Die Hölle, das sind unsere Smartphones. Die Welt von Social Media, Tiktok und Instagram macht den Horror der neuen Serie „Carrie“ aus. Um Stephen Kings Debütroman von 1974 ins Hier und Jetzt zu holen, hat Serienmacher Mike Flangan die Geschichte stark verändert und aktualisiert, erzählt er: „Wir leben heute 2026 in einer ganz anderen Welt, als der, in der das Buch spielt. Ich habe Stephen deshalb eine völlig neue Version des Carrie-Stoffs gezeigt. Ich war nervös. Noch nie habe ich eine seiner Geschichten so stark umgeschrieben. Aber er war direkt davon begeistert, fand die neue Version sehr interessant und hat selbst Ideen zur Welt und den Charakteren eingebracht.“
Der Horror aus dem Handy
„Carrie“ 2026 ist eine Horror-Geschichte über Mobbing und Social Media im Schulalltag. Die tiefreligiös erzogene Carrie ist Außenseiterin in ihrer Klasse und hat übernatürliche, telekinetische Fähigkeiten – das ist auch im Roman so. Die sozialen Medien gab es in den 1970er Jahren, als das Buch erschienen ist, allerdings noch nicht. So werden Tiktok und Instagram in der neuen Version von „Carrie“ zum Brandbeschleuniger einer diabolischen Geschichte, die in einem verheerenden Feuer endet.
Ein Mobbing-Account namens „Carrie-Red“, initiiert von einer Schülerin, geht viral und bringt einen riesigen Shitstorm über die Highschool: Die Lehrer sind ratlos, teilweise selbst Opfer, teilweise Anstifter, versuchen sie sich in erfolgloser Mediation. Der Elternbeirat ist so gespalten und aufgebracht wie die US-amerikanische Gesellschaft. Und die Schüler hin- und hergerissen zwischen Spott und Scham.
Mobbing, übernatürliche Fähigkeiten und ein großes Feuer
Mike Flanagan greift in der Serie damit implizit auch die Frage nach dem auch real diskutierten Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche auf: „Ja, ich denke wir brauchen Altersbegrenzungen zur Sicherheit. Die negativen Auswirkungen von Social Media, etwa auf die Gehirnentwicklung junger Menschen, sind gut belegt. Genauso wie die manipulativen Praktiken der Unternehmen, die ihre User abhängig machen wollen. Wir sollten unsere Kinder davor schützen, so wie wir das auch bei anderen abhängig machenden Substanzen tun.“
Auch die Serie spielt damit, mit schnellen Schnitten, dem unaufhörlichen Strom von Bildern, Fakes und Gerüchten. „Carrie“ ist eine Serie, die man, was selten geworden ist, an einem Tag wegbinchen kann. Doch sie setzt dem Schnellen und Vergänglichen auch immer wieder langsame und nachdenkliche Passagen entgegen.
Mike Flangan zeigt: Wir als Nutzer sind mitverantwortlich für das, was mit den sozialen Medien, mit neuen Technologien in unserer Gesellschaft passiert. Ohne Regeln brennt nicht nur der Schulball, sondern unsere Welt ab.

