Die Augsburger Band Marcoca hat über 160.000 monatliche Hörer, mehrere Songs mit mehr als einer Million Streams und bereits drei Alben. Trotzdem kennt sie in Bayern kaum jemand. Wie ist das möglich? Ein Treffen mit der Band im Augsburger „City Club“, der für die Band wie ein zweites Wohnzimmer ist.
Aus Kaufbeuren erst in die Welt – und dann nach Bayern?
2019 komponierten und nahmen die Bandmitglieder ihre ersten Stücke im Keller des Elternhauses von Schlagzeuger Martin in Kaufbeuren auf. Anfangs hörte die Songs online kaum jemand. Sänger Marco schrieb daraufhin zahlreiche Labels an – auch im Ausland.
Das französische Label „Nice Guys“ aus Bordeaux nahm die Band schließlich unter Vertrag. Seitdem wächst Marcocas Fanbase vor allem in Frankreich, aber auch in den Niederlanden und in England. Beim letzten Konzert in Paris sang das Publikum sogar die Gitarrenmelodie ihres rein instrumentalen Songs „Road to Laguna“ [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt] mit.
Surfsound made im Ostallgäu
Trotz 300 Kilometern Luftlinie zum Meer versetzt Marcocas Sound die Hörern in eine salzige Brise am Strand: eine halbakustische Gibson mit maximalem Hall, eine Slide-Gitarre, die nach Honolulu klingt, und ein Fender Rhodes, das den Groove in die Beine trägt.
„Es klingt wie der Sound in Pulp Fiction“, sagt Marco über ihre Musik. Als Einflüsse nennt er „Grateful Dead“, „The Growlers“ oder die „Allah-Las“. Weil aber jedes Bandmitglied seine eigenen Vorlieben einbringt, entsteht ein eigenständiger Surfsound. Ihr neuester Song: „Pipedream“ [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt] .
Lieber Augsburg als Amsterdam
Doch wenn der Erfolg im Ausland größer ist, warum bleibt Marcoca dann in Augsburg? Auch deutsche Städte wie Hamburg, Berlin oder München böten eine größere Szene und mehr Möglichkeiten zum Netzwerken. Doch zum einen sind da die Jobs, die die Bandmitglieder neben der Musik brauchen; nur zwei von fünf können derzeit von der Musik leben.
Zum anderen schätzen sie Größe und Charme Augsburgs. Die Szene sei sehr unterstützend, und statt eine von vielen Surf-Rock-Bands zu sein, falle man hier stärker auf. Dazu kommen bezahlbare Proberäume und ein eigenes Studio – ein klarer Standortvorteil gegenüber Städten wie München. Und durch TikTok und Instagram ist Vernetzung heute auch abseits der Metropolen möglich. Man sei hier sehr viel unabhängiger als früher.
Bringt ein neues Album auch hier den Erfolg?
Ende des Jahres erscheint Marcocas viertes Album. Danach geht es auf Europatour mit Stationen in Berlin, Hamburg, Amsterdam, Paris und London, bevor die Band im Augsburger „City Club“ wieder zu Hause spielt.
Ob es einen Plan gibt, endlich auch in Deutschland richtig Fuß zu fassen? „So wirklich beeinflussen kann man das nicht“, sagt Marco. Gerade auf Social Media werde es immer schwieriger, selbst die eigenen Follower zu erreichen. Die Hoffnung liegt auf Festivals, die Marcoca im kommenden Jahr verstärkt spielen will. Vielleicht schwappt die internationale Surfwelle dann doch noch zurück nach Deutschland – und nach Bayern.

