Sie kommen in knallbunten Dosen, schmecken süß und versprechen den schnellen Kick: Energydrinks. Neue Studien untersuchen ihre gesundheitlichen Folgen für Kinder und Jugendliche. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat deshalb seine Risikobewertung [externer Link] aktualisiert.
Viele Jugendliche trinken regelmäßig Energydrinks
Eine aktuelle Auswertung [externer Link] mit mehr als 100.000 Kindern und Jugendlichen zeigt: 71,7 Prozent der 13- bis 15-Jährigen haben Energydrinks schon einmal probiert. 19,2 Prozent trinken sie mindestens wöchentlich, 6,1 Prozent täglich oder fast täglich.
Präventionsforscher Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung IFT-Nord, sieht auch Werbung und soziale Medien als wichtigen Faktor. Influencer konsumierten Energydrinks in ihren Posts oft „so beiläufig“, dass Jugendliche die Produktdarstellung nur schwer als Werbung erkennen könnten.
Zwei kleine Dosen können schon zu viel Koffein liefern
In der EDKAR-Studie [externer Link] berichteten elf Prozent der Befragten, an einzelnen Tagen mehr als einen Liter zu trinken. Eine 250-Milliliter-Dose enthält etwa 80 Milligramm Koffein. Für Kinder und Jugendliche gelten bis zu drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht als gesundheitlich unbedenklich. Ein 50 Kilogramm schwerer Jugendlicher läge mit zwei kleinen Dosen bereits darüber, erklärt Anke Ehlers vom BfR.
Zwar gibt es gesetzliche Grenzwerte [externer Link] für das zugesetzte Koffein, bei Energydrinks sind das 320 Milligramm pro Liter. Diesen schöpften die Hersteller aber in der Regel aus, so Ehlers. Hoher Koffeinkonsum bedeute indes nicht, dass automatisch Beschwerden auftreten. Die Empfindlichkeit gegenüber Koffein ist individuell verschieden. Oberhalb des gesundheitlichen Richtwerts nehmen allerdings die Unsicherheit und mit steigender Dosis auch das Risiko unerwünschter Wirkungen zu.
Belastungen von Herz, Kreislauf und Schlaf durch Koffein
Felix Oberhoffer vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München hat in der EDUCATE-Studie [externer Link] untersucht, wie Energydrinks kurzfristig bei Kindern und Jugendlichen wirken. Die Teilnehmenden bekamen eine moderate, an ihr Körpergewicht angepasste Menge. Anschließend untersuchten die Forschenden unter anderem Blutdruck, Herzrhythmus und Herzfunktion.
„Der Blutdruck geht nach oben“, sagt Oberhoffer. Auch Herzrhythmusstörungen und Schlafstörungen seien bereits bei vergleichsweise geringen Mengen möglich. Besonders problematisch seien hohe Mengen vor dem Sport, zusammen mit Alkohol oder bei Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder angeborenen Herzfehlern.
Langzeitfolgen sind noch nicht ausreichend geklärt
In der EDKAR-Studie (s.o.) wurden Jugendliche mit chronisch hohem Konsum mit einer Kontrollgruppe verglichen. Als Hochkonsumenten galten dabei Jugendliche, die seit mindestens zwölf Monaten an mindestens vier Tagen pro Woche Energydrinks tranken und darüber täglich mehr als drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht aufnahmen.
Bei den untersuchten Herz-Kreislauf-Werten zeigten sich keine Unterschiede zur Kontrollgruppe. Die Hochkonsumenten berichteten allerdings von Beschwerden wie Herzrasen, Nervosität und Unwohlsein. Das BfR betont zugleich, dass bei den langfristigen Auswirkungen weiterhin große Wissenslücken bestehen. Sie lassen sich nur schwer untersuchen, weil Kindern und Jugendlichen aus ethischen Gründen nicht über längere Zeit hohe Mengen Energydrinks verabreicht werden können.
Oberhoffer sieht wegen der kurzfristigen Auswirkungen allerdings Anlass zur Sorge: Bluthochdruck verursache häufig lange keine Beschwerden, könne das Herz-Kreislauf-System aber über Jahre schädigen und später das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen.
Was Eltern tun können
Oberhoffer spricht sich für mehr Jugendschutz bei Energydrinks aus, wie etwa durch eine Altersgrenze ab 16 Jahren. Diese Forderung hat er bereits 2024 im Ausschuss des Bundestags für Ernährung und Landwirtschaft [externer Link] eingebracht.
Präventionsexperte Hanewinkel setzt ebenfalls auf Regeln für Werbung und Verkauf, aber auch auf Prävention im Alltag. Eltern sollten wissen, was ihre Kinder beschäftigt, und mit ihnen im Gespräch bleiben. „Die elterliche oder familiäre Gemeinschaft und die Rückenstärkung der Kinder durch die Eltern ist nach wie vor ein hohes Gut und nahezu eine Allzweckwaffe in der Prävention“, sagt der Präventionsforscher.

