Das Oktoberfest 2026 ist mit einem neuen Besucherrekord zu Ende gegangen: 7,4 Millionen Menschen waren es in diesem Jahr – 900.000 mehr als im vergangenen Jahr und so viele wie nie zuvor. Trotzdem blieb es auf dem Festgelände überraschend geordnet. Zwar waren die Haupteingänge an den letzten beiden Samstagen zeitweise geschlossen, um die Besucherströme zu entzerren. Anders als im Vorjahr kam es aber dieses Jahr nicht zu einer kritischen Situation: Das Gelände sei zu keiner Zeit überfüllt gewesen, betonte die Festleitung gegenüber dem BR.
Crowd Spotter plus KI-gestützte Videoüberwachung
Das habe auch mit dem überarbeiteten Sicherheitskonzept zu tun. Das Zusammenspiel aus Crowd-Spottern vor Ort, einer neuen Sicherheitszentrale im Servicezentrum Theresienwiese und einer KI-gestützten Videoüberwachung zur Besucherlenkung hat nach Einschätzung von Wiesnchef Christian Scharpf, Referent für Arbeit und Wirtschaft, gut funktioniert. Eine detaillierte Auswertung soll im November vorliegen.
Beobachtung auf 22 Quadratmetern Bildschirmfläche
Zentrales Element des neuen Sicherheitskonzepts war ein umfassendes Crowd Monitoring. Mehr als 50 Kameras beobachteten an 35 Positionen die Besucherströme auf der Wiesn. Aus ihren Bildern wurden live Informationen über Personendichte und Bewegungsrichtungen gewonnen, die in der Sicherheitszentrale auf rund 22 Quadratmetern Bildschirmfläche zusammenliefen. Außerdem waren sogenannte Crowd Spotter auf dem Wiesn-Gelände unterwegs, also Menschen, die beobachten, wo sich etwa dichte Menschenansammlungen bilden. Damit konnte frühzeitig gezielt gegengesteuert werden, etwa durch die temporären Zugangssperren.
Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (externer Link), kurz: IOSB, begleitet die Auswertung des Sicherheitskonzeptes wissenschaftlich. Schon während des Oktoberfests hat das IOSB sein Experimentalsystem GeoVID eingesetzt, das bereits bei anderen Großveranstaltungen getestet wurde. GeoVID analysiert Videodaten mithilfe künstlicher Intelligenz, um in Echtzeit zu erfassen, wo sich wie viele Menschen aufhalten und wie sich Menschenströme bewegen.
KI betrachtet anonymisiertes Raster, keine Personen
Entscheidend dabei: Die KI betrachtet die Menge, nicht einzelne Personen. Sie erkennt, wo Menschen im Bild sind, ohne Gesichter oder individuelle Merkmale auszuwerten. Aus den Videodaten entstehen Heatmaps und anonymisierte Personendichte-Raster, die auf Karten übertragen werden. Dabei werden nur die für das Crowd Monitoring nötigen Informationen verarbeitet, Klarvideos werden nicht gespeichert.
Die Erfahrungen der Wiesn 2026 sollen der Stadt München helfen, ihr Sicherheitskonzept für kommende Oktoberfeste zu verbessern. Nach der zeitweisen Überfüllung eines Abschnitts der Wirtsbudenstraße im Jahr 2025 waren das gezielte Crowd Spotting, die KI-Auswertung der Kamerabilder und die neue Sicherheitszentrale beschlossen worden.
Untersuchung soll Erkenntnisse für kommende Oktoberfeste liefern
Mit der wissenschaftlichen Untersuchung sollen jetzt belastbare Erkenntnisse gewonnen werden, mit denen die Stadt München ihr Sicherheitskonzept für kommende Oktoberfeste weiterentwickeln kann, so Scharpf.
Parallel hat auch die Universität der Bundeswehr München das diesjährige Oktoberfest als Reallabor für eigene Forschungsarbeiten genutzt. Ihr Fokus liegt darauf, Personenstromsimulationen weiterzuentwickeln. Perspektivisch soll so möglich werden, die Entwicklung von Besucherströmen zu prognostizieren, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und zu simulieren, wie sich mögliche Maßnahmen auswirken könnten.

