Exakt 2.558 Euro zahlen Bewohner von Pflegeheimen in Bayern derzeit im Schnitt als monatlichen Eigenanteil, das zeigen Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (externer Link). Im ersten Aufenthaltsjahr in einem bayerischen Pflegeheim liegt der Eigenanteil mittlerweile sogar bei 3.196 Euro im Monat, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen zum Stand 1. Januar ergab.
Wie hoch die finanzielle Belastung für Menschen ist, die im eigenen Zuhause gepflegt werden, dazu gibt es keine ganz genauen Daten. Die Pflegewissenschaftlerin Prof. Notburga Ott von der Ruhr-Uni Bochum (externer Link) hat aber eine Schätzung vorgenommen und kommt auf beträchtliche Summen.
Häusliche Pflege ist Arbeit
Die Pflegewissenschaftlerin hat für ihre Studie unter anderem Befragungen dazu ausgewertet, wie viel Zeit Privathaushalte für die Betreuung von Pflegebedürftigen aufbringen. Nach Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK sind es im Durchschnitt 49 Stunden pro Woche. Dabei gibt es sehr große Unterschiede, die auch mit dem Pflegegrad zusammenhängen. Die Bandbreite reicht von weniger als acht Stunden pro Woche bis über 100 Stunden Pflegeaufwand.
Wenn man diese private Pflegearbeit mit dem Mindestlohn bezahlen würde und gegenrechnet, was Privathaushalte von der Pflegeversicherung an Geldleistungen erhalten, ergibt sich nach Ansicht der Pflegewissenschaftlerin Ott eine Zahl, die mit dem Eigenanteil in der stationären Pflege vergleichbar ist.
Mehr als 7.000 Euro Eigenanteil in der häuslichen Pflege
Die Beträge der Eigenanteile in der häuslichen Pflege, auf die Ott kommt, sind beträchtlich: Sie reichen von 340 Euro bis 7.441 Euro. Das rechnerische Mittel, der Median, liegt bei 2.085 Euro. Die statistische Maßzahl des Medians bedeutet laut der Studie: „Die Hälfte der zu Hause gepflegten Personen und ihre Angehörigen tragen einen Eigenanteil von mehr als 2.000 Euro.“
Scharfe Kritik von Sozialverbänden an häuslichen Pflegekosten
Die Organisation „Wir pflegen e.V.“ sieht in der Studie der Ruhr-Uni Bochum ein Schlaglicht auf eine „skandalöse Schieflage“. Auch die Eigenanteile in der stationären Pflege sind nach Einschätzung von „Wir pflegen“ in vielen Fällen zwar „untragbar“, doch gebe es über die Eigenanteile in Pflegeheimen immerhin regelmäßig genaue statistische Daten, und sie würden „politisch diskutiert“, erklärt Nicole Knudsen, Vorständin des Vereins. Bei der Pflege im eigenen Zuhause sehe das ganz anders aus: „Die tatsächlichen, oft existenzbedrohenden Lasten der häuslichen Pflege dagegen bleiben unbeachtet und ungewürdigt“.
Auch der Sozialverband VdK beklagt eine Ungleichbehandlung der Pflege im eigenen Zuhause gegenüber der stationären Pflege, die durch eine Studie des VdK im Jahr 2023 dokumentiert worden sei. Es sei zwar oft die Rede davon, die ambulante Versorgung stehe vor einer stationären Unterbringung. Dieser Grundsatz werde aber schon seit Einführung der Pflegeversicherung verletzt, kritisiert der VdK auf BR-Anfrage. Pflegebedürftige würden in vier von fünf Fällen im eigenen Zuhause versorgt. Das gelinge nur, „weil Angehörige nicht streiken können und auch nicht würden“, erklärt der VdK.
Pflegereform in Arbeit – CSU fordert „neue Ansätze“
Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer großangelegten Pflegereform. Eine Fachkommission hat dazu Ende des vergangenen Jahres Vorschläge vorgelegt. Einzelheiten zu den Reformplänen und ein genauer Zeitplan stehen noch nicht fest.
Der CSU-Fraktionsvorsitzende und frühere Staatsminister für Gesundheit und Pflege, Klaus Holetschek, erklärte anlässlich der neuen Studie, dass pflegende Angehörige „ins Herz der Pflegereform“ gehörten. Sie seien „das Rückgrat unserer Pflege“ und verdienten „weniger Bürokratie, flexible Budgets und verlässliche Tages- und Kurzzeitpflege“.
Nötig seien „neue Ansätze und flächendeckend eine bessere Vernetzung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung“, so Holetschek. Rentenpunkte für Pflegende müssten steuerfinanziert werden, statt Beitragszahler zu belasten.

