Die Meldung über eine möglicherweise an Lungenpest verstorbene Labormitarbeiterin in einer russischen Forschungseinrichtung wirft Fragen auf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert Antworten.
Was ist die Pest und welche Formen gibt es?
Die Pest ist eine von dem Bakterium Yersinia pestis ausgelöste und unbehandelt für den Menschen häufig tödliche Infektionskrankheit, die von Kleinsäugetieren direkt oder über einen Zwischenwirt wie dem Floh auf den Menschen übertragen wird. Mindestens drei große Pandemien im sechsten, 13. bis 15., sowie im 19. Jahrhundert waren laut Robert-Koch-Institut (RKI) für weit über 100 Millionen Todesopfer verantwortlich (externer Link).
Die mit Abstand häufigste Form ist die Beulenpest, bei der der Erreger etwa nach dem Biss eines infizierten Flohs über die Lymphbahnen zu den Lymphknoten gelangt und dort schmerzhafte, eitrige Entzündungen verursacht. Gelangt das Pest-Bakterium durch das Einatmen von infektiösen Tröpfchen über die Luft direkt in die Lunge – was auch infolge einer Beulenpest-Infektion passieren kann –, entwickelt sich eine fast immer tödlich verlaufende Lungenentzündung. Diese Form der Erkrankung wird Lungenpest genannt.
Wo kommt die Pest heute noch vor?
Der Erreger der Pest ist in verschiedenen Säugetierpopulationen auf allen bewohnten Erdteilen mit Ausnahme von Europa und Australien verbreitet. Laut RKI werden weltweit pro Jahr bis zu 3.000 Pestinfektionen beim Menschen gemeldet. Aktuell sind nach Angaben der WHO (externer Link) besonders Madagaskar und die Demokratische Republik Kongo betroffen.
Immer wieder kommt es zu Pestausbrüchen in der Mongolei. Dort wird der Erreger meist durch Verzehr von infiziertem Murmeltierfleisch auf den Menschen übertragen. So auch im Jahr 2019, als die Stadt Ölgii nahe der russischen Grenze vollständig unter Quarantäne gestellt werden musste, nachdem zwei Menschen an Beulenpest gestorben waren.
Das russische Labor, in dem vor wenigen Tagen eine Mitarbeiterin starb und ein Verdacht auf Lungenpest im Raum steht, liegt am Rand dieses natürlichen mongolisch-sibirischen Verbreitungsgebiets des Pesterregers.
Wie wird die Pest auf den Menschen übertragen?
Das Leben unter schlechten hygienischen Verhältnissen zusammen mit Ratten- und Mäusepopulationen kann eine Übertragung auf den Menschen durch Flöhe begünstigen. Der direkte Kontakt mit infizierten toten Tieren wie auch der Verzehr von rohem oder unzureichend erhitztem Wildtierfleisch kann ebenfalls zu einer Ansteckung führen. Laut Medienberichten sollen sich in den USA seit 1977 mindestens 15 Personen über ihre infizierten Hauskatzen mit der Pest angesteckt haben, teilweise über Bisse und Kratzer, aber auch über Tröpfcheninfektion.
Welche Symptome haben Beulenpest und Lungenpest?
Die Beulenpest macht sich laut RKI nach einer Inkubationszeit von ein bis sieben Tagen etwa durch Kopfschmerzen, Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost und Bewusstseinsstörungen sowie durch druckschmerzhafte Schwellungen von Lymphknoten bemerkbar. Bei der Lungenpest ist die Inkubationszeit mit ein bis drei Tagen kürzer. Zu den Symptomen gehören hier unter anderem Fieber oder Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Beschleunigung der Atmung und Brustschmerzen sowie teils blutiger oder eitriger Husten.
Wie gefährlich ist die Pest?
Nach WHO-Angaben führt die unbehandelte Beulenpest in 30 bis 60 Prozent aller Fälle zum Tod, die Lungenpest endet fast immer tödlich. Eine Pestinfektion ist gut mit Antibiotika behandelbar, sofern die Krankheit früh erkannt wird. Laut RKI verschlechtert sich die Prognose für den Krankheitsverlauf, wenn Antibiotika später als 18 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome verabreicht werden.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Verschleppung der Krankheit aus betroffenen Gebieten nach Deutschland gilt als sehr gering, kann aber in Einzelfällen nicht ausgeschlossen werden. Den letzten Pestausbruch in Europa gab es 1945 im italienischen Taranto, bei dem 30 Menschen erkrankten und 15 von ihnen starben.
Können Pestbakterien auch als Biowaffe eingesetzt werden?
Bereits im Altertum wurden die Körper von an Pest Verstorbenen über Stadtmauern katapultiert, um die dortige Bevölkerung zu infizieren. Laut RKI hat das Pestbakterium eine Bedeutung als potenzieller biologischer Kampfstoff. Da der Erreger über die Luft verbreitet werden kann, stuft das Centers for Disease Control and Prevention in den USA Yersinia pestis in die höchste Kategorie biologischer Kampfstoffe ein – insbesondere, wenn eine durch Genmanipulation gegen Antibiotika resistenter gemachte Variante in Umlauf gebracht würde.

