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Die Smartwatch eines Wanderers sendet ein Notrufsignal. Polizei, Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Bergwacht rücken aus, Helikopter steigen auf. Bald ist klar: Es ist niemand in Not. Die Smartwatch hat einen Fehlalarm ausgelöst.
BR24-Nutzer haben in den Kommentarspalten diskutiert, wie das passieren konnte, ob und wer den Einsatz zahlen sollte und welche Erfahrungen sie selbst mit Smartwatch-Alarmen gemacht haben.
Warum bemerken Smartwatch-Träger solche Notrufe nicht immer?
Einige User sind irritiert darüber, wie es überhaupt passieren kann, dass jemand den Notruf seiner Uhr nicht bemerkt. „Kaasspozerl“ etwa kommentiert: „Wie der Wanderer den Notruf nicht mitbekommen konnte, versteh ich nicht, das ist eigentlich nicht zu übersehen/überhören. Auch „Nachtgloat“ schreibt: „Warum kann sich so ein Gerät dann nicht sich bei seinem Träger bemerkbar machen, wenn es schon einen Notruf absetzt?! Vibrieren oder lautes Piepen? Eine Text-Warnung auf dem Display?“
Technisch signalisieren Smartwatches eindeutig, wenn sie einen Notruf absetzen. Der Ablauf am Beispiel der Apple Watches: Erkennen sie laut Apple [externer Link] einen schweren Sturz, tippen sie ans Handgelenk, spielen einen Ton ab und zeigen eine Meldung an. Wenn sich der Träger nicht innerhalb einer Minute bewegt, startet ein kurzer Countdown, bei dem die Uhr auch einen zunehmend lauter werdenden Alarmton abspielt. Bricht der Träger ihn nicht ab, ruft die Smartwatch automatisch die Rettungsdienste an und spielt eine Nachricht ab.
Ein Signal nach dem Anruf beschreiben Hersteller wie Apple, Samsung und Huawei dagegen nirgends.
Wie ausgefeilt ist die Notruf-Technik von Smartwatches?
Über eigene Erfahrungen zur Zuverlässigkeit der Notruf-Funktion diskutieren die BR24-Nutzerinnen und Nutzer ebenfalls: „etceteraetcetera“ hat sich „extra eine Apple Watch mit Alarmfunktion zugelegt, damit ich im Notfall Hilfe bekomme. Allerdings habe ich schon öfter feststellen müssen, dass sie bei einem (ungefährlichen) Sturz nicht ausgelöst hat! Dagegen aber bei einer ruckartigen Armbewegung oder körperlicher Arbeit. (…) Es irritiert mich schon, dass diese Teile doch sehr unzuverlässig sind!“ Andere Erfahrungen hat dagegen „Huehnchen“ gemacht: „Ich bin von der Zuverlässigkeit sehr positiv überrascht (Ultra 3).“
Die Hersteller machen auf ihren Websites klar, dass die Smartwatches Fehler machen können. Apple etwa schreibt, die Uhr könne „intensive Aktivität“ als Sturz interpretieren. Ähnlich Google: „Die Unfallerkennung kann nicht alle Stürze erkennen.“ Eine Sicherheit, dass der Alarm bei einem echten Notfall auslöst, gibt es also nicht – und auch nicht, dass Fehlalarme ausgeschlossen sind.
Samsung, Huawei und Garmin sind etwas vorsichtiger: Bei der Samsung Galaxy Watch [externer Link] legen Nutzer die Nummer vorab fest, die im Notfall informiert werden soll.
Die Huawei Watch [externer Link] ruft automatisch einen festgelegten Notfallkontakt an und bietet den Trägern die Option, einen 112-Notruf manuell auszulösen.
Garmins Smartwatches [externer Link] setzen keine 112-Notrufe ab und informieren ausschließlich private Kontakte.
Aus Sicht der Leitstellen sind die automatisierten Notrufsysteme eine „im Ernstfall lebensrettende technische Entwicklung“, sagt Jürgen Meyer vom Verband bayerischer Leitstellenbetreiber. Entscheidend sei, die Fehlalarme weiter zu reduzieren und die Systeme technisch und planerisch besser einzubinden. Dafür habe das bayerische Innenministerium jetzt den Smart Device Notruf eingeführt. Er soll die Unterscheidung zu den Notfall-eCalls aus Autos erleichtern – und so Einsätze besser planbar machen. Ob das funktioniert, wird eine erste Auswertung im Januar zeigen.
Wer haftet für die Einsatzkosten bei einem Fehlalarm?
Im Oberstdorfer Fall entscheiden die Organisationen, ob der Wanderer für den Einsatz aufkommen muss. „Teufel2022“ aber findet, wie auch andere Nutzer: „Zumindest einen Teil der Kosten müssten dem Verursacher auferlegt werden. Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit und somit der Steuerzahler die Zeche zahlt. Wer solche Geräte im Einsatz hat, der muss auch für die entstandenen Kosten zumindest teilweise haftbar gemacht werden können.“ Andere Nutzer wie „Williwillsnichtwissen“ argumentieren dagegen: „Die Hersteller müssen hier in Verantwortung gezogen werden und bei Fehlalarmen die Kosten tragen.“
In Bayern können Smartwatch-Besitzer nach einem Fehlalarm eine Rechnung von der Gemeinde erhalten, wenn die Feuerwehr an einem Einsatz beteiligt war. Denn laut Artikel 28 des Bayerischen Feuerwehrgesetzes (BayFwG) [externer Link] können sich die Gemeinden die Kosten erstatten lassen, wenn ein Gerät einen falschen Notruf absetzt. Die Kosten des Feuerwehreinsatzes müsste dann der Eigentümer des Gerätes tragen.
Ein Gesetz, das explizit die Hersteller zur Verantwortung zieht, gibt es bislang nicht. Auch die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie ändert daran nichts. Sie bezieht zwar künftig Software und KI mit ein, greift aber nur bei Verletzungen oder Sachschäden – und nur, wenn Privatpersonen betroffen sind.
Wie hoch ist der Anteil der Smartwatches an Fehlalarmen?
Auch die Statistik bewegt die BR24-Community. In dem früheren Artikel heißt es, 2025 seien von 135.000 Einsätzen 338 eCall-Fehlalarme gewesen – 0,25 Prozent. Nutzer „DirkMichael“ fragt: „Nun wäre es noch interessant zu erfahren, wie viele Einsätze es aufgrund dieser smarten Geräte gab, in denen Menschen gerettet werden konnten, um zu verstehen, wie wichtig die Geräte sein können.“
Jürgen Meyer vom Verband bayerischer Leitstellenbetreiber sagt, bislang gebe es keine umfassende Statistik darüber, wie viele Menschen durch automatisierte Notrufe gerettet wurden. „Aus der Praxis wissen wir aber, dass es (…) immer wieder auch reale Notfälle gibt, bei denen diese Technik entscheidend dazu beiträgt, schnell Hilfe zu alarmieren.“
Ein Einzelbeispiel: Bis Ende Juni 2025 zählte die Leitstelle in München innerhalb eines Jahres 3.208 automatisierte Notrufe aus Autos – und 26 Smartwatch-Alarme. Insgesamt meldeten die Leitstellen zwischen 75 und 95 Prozent Fehlalarme. Übertragen auf Smartwatch-Alarme wären von den 26 Alarmen also 20 bis 25 Fehlalarme gewesen.
Andersrum würde das bedeuten, dass zumindest in München innerhalb eines Jahres hinter ein bis sieben Alarmen ein echter Notfall steckte.

