Seit 27 Jahren prüft Michael Kilian Autos, die bei Audi in Ingolstadt vom Band laufen. Doch die aktuellen Meldungen machen ihm Sorgen. In der Sendung jetzt red i im BR Fernsehen sagte er: „Ich hab Angst, dass alles ausgelagert wird ins Ausland.“ Früher habe man hier mal richtig schöne Autos hergestellt, erinnert sich Kilian mit belegter Stimme. Der harte Wettbewerb mit China macht dem Konzern zu schaffen. Audi will bis 2029 deutschlandweit bis zu 7.500 Stellen abbauen. Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) macht die immer härter werdende internationale Konkurrenz in der Automobilbranche verantwortlich. Allerdings müsse man ehrlich mit der Thematik umgehen und „einfach eingestehen, dass wir in den letzten Jahren aus Deutschland heraus Wettbewerbsfähigkeit verloren haben“. Denn eigentlich, so Aiwanger, wachse der Markt in diesem Bereich. Damit sich Bayerns Automobilindustrie auf diesem Markt behaupten könne, müsse man hierzulande günstiger werden. Erreicht werden soll dies durch die Steuerung von Energiepreisen, dem Abbau von Bürokratie und zuletzt „werden wir an das Thema Arbeitskosten rangehen“, so Aiwanger.
SPD will bei Arbeitskostensenkung nicht mitgehen
„Die Senkung der Arbeitskosten ist nichts, wo die SPD sich bewegen würde“, sagte hingegen Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Angesichts der Inflation fände er es absurd, auf Lohnkosten zu verzichten. Er verwies zudem darauf, dass Deutschland immer noch mit Blick auf die Technik Spitzenreiter sei, allerdings habe die Industrie gerade bei der Produktion von E-Autos mit niedrigeren Margen zu kämpfen, denn die Batterien kämen aus China und Südkorea, und „deswegen kommen die Unternehmen ins Trudeln“.
Eine mögliche Lösung: Audi soll seine Mitarbeiter verleihen im Rahmen einer sogenannten Arbeitnehmerüberlassung an andere Betriebe der Metall- und Elektroindustrie. Das teilt Audi auf Nachfrage dem BR mit. Konkret geht es um Unternehmen in der Rüstungsindustrie, die in der Region Ingolstadt ansässig sind.
Von der Automobil- in die Rüstungsbranche?
Von der Automobil- in die Rüstungsbranche? Den Vorstoß, Mitarbeiter in die Rüstungsindustrie zu verleihen, bezeichnet Karola Frank, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Audi als „innovative tarifpolitische Lösung“. Sie hob die „doppelte Freiwilligkeit“ hervor, die man im Tarifvertrag vereinbart habe. Konkret müsse keiner um seinen Arbeitsplatz bei Audi fürchten, der den Schritt nicht gehen wolle. Das Interesse sei jedoch groß, über tausend Kolleginnen und Kollegen hätten sich bereits informiert.
Anders sieht dies Bettina M. aus Waidhofen: „Ich hör wohl nicht richtig, als ob’s wurscht wäre, wenn man dann halt für die Rüstung und Menschenkiller arbeitet, statt Autos zu bauen.“ Sie schreibt per Mail an die Sendung, sie fände das alles unglaublich.
Aiwanger: „Wünsche, dass wir die Dinge niemals einsetzen müssen.“
Darauf beteuerte Hubert Aiwanger, auch er wünsche, „dass wir niemals diese Dinge einsetzen müssen, die wir hier produzieren“. Er verwies zudem auf den Nutzen militärischer Innovationen für zivile Anwendungen und auf die Tatsache, dass der Rüstungssektor in Bayern im Gegensatz zur Automobilbranche ein wachsendes Segment sei. Man könne, so Aiwanger, nicht einfach sagen, „wir machen keine Rüstung mehr in Bayern und werden arbeitslos“.
Eine Lösung für langjährige Audi-Mitarbeiter wie Michael Kilian? Eines steht nach der Sendung fest: Gelingt es der Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern, um hiesige Produktionskosten zu senken, dürften am Ende beide Branchen profitieren.

