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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Systematische Tyrannei“: Aufruhr um Willkür in russischer Armee
Kultur

„Systematische Tyrannei“: Aufruhr um Willkür in russischer Armee

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 16. September 2024 13:48
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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„Ich bin für Disziplin“

Der Fall schlägt dermaßen hohe Wellen, dass sich der russische Verteidigungsminister Andrei Beloussow genötigt sah, den Generalstab mit einer Untersuchung der Angelegenheit zu beauftragen: „Leider war es der Aufruhr in den Telegram-Kanälen nach dem Tod der Soldaten, der zu einem der Hauptgründe für diese Reaktion an der politischen Spitze wurde“, so die tonangebenden russischen Militärblogger, die über die mutmaßliche Strafaktion außer sich sind: „Ich bin für Disziplin. Aber Disziplin sollte nicht mit Tyrannei verwechselt werden. Disziplin führt zum Sieg, Tyrannei führt zur Niederlage“, so Podoljak.

Inhaltsübersicht
„Ich bin für Disziplin“„Dummheit, Trägheit, Verantwortungslosigkeit“„Von der modernen Kampfrealität abgehoben“„Offenkundig kriminelle Praxis“

Andere Blogger mit Millionen-Anhängerschaft bemerkten, dass es in der russischen Armee zwei Extreme gebe: Kommandeure, die sich peinlich genau an alle Vorschriften hielten und solche, die nur das „Gesetz des Dschungels“ gelten ließen. „Es gibt Situationen, in denen die eigene Position erschüttert wird, wo einem buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen wird, das Weltbild zu bröckeln beginnt“, so Blogger Tschadajew (65.000 Fans) zum Skandal. Er flehte seine Landsleute an, deshalb nicht zu „Berserkern“ zu werden.

Die erregte Debatte über Kommandeurswillkür und aussichtslose Sturmangriffe erinnert sehr an den Antikriegsfilm „Wege zum Ruhm“, den der 29-jährige Stanley Kubrick mit Kirk Douglas in der Hauptrolle 1957 drehte. Darin meutern französische Soldaten gegen selbstherrliche Generäle. Ironischerweise trägt der russische Regimentskommandeur Igor Puschik, der jetzt Gegenstand der Empörung ist, den Kampfnamen „Bösewicht“, als ob Hollywood das Drehbuch zu diesem Skandal beigesteuert hat.

„Dummheit, Trägheit, Verantwortungslosigkeit“

„Um zu verhindern, dass solche Abschiedsvideos entstehen, gehen sie gegen Handys in der Armee vor“, so Blogger Oleg Tsarow (340.000 Fans) sarkastisch. Er schrieb mit beißender Ironie: „In Japan gab es früher eine eigenartige Sitte: Ein Samurai ging zum Haus seines Feindes, um an der dortigen Türschwelle Seppuku (Harakiri) zu begehen. Ein solch demonstrativer Tod vor der eigenen Türe galt als sehr schwere Beleidigung und die angemessene Rache, um einen Feind über den Tod hinaus zu demütigen.“

Angesichts von „Dummheit, Trägheit, Tyrannei und Verantwortungslosigkeit“ in der russischen Armee seien die Drohnenpiloten „bewusst und folgerichtig für die gemeinsame Sache in den Tod“ gegangen. Tsarow nannte sie „Helden unserer Zeit“, eine Anspielung auf den Roman „Ein Held unserer Zeit“ von Michail Lermontow (1814 – 1841), wo der fatalistische und zutiefst pessimistische Titelheld trotz all seiner Zweifel Heldenmut beweist.

„Von der modernen Kampfrealität abgehoben“

Es ist bemerkenswert, dass selbst gewöhnlich linientreue Blogger wie Semjon Pegow („Wargonzo“, 1 Million Abonnenten) von „schmerzlichen Fragen“ sprechen, die nach dem Tod der Drohnenpiloten nun beantwortet werden müssten. TV-Propagandist Alexander „Sascha“ Kots (626.000 Fans) nannte die „bloße Tatsache“, dass Drohnen-Spezialisten zur Infanterie versetzt worden seien, „gelinde gesagt Sabotage“: „Das bedeutet nichts anderes, als dass sie in einigen Einheiten immer noch im letzten Jahrhundert leben und sehr weit von der modernen Kampfrealität abgehoben sind.“

„Offenkundig kriminelle Praxis“

Von einem „Augiasstall“ war die Rede, der ausgemistet werden müsse: „Generell ist die offenkundig kriminelle Praxis, dass wertvolle Fachkräfte zur Angriffsinfanterie gesteckt werden, sowohl aufgrund von Personalmangel als auch aufgrund persönlicher Abrechnungen von Kommandeuren im aktiven Heer grundsätzlich ein systembedingtes Problem. Dasselbe gilt für Angriffe, die kurzfristig und ungeplant durchgeführt werden müssen, auch als Folge falscher Aufklärungsdaten“, so der Kommentator Swatoslaw Golikow.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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