Das Werbeversprechen vieler Online-Shops, die Kratom-Produkte anbieten: Der Konsum führe zu mehr Energie, zu einer besseren Stimmung, einer besseren Konzentration, mehr Entspanntheit, einer gesteigerten Libido und lindere Depressionen und Ängste. Doch schon lange ist bekannt, dass Kratom alles andere als ein harmloses Aufputsch- oder Naturheilmittel ist.
So gab es insbesondere in den USA schon mehrere Todesfälle von Personen, die Kratom konsumiert hatten. Und auch in Deutschland starb vor wenigen Jahren ein junger Mann (externer Link), nachdem er Kratom eingenommen hatte. Ein gesunder junger Mann wäre kürzlich in Österreich fast daran gestorben. Doch was ist eigentlich Kratom? Hier die wichtigsten Fakten.
Was ist Kratom?
Kratom ist die Bezeichnung der Blätter des in Südostasien heimischen Kratombaums (Mitragyna speciosa). In verschiedenen Formen – vor allem frisch, getrocknet oder fermentiert – werden diese in der traditionellen Medizin und zunehmend auch als Rauschmittel verwendet.
Welche Inhaltsstoffe enthält Kratom?
Die Blätter des Kratombaums enthalten sogenannte Alkaloide, also chemische Verbindungen. Die Hauptalkaloide in den Blättern sind Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin. Sie haben eine opioidähnliche Wirkung.
Wie wirkt Kratom?
Ähnlich wie Opioide wirkt Kratom in niedrigen Dosen stimulierend, stimmungsaufhellend und leistungssteigernd. In hohen Dosen hat es eine sedierende, narkotische Wirkung. Es hat daher Auswirkungen auf Bewusstsein und Psyche.
Was ist bei Kratom wissenschaftlich belegt?
Der genaue Nutzen von Kratom für den Menschen ist noch nicht ausreichend erforscht. Darauf verweist auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) (externer Link) und warnt ausdrücklich vor dem Verzehr von Kratom. Aufgrund seiner Inhaltsstoffe Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin hat Kratom, zumindest in hohen Dosen, eine sedierende, bewusstseinseintrübende und durchaus auch schmerzlindernde Wirkung.
Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Kratom auftreten?
Studien (externer Link) deuten darauf hin, dass Kratom-Konsum möglicherweise neurologische Folgen haben, zu Abhängigkeit und Entzugssymptomen führen und Leber und Nieren schädigen könnte.
Der regelmäßige Konsum von Kratom kann, wie es bei Opioiden der Fall ist, süchtig machen. Riskant ist Kratom vor allem für diejenigen, die es etwa zusammen mit verschreibungspflichtigen Opioiden wie Fentanyl oder Benzodiazepinen konsumieren.
Wann ist Kratom besonders gefährlich?
Besonders gefährlich ist auch der Konsum von Kratom zusammen mit Koffein oder Alkohol. Die Kombination kann Nebenwirkungen verstärken und zu Atemdepression oder stark erhöhtem Blutdruck führen, warnt etwa die Verbraucherzentrale (externer Link). Zudem können Kratom-Produkte, insbesondere wenn sie bei Onlinehändlern gekauft werden, mit gefährlichen Verunreinigungen wie Schwermetallen und Salmonellen belastet sein.
Warum warnt das BfR vor Kratom?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (externer Link) weist in einer Mitteilung vom September 2025 darauf hin, dass „der Kratom-Konsum gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben kann“. Das Bundesinstitut zählt „nach einer ersten Sichtung der wissenschaftlichen Daten“ als mögliche Folgen eines Kratom-Konsums auf: neurologische Auswirkungen – wie Schwindel, Krampfanfälle, Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder Halluzinationen –, kardiovaskuläre Effekte wie Herzklopfen oder Herzrasen, Atemstörungen, sowie Leber- und Nierenschädigungen.
Ist Kratom in Deutschland legal?
„Kratom ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen“, warnt das BfR. Es fällt weder unter das Betäubungsmittelgesetz noch unter das Arzneimittelgesetz. Als Arzneimittel würden Produkte nur dann zugelassen, wenn durch ein behördliches Zulassungsverfahren die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und die Qualität des Arzneimittels belegt werden könnten und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bestätigt werde. Dies sei bei Kratom nicht der Fall, schreibt das BfR in seiner Mitteilung zu Kratom vom September 2025.
In Deutschland steht eine einheitliche rechtliche Regelung von Kratom-Produkten noch aus. Handel, Besitz und Verkauf von Kratom sind derzeit noch erlaubt. Kratom könnte entweder als nicht zugelassenes Arzneimittel oder als neuartiges, unsicheres Lebensmittel eingestuft werden – in beiden Fällen wäre eine legale Vermarktung ausgeschlossen. In einigen EU-Ländern, wie etwa in Frankreich, sind der Besitz und der Verkauf von Kratom bereits verboten.

