„Gute Arbeit entscheidet sich nicht nur am Bruttolohn. Entscheidend ist auch, was am Ende bei den Menschen ankommt.“ Mit diesen Worten brachte Lars Klingbeil Anfang September den Bundeshaushalt 2027 in den Bundestag ein und stellte zugleich Entlastungen für Familien sowie kleine und mittlere Einkommen in Aussicht. Da Klingbeil aber nicht nur SPD-Vorsitzender, sondern zugleich Bundesfinanzminister ist, lassen sich seine Worte ganz konkret nachprüfen. Denn inzwischen liegen die wesentlichen Eckdaten für Steuern und Sozialabgaben vor – und es lässt sich ziemlich genau abschätzen, wer im kommenden Jahr tatsächlich netto mehr auf dem Konto hat.
Eckdaten zu Steuern und Abgaben liegen auf dem Tisch
Bereits im Juli hatte die Bundesregierung ihre Pläne für die Einkommensteuer vorgelegt, wichtige Größen für die Sozialabgaben standen aber noch nicht fest. Inzwischen gibt es einen Regierungsentwurf für die Steuerreform, die Beitragsbemessungsgrenzen für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung liegen vor und auch bei der Pflegeversicherung ist absehbar, welche zusätzliche Belastung auf die Beitragszahlerinnen und -zahler zukommt. Noch ist nicht jedes Detail endgültig beschlossen. Anders als im Sommer lassen sich die Auswirkungen auf den Nettolohn inzwischen aber deutlich belastbarer berechnen – per Brutto-Netto-Rechner 2026 & 2027 [externer Link].
Bei 6.000 Euro Monatseinkommen rutscht der Saldo ins Minus
Wie groß die Unterschiede ausfallen, zeigen auch Berechnungen des Wirtschaftswissenschaftlers Frank Hechtner von der FAU Erlangen-Nürnberg für das „Handelsblatt“, die auch BR24 vorliegen. Für einen kinderlosen Single mit einem Monatseinkommen von 2.000 Euro brutto ergibt sich demnach ein Plus von rund drei Euro netto im Monat, bei 4.000 Euro bleibt das monatliche Netto praktisch unverändert. Ab 6.000 Euro dreht sich die Bilanz: Dann bleiben monatlich rund zwölf Euro weniger, bei einem Monatsbrutto von 8.000 Euro wächst das Minus auf 27 Euro.
Warum die Steuerentlastung nicht immer ankommt
Der Grund: Während die Einkommensteuerreform viele Beschäftigte durch einen höheren Grundfreibetrag, einen höheren Arbeitnehmer-Pauschbetrag und einen flacheren Verlauf des Steuertarifs entlastet, steigen auf der anderen Seite die Sozialabgaben. Hinzu kommen steigende Beitragsbemessungsgrenzen: Bei höheren Einkommen werden dadurch auf einen größeren Teil des Bruttolohns Sozialbeiträge fällig. Je nach Einkommen ist dieser Effekt größer als die steuerliche Entlastung – dann bleibt netto weniger. Zudem sollen Kinderlose in der Pflegeversicherung künftig einen Zuschlag von 0,9 statt 0,6 Prozent zahlen.
Familien haben häufig mehr Netto vom Brutto
Bei Familien fällt die Bilanz in vielen Fällen günstiger aus. Ein wichtiger Grund ist das Kindergeld: Es steigt 2027 von 259 auf 267 Euro je Kind und Monat. Bei zwei Kindern sind das allein 16 Euro mehr. Anders als Kinderlose müssen Eltern außerdem den höheren Zuschlag zur Pflegeversicherung nicht zahlen. Zusammen mit der Entlastung bei der Einkommensteuer führt das etwa bei einem Ehepaar mit zwei Kindern und jeweils 4.000 Euro Monatsbrutto zu rund 35 Euro mehr im Monat. Verdient der eine Partner 6.000 Euro und der andere 4.000 Euro, sind es noch rund 23 Euro mehr.
Versprechen der Bundesregierung gehalten?
Einerseits will die Bundesregierung ihr Versprechen einlösen, viele Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bei der Einkommensteuer zu entlasten. Ob davon am Ende aber tatsächlich mehr auf dem Konto bleibt, ist eine andere Frage und hängt stark vom Einkommen und von der Familiensituation ab. Vor allem bei höheren Einkommen können steigende Sozialbeiträge die steuerliche Entlastung vollständig aufzehren oder sogar übersteigen. Gemessen an Klingbeils eigenem Maßstab, was „am Ende bei den Menschen ankommt“, fällt die Bilanz deshalb unterschiedlich aus: Viele Familien haben 2027 tatsächlich mehr auf dem Konto, kinderlose Singles mit höheren Einkommen dagegen teilweise weniger.

