Grimme-Direktorin spricht von „Fest für digitale Demokratie“
Ein typisches Video für den Kanal. Und auch wieder nicht. Die drei Hosts – neben Miriam Fendt noch Leyli Sahin und Knut Cordsen – bedienen nämlich sehr unterschiedliche Formate. Literaturdebatten spielen bei „Literally“ genauso eine Rolle wie kurze Rezensionen, literaturgeschichtliche Anekdoten oder klassischer Social Media-Content („Green Flag, Red Flag“). Die Wege sind also verschieden, das Ziel bleibt dasselbe: die nahbare Literaturvermittlung. Und das an den Orten, an denen sich die jungen Leserinnen und Leser vornehmlich über Bücher austauschen: Tiktok und Instagram.
Für die Grimme-Online-Jury ist das offenbar preisverdächtig. Wie das Grimme-Institut am Samstagnachmittag bekanntgab, darf sich das Literaturformat von BR und WDR über eine Nominierung für den diesjährigen Grimme Online Award freuen. Der Kanal zählt damit zu den 28 Angeboten, die es aus fast 600 Einreichungen auf die Shortlist zum Preis geschafft haben.
„Die Nominierten machen sichtbar, wie vielfältig und anspruchsvoll Qualität im Netz gestaltet werden kann“, teilte Grimme-Direktorin Ciğdem Uzunoğlu in einem Statement mit. Außerdem leisteten die Angebote einen Beitrag zur „Meinungsvielfalt“ und machten das Netz „zu dem Debattenraum, den wir so dringend benötigen“. Von einem „Fest für unserer digitale Demokratie“ spricht Uzunoğlu auch.
Literaturangebot „Literally“ konkurriert mit dem Insta-Kanal „Frauen Geschichte“
In der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ konkurriert „Literally“ noch mit einem zweiten BR-Angebot. Auch der Instagram-Kanal „Frauen Geschichte“ kommt für die Grimme-Jury in die engere Wahl. Seit 2020 stehen dort Geschichten von und über Frauen im Mittelpunkt. Zum Teil erreichen die Videos und Reels dort Millionen-Abrufe.
Dabei setzt das Angebot auf eine große erzählerische Breite. Thematisiert wird zum Beispiel, wie die ersten weiblichen Figuren in die Sesamstraße kamen; an anderer Stelle erklärt der Kanal, wieso man in Christina von Schweden, im 17. Jahrhundert schwedische Königin, eine queere Vorreiterin sehen kann. Und ein BR-Archivvideo aus den 80ern macht deutlich, was es für Frauen damals bedeutete, den „Männerberuf“ Pilot zu ergreifen.

