Mumien faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Legendär ist der Glaube an den „Fluch des Pharao“. Er besagt, dass altägyptische Herrscher ihre Grabmäler mit Magie gegen Eindringlinge schützten. Genährt wurde diese Legende durch Todesfälle bei Grabungsteams in Ägypten. Der Fluch des Pharao mag zwar keine reale Bedrohung sein. Doch eine aktuelle Studie (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt) warnt vor Gefahren, die von Mumien ausgehen, nämlich durch den unregulierten Online-Handel.
Unsicherer Online-Handel mit Mumienteilen
Auf Plattformen wie eBay oder in Online-Auktionshäusern werden Teile von Mumien, etwa Schädel oder andere mumifizierte Gliedmaßen, zum Verkauf angeboten. In den vergangenen Jahren scheint das Angebot zuzunehmen. In ihrer Studie haben die Forschenden 128 solcher Angebote überprüft und festgestellt: Informationen zum sicheren Umgang, Transport oder zur Lagerung der Objekte fehlen häufig, wie auch der Ursprungsort.
Dabei gibt es laut Kirsty Squires, Mitautorin der Studie, Risiken beim Umgang mit menschlichen Überresten. „Eine unserer größten Sorgen ist, dass Käufer, Händler oder Post- und Zollbeamte mit biologischen oder chemischen Gefahrstoffen in Kontakt kommen. Besonders, wenn die Mumienteile schlecht verpackt sind, oder das Paket beschädigt wird.“
Gesundheitsrisiken: Schimmel und Giftstoffe
Viele denken bei gesundheitlichen Risiken durch Mumienteile vielleicht an uralte Bakterien oder unbekannte Viren. Doch Albert Zink, Leiter der Staatssammlung für Anthropologie in München, sagt: In der Regel haften keine alten Keime mehr an den menschlichen Überresten. „Die würden nicht überleben. Was jedoch sein kann, ist, dass Schimmelsporen vorhanden sind. Die hat man aber auch, wenn man in einen feuchten Keller geht oder irgendwo eine Gruft öffnet.“ Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, könnte so medizinische Probleme bekommen.
Deutlich problematischer sind die Einbalsamierungsstoffe mancher Mumien. Zwar wurden laut Albert Zink ägyptische Mumien oft mit Harzen oder Ölen behandelt und sind deswegen in der Regel ungefährlich. „Es gibt allerdings eine späte Form der Mumifizierung, die vor allem in Südeuropa im 18. und 19. Jahrhundert angewandt wurde.“ Dabei kamen Schwermetalle wie Blei oder Arsen zum Einsatz oder Quecksilber, das bereits bei Raumtemperatur zu verdampfen beginnt. Wer diese Stoffe einatmet, kann Leber- und Nierenschäden davontragen, im schlimmsten Fall mit tödlichem Ausgang.
Ethische und rechtliche Bedenken
Albert Zink betont, dass Mumienteile nicht nur aus gesundheitlichen Gründen nicht verkauft werden sollten, sondern auch ganz grundsätzlich nicht. Durch unsachgemäßen Transport könnten die Stücke beschädigt werden oder verloren gehen. Zudem sei die Herkunft der Körperteile oft unklar. Man weiß nicht, ob sie aus einem sogenannten Unrechtskontext stammen, also entwendet wurden, oder einer Kultur gehören, die rechtliche Ansprüche darauf hat. Eine scheinbar legal erworbene Mumie könnte aus einer früheren Kolonie geraubt worden sein.
Zink hat beim Handel mit Mumien auch ethische Bedenken. Bei den Menschen aus früheren Zeiten gehörte die Mumifizierung zur Bestattung, war Teil des Totenkultes und Teil der Kultur. „Die dann privat irgendwo zu erwerben, da spricht eigentlich alles aus ethischer Sicht klar dagegen.“
Was tun, wenn man die Mumie schon besitzt?
Wer in den Besitz von Mumienteilen gekommen ist und sich unsicher ist, was damit zu tun ist, kann sich an das Landesdenkmalamt oder an wissenschaftliche Einrichtungen wie die Staatssammlung für Anthropologie wenden und Rat einholen.

