Frühstück in der Sonnenscheinklasse der Grundschule Oberasbach-Altenberg im Landkreis Fürth: Die sechs Schülerinnen und Schüler brauchen besondere Zuwendung, denn sie sind in den Regelklassen trotz Schulbegleitung nicht klargekommen und haben einen sozial-emotionalen Förderbedarf.
Für Klassenlehrerin Alexandra Keckeis und ihre Schülerinnen und Schüler ist das Frühstück genau der richtige Start in den Schultag. Beim gemeinsamen Griff zu Brezen und Nektarinen, Marmeladenbrot und Bananen beginnt die Schule mit etwas Schönem und einer sozialen Interaktion. Auf diese Gemeinschaft komme es an, sagt die Lehrerin.
Wut kommt schnell
Oft fehle die Impulskontrolle, erklärt Alexandra Keckeis. Die Kinder werden schnell wütend, hätten oft schlechte Erfahrungen wie Mobbing in der Schule gemacht. „Oft sind diese Kinder der Störfaktor in der Regelklasse. Nicht weil sie an sich störend sind, sondern weil eine Lehrkraft mit 25 oder mehr Kindern sich nicht um die Kinder kümmern kann“, berichtet die Lehrerin.
Sozialtraining auf dem Stundenplan
In der AIDPlus-Klasse, so heißt das Pilotprojekt offiziell, ist das anders. Zwei Lehrerinnen, eine Sozialpädagogin und eine Erzieherin bauen feste Bindungen zu den Kindern auf, geben ihnen Struktur und Halt. Auf dem Stundenplan stehen nicht nur Mathe und Deutsch, sondern auch Sozialtraining.
Erzieherin Jessica Kohlenberger verteilt gelbe Reifen an die Kinder, in die sie sich stellen. Sie fragt die Kinder: „Wie ist denn das, wenn ich jetzt in deinen Bereich kommen möchte? Was mache ich dann?“ „Fragen“ ist die Antwort. Und erst, wenn man die Erlaubnis hat, dürfe man eintreten. Auch ein Nein muss akzeptiert werden.
Kein Kind ist falsch
Der erhöhte Personaleinsatz soll eine engere Begleitung in Lern- und Krisensituationen sowie verlässliche Beziehungen ermöglichen. Die Kinder lernen auch, mit ihren Wutanfällen anders umzugehen. Im Schulalltag hätten die Kinder, die ausrasten, oft erfahren, dass sie die Klasse verlassen müssen, sie würden ausgeschlossen, berichtet Alexandra Keckeis. In der AIDPlus-Klasse sei das anders. „Wir sind einfach für die Kinder da und sie lernen dadurch, dass nicht sie falsch sind, sondern dass sie vielleicht ein Verhalten haben, was nicht unbedingt optimal ist“, sagt die Lehrerin.
5.000 Kinder mit Förderbedarf in ganz Bayern
Die AIDPlus-Klasse ist dank einer Kooperation des Schulamtes und des Jugendamtes im Landkreis Fürth entstanden. Denn der Bedarf an einer solchen Betreuung steige, berichtet Schulamtsdirektor Wilfried Brehm. Laut Kultusministerium gibt es im Schuljahr 2025/2026 an bayerischen Grundschulen mehr als 5.000 Kinder mit sonderpädagogischer Förderung im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung. Bis jetzt hätte man diesen Kindern Schulbegleiter zur Seite gestellt, sagt Andreas Kaiser vom Jugendamt im Landkreis Fürth.
Das Ziel: Die Rückkehr in die Regelklasse
Die AIDPlus-Klassen könnten künftig tausenden Kindern bessere Startchancen ermöglichen. Denn hier könnten sie lernen, eigene Stärken wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und Gefühle besser zu regulieren. Noch ist das Ganze ein Pilotprojekt. Sechs bis zwölf Monate können die Schülerinnen und Schüler aus der ersten bis dritten Klasse hierbleiben.
Danach wird evaluiert, was die AIDPlus-Klasse gebracht hat. Alexandra Keckeis formuliert das Ziel so: „Die Kinder sollen mit möglichst viel Werkzeug ausgestattet in ihre Regelklassen zurückgehen, um danach wieder Spaß am Lernen zu haben.“

