Nina Lubomierski hatte sich zuletzt für das Amt des Landesbischofs beworben, war aber in der Wahl dem jetzigen Landesbischof Christian Kopp knapp unterlegen. Nun fordert sie eine Frauenquote für Führungsposten – und mehr Programme für Mentoring, Jobsharing und Teilzeit.

Dafür spricht sich auch Eva Hanke aus München aus. Sie arbeitet auf einer halben Pfarrstelle in München – denn eine volle Stelle, das heißt für Pfarrerinnen und Pfarrer 48 Stunden oder 6 Tagen die Woche. Das sei ihr zu viel, sagt sie. Sie könne sich gut vorstellen, einmal eine Führungsposition in ihrer Kirche zu übernehmen – aber nicht mit 48 Stunden plus Überstunden, wie sie für Führungspositionen üblich sind. Deshalb regt sie an, dass künftig auch Leitungspositionen in Teilzeit ausgeschrieben werden.

Petition für Frauenquote im Landeskirchenrat

Das Mittel der Wahl, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, ist für sie die Frauenquote auf diesen Posten, „weil es relativ schnell wirkt, vor allem, wenn man sagt – ‚Quote ab jetzt‘. Und wir berufen jetzt nur noch Frauen, bis die Quote erreicht ist. Alles andere haben wir ja auch schon viele Jahrzehnte probiert: Frauen fördern, Zielvereinbarungen, und es hat nichts gebracht.“

Gemeinsam mit anderen Pfarrerinnen startete Eva Hanke bereits im Februar eine Petition für die Einführung einer Frauenquote im Landeskirchenamt. Bisher haben über 500 Männer und Frauen unterzeichnet. Auch die Landshuter Dekanin Nina Lubomierski sagt: „Ja, wir brauchen die Frauenquote, sonst wird sich wohl bei uns nichts ändern.“

Kirchenleitung skeptisch gegenüber Frauenquote

Die Leitung der Landeskirche verhält sich zurückhaltend bis ablehnend beim Thema Frauenquote. Landesbischof Christian Kopp zeigte sich zwar offen, darüber zu reden, mahnt aber nun auf Nachfrage des BR: „Wenn wir über Quote sprechen, dann sprechen wir über etwas sehr Starres. Und da müssen wir aufpassen. Jetzt dürfen wir nicht von einem Merkmal alleine ausgehen, sondern wir müssen alle Punkte, die zum Beispiel bei Besetzungen wichtig sind, berücksichtigen. Das ist genau die Herausforderung.“

Annekathrin Preidel ist ebenso wie Landesbischof Christian Kopp Mitglied des Berufungsausschusses, der die Mitglieder des Landeskirchenrates bestimmt. Sie ist Präsidentin der Landessynode und damit so etwas wie die oberste Ehrenamtliche. Sie argumentiert, bei der Besetzung der Posten von Regionalbischöfen frage der Ausschuss in den entsprechenden Regionen, welche Fähigkeiten dort von den künftigen Amtsinhabern gewünscht würden. Dann würde die entsprechende Person gesucht – unabhängig davon ob Mann oder Frau. „Da muss abgebildet werden, was die Menschen brauchen“, so Preidel, „mir wäre es zu wenig, wenn die Kompetenzorientierung ganz rausfallen würde.“ Preidel verweist außerdem darauf, dass sich für die Führungsjobs viel weniger Frauen als Männer bewürben. Erfahrungsgemäß kämen von zehn Bewerbungen nur zwei von Frauen.

Frauenquote könne eine „Aktivierungsenergie“ sein

Die Landshuter Dekanin Nina Lubomierski kontert, Frauen würden nun mal auch nicht ermuntert, sich zu bewerben: „Sie haben wiederholt die Erfahrung gemacht, dass Männer gewählt worden. Und irgendwann sagen dann die gut ausgebildeten Frauen: Dann gehe ich in eine andere Landeskirche, oder ich gehe in eine andere Institution. Dieses Spiel spiele ich nicht mehr mit.“

Unterstützung bekommt sie aus München. Auch Regionalbischof Thomas Prieto Peral spricht sich für eine Frauenquote in kirchlichen Leitungsämtern aus. Die Quote könne für eine Übergangsphase eine „Aktivierungsenergie“ sein, um die Entscheidungskultur innerhalb der Kirche zu ändern, sagte er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Es gebe bei dem Thema in der evangelischen Kirche weniger ein Erkenntnis- als ein Umsetzungsproblem. Studien hätten längst untersucht, warum Frauen bei kirchlichen Führungspositionen seltener zum Zuge kämen und sich womöglich auch seltener bewerben. „Das ist alles nicht neu“, sagte Prieto Peral: „Wir müssen jetzt einfach mal springen und erproben, was konkrete Veränderungen bewirken.“

Landessynode müsste Frauenquote beschließen

Rechtlich zuständig für die Einführung einer Frauenquote ist die Landessynode. Deren Präsidentin Annekathrin Preidel spricht sich für Frauenförderung aus, sagt aber im BR-Gespräch, sie würde nicht für eine Quote stimmen. Die nächste Sitzung der Landessynode ist Ende November. Die wäre zuständig für einen solchen Beschluss. Dafür müsste allerdings zunächst der Text für ein entsprechendes Kirchengesetz formuliert werden – und die Mehrheit der Synodalen zustimmen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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