Laut Stiftung Warentest schlucken 40 Prozent der Deutschen im Winter Vitamin-D-Präparate (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) als Ersatz für Sonnenlicht – Tendenz steigend. Der Umsatz solcher Produkte sei in den letzten fünf Jahren um mehr als 70 Prozent gestiegen, so die Stiftung. Der Hype um das Vitamin D ist wohl auch zahlreichen Influencern zu verdanken, die es als Allheilmittel verklären (Link zu tagesschau.de). Doch wie sinnvoll ist es, solche Präparate einzunehmen; wer sollte sie nehmen und wer nicht – und worauf sollte man bei den Präparaten achten? Ein Überblick.
Vitamin D: Aus medizinischer Sicht nicht immer notwendig
Bei wenig Sonnenlicht im Winter ist eine Zusatzversorgung mit Vitamin D aus medizinischer Sicht in vielen Fällen eigentlich gar nicht notwendig, erklärt der Endokrinologe und Osteoporose-Spezialist Stephan Scharla: „Es ist so, dass gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 60 Jahren das offensichtlich gut kompensieren können. Denn es gibt bislang keine Studie, die gezeigt hat, dass eine Vitamin-D-Supplementation messbare gesundheitliche Vorteile bringt.“
Knochen, Muskeln, Immunsystem: Dafür ist Vitamin D wichtig
Vitamin D nimmt im Körper eine Schlüsselrolle beim Aufbau von Knochen ein. Bei Kindern kann ein Vitamin-D-Mangel zu Störungen des Knochenwachstums führen, bei Erwachsenen zu Osteoporose, also einer schwindenden Bruchfestigkeit des Knochengewebes. Häufig kommt es auch zu einer verringerten Muskelkraft und einer erhöhten Infektanfälligkeit. Im Gegensatz zu anderen Vitaminen versorgt sich unser Körper nur zu einem relativ geringen Teil über die Nahrung mit Vitamin D. 80 bis 90 Prozent des Vitamins werden in der Haut mithilfe von Sonnenlicht, durch UV-B-Strahlung, gebildet (externer Link).
Versorgung mit Vitamin D: Das raten Experten
Grundsätzlich empfehlen Experten, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D durch die körpereigene Bildung mittels Sonnenbestrahlung herzustellen. In den Sommermonaten produziert unser Körper so viel Vitamin D, dass er Reserven für die dunkle Jahreszeit einlagern kann (externer Link). Laut Experten ist es ausreichend, unsere Haut im Sommer täglich rund 10 bis 15 Minuten der Sonne auszusetzen. Ein regelmäßiger Aufenthalt im Freien kann aber auch im Winter zu einer ausreichenden Versorgung beitragen.
Wer Vitamin D einnehmen sollte: Risikogruppen
Wer sich im Winter nur sehr wenig im Freien aufhält, kann tatsächlich in einen Vitamin-D-Mangel geraten. Auch ältere oder übergewichtige Personen sowie Menschen mit dunkler Hautfarbe können betroffen sein. In jedem Fall sollten Kinder und Jugendliche ausreichend mit Vitamin D versorgt werden, um der Rachitis, einer Knochenerweichung, vorzubeugen. Ernährung kann die Versorgung mit Vitamin D unterstützen: Fettiger Fisch wie Hering und Lachs enthalten viel Vitamin D, Avocados oder Pilze bieten pflanzliche Alternativen (externer Link). Allein über die Nahrung lässt sich bei Risikogruppen aber kaum genügend Vitamin D dem Körper zuführen, wenn die Haut nicht nicht genügend Licht bekommt.
Vitamin D ergänzen: Viel hilft nicht viel – und ist gefährlich
Dann kommen Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate zum Einsatz. Doch das Prinzip „Viel hilft viel“ ist nicht nur falsch, sondern sogar gefährlich, wie Stephan Scharla erklärt: „Vitamin D hat ja die Aufgabe, die Kalzium- und Phosphataufnahme aus dem Darm zu steigern. Wenn das im Übermaß stattfindet, kann es zu Gefäßverkalkungen, also Arteriosklerose, kommen. Weiterhin wird auch vermehrt Kalzium über die Nieren ausgeschieden. Das kann zu Nierensteinen und damit zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen führen.“ Sogar ein Abbau der Knochensubstanz könne durch eine Überdosierung von Vitamin D hervorgerufen werden – also genau das, was man mit der Einnahme eigentlich vermeiden will.
Präparate mit Vitamin D: Katastrophale Testergebnisse
Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt: Von den 25 getesteten Produkten mit Vitamin D hatten nur zwei eine Vitamin-D-Dosierung, die als unbedenklich gilt. Bei 18 wurde die vom Bundesinstitut für Risikobewertung festgelegte Tagesdosis von höchstens 20 Mikrogramm oder 800 Internationalen Einheiten deutlich überschritten. Bei fünf war die Dosierung so hoch, dass laut Stiftung Warentest ernsthafte Nebenwirkungen wie Nierenschäden drohen.
Vitamin D einnehmen: mit Arzt oder Apotheker klären
Wer zur Risikogruppe gehört und sich mithilfe von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D versorgen will, sollte auf Produkte samt individueller Beratung aus der Apotheke zurückgreifen. Um einen in Einzelfällen auftretenden Vitamin-D-Mangel zu behandeln, können sich Betroffene an entsprechende Fachärzte wenden.

