Pascal Heß vom IAB spricht deshalb von einem „Doppeleffekt“: Es gibt mehr Akademiker, als der Markt aufnehmen kann, und es gibt zeitgleich weniger Einstiegsjobs. Unternehmen würden sich da im Zweifel eher für die Erfahrenen entscheiden, während die Neueinsteiger das Nachsehen haben.
Lohnt es sich jetzt nicht mehr, zu studieren?
Trotzdem: Ein Studium lohnt sich nach wie vor. Genau wie eine berufliche Ausbildung. So beschreibt Daniel Terzenbach die Situation im Gespräch mit BR24 im Radio. Er ist im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit für die Regionen zuständig. Was die Lage so schwierig macht, sei aber die Diskrepanz zwischen den Hoffnungen, die bei den Jungen geweckt wurden, und dem, was sie tatsächlich auf dem Arbeitsmarkt vorfinden.
Terzenbachs Appell: „Seid flexibler, als es euch vor drei oder vier Jahren suggeriert wurde.“ Damals, nach der Pandemie, dominierte der Eindruck, es fehle überall an Fachkräften, der demografische Wandel habe schon voll zugeschlagen.
Ist eine Veränderung absehbar?
Der aktuelle Einstellungsstopp dürfte tatsächlich eine Flaute sein. Ja, vielen Unternehmen fehlt es an Vertrauen in die Zukunft, aber es ist auch bereits klar, dass bis in 15 Jahren 13 Millionen Menschen den Arbeitsmarkt verlassen haben werden. Diese „Boomer-Stellen“ werden unweigerlich frei – und die Wirtschaft kann sich keinesfalls leisten, sie alle unbesetzt zu lassen.
Was tun, wenn ich aktuell auf Jobsuche bin?
- Erstmal bewerben: Es muss nicht gleich der Traumjob sein. Denn aus einem Job heraus die eine passende Stelle zu finden, ist statistisch gesehen immer erfolgsversprechender, als sich aus der Arbeitslosigkeit heraus zu bewerben.
- Zusätzliche Weiterbildung: Vielleicht ist es eine Möglichkeit, die Flaute für das Aufmotzen der eigenen KI-Kompetenz zu nutzen? Oder gab es im Studium ein Themenfeld, das besonders interessant war? Vielleicht gibt es da Vertiefungskurse? Oder eine praxisbezogene Zusatzausbildung? Oder einen Nebenjob, der diesem Themengebiet schon sehr nahekommt?
- Gibt es Netzwerke? In der Verwandtschaft, bei Freunden, im Netz, im Verein, auf Messen: Es gibt oft jemanden, der jemanden kennt. Wer erzählt, dass er oder sie gerade nichts findet, erhöht die Chancen auf Vermittlung.
- Branchencheck: Es gibt Branchen wie die Banken, Versicherungen, das verarbeitende Gewerbe, die Industrie, teilweise auch die IT, wo es gerade echt eng ist. Aber es gibt auch Branchen, da werden jetzt und auch in Zukunft jede Menge Leute gebraucht. Alles, was mit Händen und mit Menschen zu tun hat. Sprich: Care-Berufe, Medizin, Handwerk und Dienstleistungen …
- Nicht entmutigen lassen: Manche Betriebe haben noch nicht verstanden, dass alsbald wieder mehr Fachkräfte gebraucht werden dürften. Und ganz ehrlich: Wenn ein Unternehmen gar nicht antwortet oder nur standardisiert – will man in so einem Laden wirklich arbeiten?

