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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Studie: Wohnen macht arm
Wirtschaft

Studie: Wohnen macht arm

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 13. Dezember 2024 10:48
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Hohe Wohnkosten erhöhen das Armutsrisiko. Das zeigt eine Studie des Paritätischen Gesamtverbands (externer Link zur Studie). Darin wurde nicht nach selbst bewohnten Immobilien oder Mietverhältnissen unterschieden, sondern nur danach gefragt, wie viel die Menschen fürs Wohnen ausgeben. Und als Einkommen wurde alles berücksichtigt – auch Transferzahlungen wie Wohngeld, Elterngeld oder Bürgergeld. Berechnet man diese Wohnkosten aus dem Jahr 2022 ein, liegt die Armutsquote in Bayern bei 16,3 Prozent. Was bedeutet das? Eine Übersicht.

Inhaltsübersicht
Wann ist man armutsgefährdet laut amtlicher Statistik?Wohnkosten werden für immer mehr Menschen zum ArmutsrisikoWeniger Armut in Bayern, nicht weniger WohnungsproblemeAlleinerziehende, Einpersonenhaushalte, Rentner und RentnerinnenMassiv betroffene Gruppen seien bundesweit wie in Bayern:

Wann ist man armutsgefährdet laut amtlicher Statistik?

Als arm oder „von sozialer Ausgrenzung bedroht“ gilt man in der EU mit weniger als 60 Prozent des mittleren (Äquivalenz-) Einkommens. In Deutschland waren 2023 laut Statistischem Bundesamt knapp 12 Millionen Menschen davon betroffen, was etwa jede siebte Person war (14,3 Prozent).

Eine weitere Gruppe mit niedrigen Haushaltseinkommen gilt als „von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen“, nämlich 6,9 Prozent oder 5,7 Millionen Menschen im Jahr 2023. Der Paritätische Wohlfahrtsverband macht für die materiellen Probleme dieser Gruppe vor allem die Wohnkosten verantwortlich und hat dafür weitere Daten ausgewertet:

Wohnkosten werden für immer mehr Menschen zum Armutsrisiko

„Durch die Berücksichtigung von Wohnkosten werde eine bislang unsichtbare Gruppe von 5,4 Millionen Menschen sichtbar, die an und unter der Armutsgrenze lebe“, ist in der Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zu lesen.

Der Effekt sei für viele Mieterinnen und Mieter wesentlich gravierender als bisher angenommen, sagt Margit Berndl vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern: „Hohe Wohnkosten verschärfen soziale Ungleichheit“.

Weniger Armut in Bayern, nicht weniger Wohnungsprobleme

Auch im Freistaat werden steigende Mieten und die dazugehörigen Nebenkosten zunehmend zum Armutsrisiko. Im Zahlenvergleich sieht es so aus, dass nach den Daten des Statistischen Bundesamts in Bayern 11,4 Prozent der Haushalte als arm gelten, was weniger ist als in jedem anderen Bundesland.

Wenn man die Wohnkosten mit einbezieht, wie es der Paritätische jetzt getan hat, steigt der angezeigte Armutswert auch in Bayern deutlich an: auf 16,3 Prozent aller Haushalte.

Alleinerziehende, Einpersonenhaushalte, Rentner und Rentnerinnen

Betroffen sind insbesondere Alleinlebende in jüngeren Jahren bis 35, wie etwa Studenten, die noch nicht so viel verdienen. Auf der anderen Seite trifft die wohnkostenbereinigte Armut viele Ältere, vor allem alleinlebende Rentner und Rentnerinnen. Viele Haushalte geben inzwischen mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Wohnkosten aus – manche sogar mehr als die Hälfte. Berndl spricht in einigen sozialen Gruppen von einer regelrechten Wohnarmut:

„Die Expertise belegt, was in unserer täglichen Arbeit längst aufschlägt: dass hohe Wohnkosten immer mehr Menschen in Armut bringen. Sie tragen massiv zur Verschärfung sozialer Ungleichheit bei.“

Massiv betroffene Gruppen seien bundesweit wie in Bayern:

  • Menschen ab 65 Jahren – mit einer Armutsquote von 27,1 Prozent
  • Junge Erwachsene (18–25 Jahre) mit 31 Prozent Armutsquote
  • Alleinerziehende (36 Prozent)
  • Alleinlebende (37,6 Prozent) im Rentenalter sogar mit 41,7 Prozent
  • Erwerbslose mit der höchsten Armutsquote von 61,3 Prozent
  • Generell sind Frauen in höherem Maße armutsbetroffen als Männer, und außerdem Familien ab drei Kindern.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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