Eine Breze im Dirndl fährt auf einem E-Scooter durch München. Eine weitere Breze in Lederhose und ein Maßkrug im Dirndl steigen in ein Taxi. Knallbunt ist das kleine Filmchen, mit dem die Stadt München das Verkehrskonzept rund um die Wiesn auf Social Media erklärt [externer Link]. Wie es entstand? Mithilfe von Künstlicher Intelligenz.
KI-Grafik in einem offiziellen Posting des Mobilitätsreferats der Stadt. Für die Münchner Designerin Kera Till ist das ein No-Go. Mehr als 7.000 Likes bekam sie für ihre Kritik auf Instagram: „Ich bin so enttäuscht von der Stadt München – es leben hier so viele Kreative – und was macht die Stadt? Sie kommuniziert offiziell mit KI-Bildern!“
Digitalfotografie machte viele Jobs überflüssig
Dass KI beim Video zum Einsatz kam, daraus macht die Stadt kein Geheimnis. Aber zum Vorwurf, dass die Kreativschaffenden hintergangen wurden, schreibt das Mobilitätsreferat auf BR-Anfrage: „Das Reel wurde von einer Münchner Kreativagentur konzipiert und umgesetzt. Die Idee, bei diesem Reel mit KI zu arbeiten, kam von den Kreativschaffenden selbst – als bewusstes Experiment.“
Für Designerin Kera Till geht es aber vielmehr um die Symbolwirkung der Aktion – in einer Zeit, in der das Netz von KI-Inhalten geflutet wird und immer grellere Bilder inflationär eingesetzt werden. „Wenn das Unternehmen machen, sag ich nichts, das kann jeder machen, wie er will. Aber bei der Stadt finde ich, sollte es einfach nochmal durchdachter sein.“
Ralph Buchner ist Professor für Foto-Design an der Hochschule München. Er meint: So wie die Digitalfotografie ab den 1990er-Jahren viele Jobs in der Branche überflüssig gemacht hat, bedrohe die generative KI jetzt die Jobs von vielen Designern. Von daher sei die Angst berechtigt, dass etwa Illustratoren, die nur in einem Bereich unterwegs seien, es schwerer haben werden, „wenn sie sich nicht massiv mit KI auseinandersetzen und die Technologie selbst auch nutzen“.
KI als Inspirationsquelle
Dass der Beruf der Illustratoren ausstirbt, glaubt Buchner nicht. Der Designer der Zukunft werde co-kreativ mit KI zusammenarbeiten und könne auch die Vorteile erkennen, „dass er oder sie viel mehr aus ihrer Fantasie heraus arbeiten kann und weniger durch technische Bedingtheiten beschränkt ist“. Die Frage werde viel mehr sein, auch in der Ausbildung: „Aus welcher Inspiration heraus? Wie halten wir unsere Kreativität aufrecht und wie arbeiten wir mit KI Co-kreativ zusammen?“
Fragen, die sich auch Designerin Kera Till stellt. Auch sie nutzt hin und wieder KI zur Inspiration. Wenn sie aber ein Bild im Kopf hat und es schnell gehen soll – dann vertraut sie nach wie vor auf Stift, Pinsel und Papier.

