Wer jetzt 10-jährige deutsche Staatsanleihen kauft, der bekommt eine recht gute Rendite: 3,6 Prozent – das bieten nur wenige Tages- oder Festgeldkonten. Wer den USA sein Geld leiht, der kann sogar fast 5,3 Prozent bekommen. Und das für eine Anlageform, die im Allgemeinen als sehr sicher gilt.
Das Problem ist nur: So sicher, wie viele meinen, sind diese Anleihen aktuell nicht. Denn sie werden an der Börse gehandelt und das heißt, die Kurse können schwanken. Und je höher die Rendite, desto niedriger ist der Kurs. Sprich: Derzeit fallen die Kurse der Anleihen, und zwar kräftig. BR24 gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Warum fallen die Kurse der Anleihen derzeit?
Das hat verschiedene Gründe: Zum einen brauchen viele Staaten derzeit viel Geld und verschulden sich. Das erhöht das Angebot an Staatsanleihen und das verdirbt den Preis. Zum anderen steigt die Inflation, die Notenbanken stemmen sich dagegen und erhöhen ihre Leitzinsen, was wiederum die Zinsen der Anleihen mitzieht.
Und Stichwort Inflation: Das müssen Anleger eigentlich immer gegenrechnen: Die hohen Renditen von 3,6 Prozent sind in Wirklichkeit gar nicht so hoch, wenn man 3,3 Prozent Inflation abzieht. Der reale Zins liegt also nur bei 0,3 Prozent. Das „Manko“ haben allerdings alle Anlageformen, also auch Tages- oder Festgeld.
Für wen lohnt sich der Einstieg und für wen nicht?
Grundsätzlich gilt: Wer Anleihen von einem Staat mit guter Bonität kauft und sie bis zum Ende der Laufzeit behält, der macht nichts falsch. Es kann nur sein, dass während der Laufzeit die Zinsen weiter steigen und es dann eben lukrativere Angebote gäbe.
Wer jetzt ältere Papiere kauft, die bereits im Kurs gesunken sind, der kann einen guten Profit machen, wenn sie bis zum Ende im Depot liegen bleiben. Alle, die ihre Anleihen vorzeitig verkaufen müssen oder wollen, die können ein Problem bekommen. Denn die Kurse können weiter fallen und damit besteht ein Risiko. Ähnlich ist es bei Fonds oder ETFs speziell für Anleihen. Dort zählen in der Regel die Kurse, da die Papiere immer wieder ausgetauscht, also verkauft werden.
Wie geht es weiter?
Finanzmarktexperten rechnen damit, dass die Renditen der Anleihen weiter steigen werden. Denn die Ursachen dieser Entwicklung sind nach wie vor aktuell. Die Inflation wird vermutlich noch weiter steigen, jedenfalls solange der Konflikt im Nahen Osten anhält und die Straße von Hormus blockiert ist. Bislang treiben vor allem die hohen Energiepreise die Inflation nach oben. So nach und nach verteuern sich dadurch auch viele andere Produkte, vor allem solche, die mit hohem Energieaufwand hergestellt werden.
Zinslast der Staaten steigt weiter
Und auch die Staatsverschuldung wird in vielen Ländern weiter zunehmen. Sowohl in den USA als auch bei uns. Sorgen bereitet vielen die Haushaltslage in Frankreich. Dort wird seit Wochen um einen tragfähigen Haushalt gerungen und das Schuldenniveau ist bereits deutlich höher als in Deutschland. Hohe Staatsschulden führen oft automatisch zu noch höheren Schulden. Denn die sogenannte Zinslast, also das, was der Staat für seine Schulden bezahlen muss, steigt deutlich an und muss wiederum finanziert werden. Sprich: meist mit neuen Schulden, neuen Staatsanleihen.
Können Staaten pleitegehen?
Ein weiteres Risiko ist natürlich der komplette Zahlungsausfall. Also, wenn die Schulden nicht zurückgezahlt werden. Für Anleihen aus den USA oder Deutschland wird dieses Risiko als relativ gering eingeschätzt. Aber in der Vergangenheit ist das durchaus vorgekommen: zum Beispiel in Argentinien oder in Griechenland.
Und in Frankreich sorgen Äußerungen des linken Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon für Aufsehen, der ins Spiel brachte, Schulden bei der EZB einfach nicht zurückzuzahlen. Allerdings würde das bedeuten, dass in Zukunft niemand mehr französische Anleihen kaufen würde, die Nation würde sich damit ins eigene Fleisch schneiden.
Was bedeuten die steigenden Renditen für Kredite?
Die hohen Renditen am Anleihemarkt verteuern aber nicht nur die Kredite für die einzelnen Staaten, sondern für jeden, der sich Geld leiht. Die Hypothekenzinsen für Immobilienkredite sind bereits stark gestiegen, und auch wer den nächsten Urlaub auf Pump finanziert, muss dafür mehr bezahlen. Und natürlich wird es auch für Unternehmen teurer, die sich Geld leihen. Das könnte letztlich den kleinen Konjunkturaufschwung wieder abwürgen.

