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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Warum Schwarzarbeit in Deutschland zunimmt
Wirtschaft

Warum Schwarzarbeit in Deutschland zunimmt

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 11. Februar 2026 08:50
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Sabine arbeitet, wenn andere essen gehen. Wenn andere feiern. Sie hat kaum Freizeit: Der BR hat Sabine zum ersten Mal nach einer Nachtschicht erreicht, später folgten weitere Telefonate und Mails. Sie will anonym bleiben, ihr Name ist geändert. Denn Sabine arbeitet schwarz in der Gastronomie – illegal, aber sie sieht darin derzeit den einzigen Weg, finanziell über die Runden zu kommen.

Inhaltsübersicht
Leben am finanziellen LimitWarum bestimmte Branchen besonders betroffen sindExistenzdruck, Kostendruck und SozialabgabenSchwarzarbeit als Überlebensstrategie

Leben am finanziellen Limit

Sabine ist arbeitslos gemeldet und bezieht rund 600 Euro Bürgergeld. Sie lebt allein in einer kleinen Wohnung in einer größeren deutschen Stadt. Sie hat Schulden von mehreren tausend Euro. Fixkosten wie Strom, Internet, Telefon und das Deutschlandticket ziehen einen Großteil des Geldes vom Jobcenter ab. Übrig bleiben etwa 300 Euro. Für Essen, Kleidung oder Ratenzahlungen reicht das kaum. Sabine versucht trotzdem, Schulden abzubauen und sich Ziele zu setzen. Sie will das Fachabitur nachholen und später Sozialarbeit studieren. Die Schwarzarbeit, sagt sie, sei nur ein Provisorium. Wie lange das dauert, weiß sie selbst nicht.

In der Gastronomie verdient Sabine rund 2.000 Euro im Monat, bar auf die Hand. Die Arbeit beschreibt sie als extrem stressig, körperlich anstrengend, chaotisch, ohne geregelten Alltag. Sie leidet unter Depressionen, was ihr Leben zusätzlich erschwert. Sabine hat schon einiges mitgemacht: Als Kind lebte sie im Heim, in der Schule tat sie sich schwer. Abschlüsse holte sie mühsam nach, wurde aber immer wieder von ihrer Erkrankung zurückgeworfen. Trotzdem weiß sie: Ohne genügend Geld kann sie ihre Situation kaum verbessern.

Warum bestimmte Branchen besonders betroffen sind

Sabine ist eine von vielen. Laut einer Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft arbeiten jedes Jahr mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland schwarz. Dominik Enste, Professor am Institut, erklärt, warum bestimmte Branchen besonders betroffen sind. „Dazu gehört insbesondere die Baubranche, in der eben, sofern viel Handarbeit verrichtet wird, der Anreiz entsprechend groß ist“, sagt Enste. Auch Tätigkeiten, die flexibel organisiert sind und einfach bar bezahlt werden können, sind besonders anfällig für Schwarzarbeit.

Neben Bau und Gastronomie nennt Enste das Taxigewerbe und vor allem Privathaushalte. Dort würden in etwa 90 Prozent der Fälle Haushaltshilfen nicht angemeldet. Kontrollen seien schwierig, weil die Unverletzlichkeit der Wohnung greife. Insgesamt sei das Risiko, erwischt zu werden, gering. „Am Ende auch bestraft zu werden liegt im Promillebereich, weil es einfach sehr schwierig ist, solche Fälle nachzuvollziehen“, sagt Enste.

Existenzdruck, Kostendruck und Sozialabgaben

Die Gründe für Schwarzarbeit sind vielfältig. Manche Menschen, wie Sabine, kommen mit staatlicher Unterstützung nicht aus. Andere verdienen neben ihrem regulären Job dazu, häufig Teilzeitkräfte mit zwei oder drei Beschäftigungen. Auch familiäre Gründe spielen eine Rolle, etwa nach Scheidungen, wenn Unterhaltszahlungen anstehen. Für Betriebe ist illegale Beschäftigung attraktiv, weil sie deutlich billiger ist. Wenn die Zeiten wirtschaftlich unsicherer werden wie aktuell, versuchen mehr Unternehmen, das auszunutzen.

Für den Staat ist diese Entwicklung sehr problematisch. Die Schwarzarbeit ist Teil der Schattenwirtschaft, deren Wert Forscher aktuell auf rund 538 Milliarden Euro schätzen – etwa 11,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Tendenz ist steigend. Dem Staat entgehen dadurch hohe Steuereinnahmen, genaue Zahlen gibt es nicht. Wirtschaftsforscher Enste schätzt den Ausfall auf 40 Milliarden Euro. Um gegenzusteuern, will die Bundesregierung die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll stärken, Daten besser auswerten und Kontrollen digitaler und gezielter machen.

Schwarzarbeit als Überlebensstrategie

Sabine weiß, dass ihr Handeln illegal ist. Sie hat Angst, erwischt zu werden, nimmt das Risiko aber in Kauf. Die derzeitige Steuer- und Abgabenlast empfindet sie als erdrückend. Von einem regulären Job, sagt sie, könne man kaum leben. Ein legaler Minijob würde ihr nur einen geringen Zuverdienst zum Bürgergeld ermöglichen.

Stolz ist Sabine auf ihre aktuelle Lage nicht. Sie wünscht sich Sicherheit, einen geregelten Alltag, eine legale Arbeit. Bis dahin arbeitet sie weiter im Verborgenen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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