Insa arbeitet im Freizeitpark Belantis bei Leipzig. Dort sorgt die 29-Jährige dafür, dass die Fahrgeschäfte für die Gäste bereit sind und sich niemand auf der Fahrt verletzt. An jedem Tag muss sie sich auf Neues einstellen, auf Gäste, Wetter oder besondere Veranstaltungen. Manchmal auch auf streikende Technik bei ihrer Achterbahn. Als Supervisorin bildet sie mittlerweile auch ihre Kollegen und Kolleginnen aus und trägt auch für sie Verantwortung.
Die Schicht beginnt mit einem Kontrollgang: Sind alle Feuerlöscher an Ort und Stelle? Funktioniert die Bahn so, wie sie soll? Sobald die ersten Gäste da sind, steuert Insa das Fahrgeschäft, überwacht auf ihren Bildschirmen die Fahrt und gibt Hinweise zur Sicherheit: „Die Hände bitte vorne an die Haltegriffe und mit beiden Händen gut abstützen, danke.“ Das Ziel für einen wolkenverhangenen Samstag Mitte September: im Lauf des Tages 1.500 Gäste auf der Bahn.
Vom Kreuzfahrtschiff in den Freizeitpark
Im Freizeitpark ist Insa eher zufällig gelandet: Erst hat sie nach dem Abitur ein Schauspielstudium absolviert und eine Gesangsausbildung gemacht. Anschließend hat sie als Sängerin auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Nach der Corona-Pandemie hat sie sich beruflich neu orientiert und ist nach Leipzig gezogen. Im Freizeitpark hat sie dann als „Großfahranlagenbedienerin“ angefangen und ist mittlerweile eben auch Supervisorin.
In Insas Arbeitsvertrag stehen 160 Arbeitsstunden pro Monat. Jedoch arbeitet sie in der Hauptsaison (Sommer) mehr als in der Nebensaison (Frühjahr und Herbst). In der Hauptsaison kommen die meisten Gäste, Insa macht Überstunden, und es kann zu Sechstagewochen kommen. Die Überstunden, die sie in der Hauptsaison macht, werden ihr nicht direkt ausgezahlt, sondern fließen auf ein Arbeitszeitkonto. Die Überstunden kann sie sich dann in der Nebensaison auszahlen lassen oder dafür frei nehmen.
Im Winter arbeitet Insa ebenfalls 160 Stunden im Monat, aber dann im Instandhaltungs- und Reparaturteam. Doch nur rund 70 Kolleginnen und Kollegen sind wie sie das ganze Jahr im Freizeitpark angestellt. In der Sommersaison wächst die Belegschaft auf 350 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Freizeitparkbranche wächst
In Deutschland gibt es um die 100 Freizeit- und Vergnügungsparks. Dabei handelt es sich allerdings um eine Schätzung, da es keine einheitliche Definition nach Größe und Angebot gibt. Die Branche erwirtschaftete 2024 insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro.
Während der Corona-Pandemie waren die Umsätze stark zurückgegangen. Mittlerweile liegen sie deutlich über dem Niveau von vor der Pandemie. Der Branchenverband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen sprach im Mai 2026 von ungefähr 78 Millionen Gästen, die jährlich in die Parks kämen.
Was verdient eine Mitarbeiterin im Freizeitpark?
Insa verdiente im August 2026 als Supervisorin im Freizeitpark 2.915 Euro brutto, netto sind das 1.957 Euro. Ihr Stundenlohn liegt bei 17,80 Euro, zusätzlich erhält sie jeden Tag 3,50 Euro Wegegeld. Deshalb und wegen der Haupt- und Nebensaison schwankt ihr Gehalt von Monat zu Monat. Das Wegegeld bekommt sie für die weiten Wege im Park – ihre eigentliche Arbeitszeit beginnt erst dann, wenn sie an ihrem Fahrgeschäft eintrifft. Insa verdient damit deutlich unter dem Bruttomedianlohn, also dem mittleren Einkommen in Deutschland. Doch für sie reicht es: „Ich habe Gäste, die ich jeden Tag glücklich machen darf. Ich werde dafür bezahlt, Leute happy hier rausgehen zu lassen. Es lohnt sich für mich finanziell. Das liegt aber vor allem daran, dass ich gerade meine Wohnungskosten und meine Essenskosten mit meinem Partner teile.“
Am Ende des Tages ist Insa zufrieden: Ihr Tagesziel hat sie mit 1.687 Gästen gut erreicht und sie findet: „Die Gäste waren heute sehr unkompliziert, keine Störung – perfekt.“

