Angewohnheiten wie Pickel ausdrücken oder an der Haut kratzen sind weit verbreitet. Sie helfen auch, Stress abzubauen. Doch Skin Picking kann auch pathologische Ausmaße annehmen und zu einer psychischen Störung führen. Bis zu vier Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen und leiden unter den körperlichen Folgen, an Scham und auch mangelnden Informationen.
Rumkratzen, ausdrücken – sich dafür schämen
Sophia ist heute 25 Jahre alt. Mit Anfang der Pubertät bekommt sie im Gesicht stark Akne. Aus dem Versuch, ihre Haut und die Pickel in den Griff zu bekommen, entwickelt sich eine Krankheit: Skin Picking. Es ist der Drang, im Gesicht, an den Armen, an den Fingern, eigentlich überall, an der Haut zu knibbeln und kratzen. „Ich gehe zum Spiegel und betrachte mein Gesicht. Im Licht sehe ich die vergrößerten Poren und Pickel. Das stört mich und dann beginnt eben dieses Skin-Picking,“ erzählt Sophia im Podcast „Die Lösung“. Sie habe dann auch kein Zeitgefühl, wie lange sie an ihrer Haut zupft.
Sina Haghiri ist Psychotherapeut und Host des Psychologie-Podcast „Die Lösung“. Er weiß, dass „an der Haut zupfen“ erst problematisch wird, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: Das Gefühl zu haben, nicht aufhören zu können. So lange zu kratzen, bis durch kleine Pickel tatsächlich Entzündungen und Wunden entstehen. Und beides dazu führt, dass das eigene Leben durch die Scham eingeschränkt wird.
Was kann bei Skin Picking wirklich helfen?
Sophia geht zu Hautärzten. Sie probiert von Omas Hausmittelchen über verschiedenste Cremes bis zu Ernährungs-Tipps aus dem Internet alles Mögliche aus. Doch nichts hilft. Sophia schämt sich – und sie macht schmerzhafte Erfahrungen: Sie wird bei einem Date auf ihre „nicht gute“ Haut angesprochen.
Sophia erkennt: Sie braucht professionelle Hilfe. Sie beginnt eine Therapie. Dort erfährt sie, dass Skin Picking viel mehr ist als nur ein Hautproblem. Und Sophia lernt sich und ihr Verhalten während der Therapie immer besser kennen und verstehen. „Ich habe Zugang zu meinen Gefühlen bekomme“, erzählt die 25-Jährige. Heute gelingt es ihr besser mit Belastungen umzugehen, ohne mit Skin Picking ihre Haut als Ventil für Stress zu schädigen. „Sondern dass ich andere Möglichkeiten finde, meinen Druck abzulassen.“
Ganz verschwunden ist das Skin Picking nicht. Aber Sophia erkennt heute früher, wenn der Druck oder Stress bei ihr steigt. Und weiß dann auch, was ihr hilft, sich zu entspannen. Für sie ist das ein entscheidender Unterschied.
Mehr zum Thema „Skin Picking – Wenn die Haut zum emotionalen Ventil“ wird gibt’s im ARD-Psychologie-Podcast „Die Lösung“.

