Es dürften zigtausende Passagiere betroffen sein: Für diesen Donnerstag sind bei der Lufthansa zeitgleich Arbeitsniederlegungen der Piloten sowie des Kabinenpersonals angekündigt. Fluggäste würden von den kurzfristig angekündigten Streiks „extrem hart und unverhältnismäßig“ getroffen, erklärt die Fluggesellschaft. Was Passagiere wissen müssen.
Wie viele Lufthansa-Flüge fallen aus?
Die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo haben zum ganztägigen Streik aufgerufen. Grundsätzlich sollen die Starts der Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cityline von deutschen Flughäfen bestreikt werden. Erst für den Freitag rechnet Lufthansa wieder mit der Rückkehr zum normalen Flugplan.
Für Donnerstag hat die Lufthansa ihren Flugplan drastisch zusammengestrichen. Eine genaue Zahl der gestrichenen Verbindungen nannte Deutschlands größte Fluggesellschaft nicht, sprach aber von „umfangreichen Flugstreichungen“. Beispiel Frankfurt: Am größten deutschen Flughafen sind bereits weit mehr als 400 Starts und Landungen gestrichen.
Auch das Lufthansa-Drehkreuz München wird stark betroffen sein. Von den 920 Starts und Landungen, die eigentlich auf dem Flugplan stehen, sind 275 annulliert. Normalerweise wickelt Lufthansa durchschnittlich etwa 300 Flüge am Tag im Erdinger Moos ab. Zahlreiche Flugausfälle gibt es ferner an den Flughäfen Berlin, Hamburg, Stuttgart, Leipzig und Köln-Bonn. Wegen des Streiks sind für heute zudem fünf Abflüge und fünf Ankünfte der Airline zwischen Nürnberg und Frankfurt am Main annulliert worden.
Was können betroffene Passagiere tun?
Die Reisenden werden gebeten, ihre hinterlegten Kontaktinformationen zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Im Falle einer Annullierung sollen Passagiere mit hinterlegter Mobilfunknummer automatisch eine Benachrichtigung mit einer alternativen Reisemöglichkeit erhalten.
Das Unternehmen will nach eigenen Angaben die Auswirkungen für die Fluggäste so gering wie möglich halten. Wenn möglich, würden von Flugstreichungen betroffene Passagiere auf andere Airlines innerhalb und außerhalb des Konzerns umgebucht. Innerdeutsch reisende Gäste können ihre Tickets in Fahrscheine der Deutschen Bahn umtauschen.
Die Passagiere sollen sich auf die Informationen der Lufthansa verlassen, rät ein Sprecher des Frankfurter Flughafens. „Zum Flughafen zu kommen, um zu schauen, ob noch was anderes fliegt, ist eine schlechte Idee.“ Auch auf der Homepage des Münchner Airports heißt es, Passagieren werde empfohlen, sich vor ihrer Anreise zum Flughafen über den aktuellen Flugstatus bei Lufthansa (externer Link) zu informieren.
Welche Rechte haben Passagiere?
Bei einem Streik des eigenen Personals muss die Fluggesellschaft ihre Passagiere bei Annullierungen oder starken Verspätungen entschädigen. Je nach Flugdistanz werden zwischen 250 und 600 Euro fällig. Die Fluggesellschaften müssen zudem Ersatzbeförderungen schnellstmöglich organisieren und auch fremde Fluggesellschaften oder Über-Eck-Verbindungen prüfen.
Bei innerdeutschen Verbindungen kommen auch Bahnfahrkarten in Betracht. Wer verzichtet, kann den Ticketpreis zurückverlangen. Am Flughafen gestrandete Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke am Flughafen, ebenso wie auf zwei kostenlose Telefonate. Bei längerer Dauer muss die Airline zudem für Hotelzimmer zahlen.
Welche Airlines fliegen noch?
Das sind grundsätzlich erst einmal alle Gesellschaften, die nicht zur Lufthansa-Group gehören. Wichtige Anbieter in Deutschland sind beispielsweise Ryanair, Easyjet und Condor. Aber auch innerhalb des Kranichkonzerns werden längst nicht alle Airlines bestreikt.
Neben den Flügen der ausländischen Gesellschaften Swiss, Austrian, Ita und Brussels Airlines sind auch die deutschen Lufthansa-Töchter Eurowings und Discover nicht von dem Streikaufruf betroffen. Noch unklar sind die Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Tochter Lufthansa City Airlines.
Wofür wird gestreikt?
Offiziell streiken die rund 4.800 Piloten für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit deutlicher Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben. Von einem Streik hatte die Gewerkschaft in den vergangenen Monaten abgesehen. Nach sieben Verhandlungsrunden blieb auch ein vorerst letztes Angebot der VC nach ihren Angaben ohne Reaktion.
Die Kabinengewerkschaft Ufo will ohne Urabstimmung der knapp 20.000 Beschäftigten mit einem Warnstreik Verhandlungen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. Ufo will hier einen tariflichen Sozialplan aushandeln, der bislang vom Management verweigert werde.
Mit Informationen von dpa und Reuters

