Standing Ovations in der Turnhalle: Die Hans-Leipelt-Schule in Donauwörth gehört zu den Preisträgern des Deutschen Schulpreises 2026. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte verfolgten die Preisverleihung in Berlin per Livestream. Als der Name ihrer Schule fiel, brach in der Halle Jubel aus.
Die Fachober- und Berufsoberschule bekommt zudem 30.000 Euro Preisgeld. Und damit ist sie zugleich die einzige ausgezeichnete Schule aus Bayern. Das Geld soll nach Angaben des stellvertretenden Schulleiters Josef Eichinger in die Schule fließen und die Lernmöglichkeiten für die gut 600 Schülerinnen und Schüler weiter verbessern.
Wenig Frontalunterricht, viel Eigenverantwortung
Überzeugt hat die Jury das Unterrichtskonzept „Vision“, das vor zwei Jahren an der Schule eingeführt wurde. Einen klassischen Stundenplan mit aufeinanderfolgenden Schulstunden gibt es seitdem kaum noch. Stattdessen wechseln sich kurze Erklärphasen der Lehrkräfte mit selbstständigem Arbeiten ab.
Die Schülerinnen und Schüler bekommen einen Wochenplan mit einer festgelegten Stoffmenge. Wann, wo und auf welche Weise sie die Aufgaben bearbeiten, können sie weitgehend selbst entscheiden. Manche arbeiten allein, andere in kleinen oder größeren Gruppen. Die Lehrkräfte begleiten diesen Prozess, beantworten individuelle Fragen und führen regelmäßig Gespräche über den Lernstand.
Schülerin Amelie Seidemann sieht darin eine gute Vorbereitung auf die Zeit nach der Schule: „Ich finde es mega-positiv und weiterbringend für die Zukunft, weil wir lernen, selbstständig zu arbeiten.“ Auch andere Schülerinnen und Schüler berichten von weniger Stress im Unterricht und davon, ihre Zeit besser einteilen zu können.
Lehrkräfte als Lernbegleiter
Für Lehrerin Jutta Schersing profitieren beide Seiten von dem Konzept: „Die Lehrer sind freier, die Schüler sind freier, wir können individueller auf alle eingehen, und es macht Spaß.“ Gleichzeitig müssten die Jugendlichen Verantwortung übernehmen und darauf achten, ihre Wochenaufgaben zu erledigen.
Ganz ohne gemeinsamen Unterricht kommt das Konzept aber nicht aus. Mehrmals pro Woche gibt es kurze sogenannte „Instructions“. Dabei erklären die Lehrkräfte in etwa 15 Minuten neue Inhalte. Anschließend wird das Gelernte allein oder in Gruppen geübt und vertieft.
Auch praktische Methoden kommen zum Einsatz. Im Mathematikunterricht zeichnen Lehrkräfte beispielsweise ein Koordinatensystem mit Klebeband auf den Boden. Die Schülerinnen und Schüler stellen sich darin entsprechend einer vorgegebenen Funktion auf.
Bundeskanzler Merz würdigt Arbeit der Lehrkräfte
Bei der Preisverleihung in Berlin verwies Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf die Defizite im deutschen Bildungssystem. Diese seien kein Grund aufzugeben, sondern ein Anlass, mehr für bessere Bildung zu tun. Lehrerinnen und Lehrer bezeichnete er als „die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes“.
Den Hauptpreis des Deutschen Schulpreises bekam die Bertha-von-Suttner-Schule im hessischen Mörfelden-Walldorf. Die Hans-Leipelt-Schule gehört zu fünf weiteren Schulen, die jeweils mit 30.000 Euro ausgezeichnet wurden.

