Der Herbst in der Klassik
Mehr als Vivaldis „Jahreszeiten“
Mehr als Vivaldis „Jahreszeiten“
Das Laub färbt sich und über den Wiesen hängt der Frühnebel: Der Herbst steht für Vergänglichkeit und Melancholie. Viel von dieser Atmosphäre haben Komponisten in ihre Herbst-Stücke aufgenommen und in Harmonien gehüllt. Aber nicht nur. Ob mit oder ohne Schal, Tee und Kuscheldecke: Hier kommt die BR Klassik-Herbst-Playlist zwischen launigem Tänzchen, Raureif und Weltuntergang.

Bildquelle: picture alliance / Zoonar | Jürgen Vogt
„Herbstpolka“ von Imre Széchényi
Im Herbst prescht die Natur im Schweinsgalopp durch den halben Farbenkreis von Johann Wolfgang von Goethe: vom „natürlichen Grün“ über das „gute Gelb“ zum „edlen Orange“ bis hin zum „schönen Rot“. Jeder Herbsttag sieht buchstäblich anders aus: mal nass-forsch, mal bunt wie die Herbstpolka des ungarischen Diplomaten und Komponisten Imre Széchényi.
Herbst-Polka
„Herbstlied“ von Franz Schubert
Der Herbst ist für so manchen romantischen Liedkomponisten ein gefundenes Fressen an Inspiration, quasi Erntedank in Noten. Franz Schubert lässt das Laub in der Klavierbegleitung durch die Luft tänzeln. Sein melancholisches Lied „Herbst“ D.945 erzeugt in nicht einmal drei Minuten Weltuntergangsstimmung.
Schubert: Herbst D.945.
„Die Vier Jahreszeiten: Der Herbst“ von Antonio Vivaldi
Der pulsierende „Herbst“-Hit aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi ist hingegen meilenweit von der „Drama Queen“ Schubert entfernt und scheucht die Schwermut mit einem Tänzchen davon. So klingt der venezianische Herbst:
Antonio Vivaldi, The Four Seasons – Autumn . Julia Fischer .
Herbstzauber in der Mediathek
Bei ARD-Klassik gibt es passend zur Jahreszeit Hits wie den „Herbst“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ oder „Letzte Blätter“ von Richard Strauss. Wunderbar warme Musik mit fantastischen Musiker:innen – wenn es draußen früher dunkel wird. Hier streamen.
„Herbstouvertüre“ von Edward Grieg
Satt und süffig kommt der norwegische Herbst daher: Wie Wolken ziehen die Klänge dahin, lassen ein paar Sonnenstrahlen durchblinzeln. Edward Grieg hadert nicht mit dem Herbst. Aber über weite Strecken bereitet der Komponist mit seiner Herbstouvertüre auf die bevorstehende lange winterliche Dunkelheit in Skandinavien vor.
Edvard Grieg – Ouverture En Automne / In Autumn Overture
„Im Herbst“ von Felix Mendelssohn Bartholdy
Ja, es gibt sie auch: die wirklich grauen Tage, ohne Sonnenschein, mit unendlichem Nieselregen. An solchen Tagen schmeckt Felix Mendelssohn Bartholdy nicht einmal ein Federweißer. Da überwiegt die Klage. Die Aussicht auf einen eisigen Winter ist für Mendelssohn purer Trübsinn, was im 19. Jahrhundert schon allein heizungstechnisch nicht verwunderlich ist. Da verhilft nicht einmal die Moll-Tonart zu molliger Wärme.
12 Lieder, Op. 9: V. Im Herbst
„Herbstlied“ von Valentin Silvestrov
Was gibt es dann Faszinierenderes, als das erste hauchdünne Eis, das die Pfützen bedeckt, so zart wie Murano-Glas. Oder der milchig-samtige Raureif, der früh am Morgen die matten Gräser umhüllt. Der Komponist Valentin Silvestrov widmet dieser Stimmung sein herbstliches Lied. Die Pianistin Hélène Grimaud und der Bariton Konstantin Krimmel haben es auf ihrem Album „Silent Songs“ veröffentlicht.
Hélène Grimaud & Konstantin Krimmel – Silvestrov: Silent Songs / 11 Songs: No. 9, Autumn Song

