Jedes Jahr kommen etwa 100 Menschen durch Lawinenunfälle im Alpenraum ums Leben (externer Link). In Österreich sind es knapp 20 (externer Link) pro Saison. Die Zahl der Toten ist geringer als vor zwanzig Jahren. Ein Grund für den Rückgang könnte der im Lauf der Jahre verbesserte amtliche Lawinenbericht sein. Er gibt allerdings keine ausreichende Auskunft über das Lawinenrisiko des betreffenden Einzelhangs, sondern benennt die potenzielle Gefahr auf einer Fläche von mindestens 100 Quadratkilometern – ungefähr die Größe eines Gebirgsstocks. Ergänzend gibt es neue, für jeden leicht nutzbare Hilfsmittel für die Beurteilung des Lawinenrisikos am Hang und auch für die Planung von Skitouren.
Lawinenbericht: Wichtig – aber keine Auskunft zum Einzelhang
Der amtliche Lawinenbericht (externer Link) ist die erste Wahl zur Vorbereitung. Er wird länderübergreifend online bereitgestellt und ist unterwegs abrufbar. Der Lawinenbericht wird täglich um 17 Uhr veröffentlicht, ist eine Prognose für den Folgetag und benennt die zu erwartende Lawinengefahr. „So kann man schon am Vortag seine Tour planen“, sagt Christoph Mitterer vom Lawinenwarndienst Tirol, der die Prognose für dieses Bundesland erstellt.
Die Prognose wird mithilfe von Computermodellen erstellt, in die Analysen der Schneedecke, aber auch Wetterdaten einfließen. Die Modelle werden immer besser, betont Mitterer: „Sei es bei den Schneedeckenmodellen oder der Prognose der Neuschneemengen. Unsere Kollegen und Kolleginnen von der Meteorologie haben da Quantensprünge in den letzten Jahren gemacht.“
Skitourenguru: Algorithmen helfen bei Einschätzung des Risikos
In den letzten Jahren hat sich ein Online-Tool etabliert, das Christoph Mitterer als „komplementäres Tool zum Lawinenbericht“ sieht. Auf der Webseite „Skitourenguru.com“ kann man auf einer Geländekarte seine Wunschtour einzeichnen oder sich Touren vorschlagen lassen.
Der kostenlose Skitourenguru berechnet das Lawinenrisiko der jeweiligen Route im Einzelhang. Als Datengrundlage verwendet das Tool ebenfalls die amtliche Lawinenprognose. Zusätzlich auch „Daten aus dem Gelände, wie Hanggröße, Steilheit und Hangform“, zählt Günther Schmudlach auf, der den Skitourenguru mit seinem Team entwickelt hat. Schmudlach war früher am SLF, dem Lawinenforschungsinstitut der Schweiz, tätig.
Drei Faktoren für Schneebrettlawine
Damit sich eine Schneebrettlawine lösen kann, sind drei Faktoren nötig: Erstens gebundener, verfestigter Schnee, der später das Brett bildet. Diese Brettschicht liegt – zweitens – auf einer Schneeschicht, die aus ungebundenen Kristallen besteht, die eine glatte, kantige Form haben. Diese untenliegende Schicht nennt man auch Schwachschicht. Auf ihr rutscht das darüberliegende Schneebrett ab wie auf einem Kugellager. Damit das passiert, ist – drittens – eine Steilheit von mehr als dreißig Grad nötig.
Lawinenrisiko im Hang selbst beurteilen mithilfe von Ampelfarben
Die Steilheit des Hanges ist ein wesentlicher Faktor, den der Skitourenguru einbezieht. Sollten also ein Schneebrett sowie eine Schwachschicht vorhanden sein, wird der Skitourenguru eine flache Route auf seiner Karte anzeigen. Und zwar wie bei einer Ampel mit grüner Farbe (geringes Risiko). Stellen auf der Route mit erhöhtem Risiko werden gelb markiert. Rot zeigt hohes Lawinenrisiko an. Aber die Beurteilung vor Ort, im Hang, „das kann der Skitourenguru nicht abnehmen. Das muss der Mensch machen“, betont Günther Schmudlach.

