Bislang rechnete der Internationale Währungsfonds (IWF) nur mit einem kleinen Aufschwung der deutschen Wirtschaft. Nun zeigt er sich deutlich hoffnungsvoller für 2026. Risiken für die Welt gibt es dennoch.
Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent erwartet
Die deutsche Wirtschaft wird laut IWF im laufenden Jahr deutlich stärker zulegen als gedacht. 2026 dürfte das Wirtschaftswachstum mit 1,3 Prozent nun fast doppelt so stark ausfallen wie noch im Juli erwartet (0,7 Prozent), wie der IWF mitteilte. Für das kommende Jahr rechnen die Ökonomen nun mit einem Plus von 1,1 Prozent – 0,1 Punkte mehr als bislang.
Deutscher Außenhandel profitiert teils von weltweiten Engpässen
Damit positioniert sich der IWF wie die Bundesregierung: Berlin hatte vergangene Woche genau die gleichen Prognosen veröffentlicht. Der Optimismus basiert laut Bundeswirtschaftsministerium auf der überraschend starken Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
Die Aufhellung gehe zu zwei Dritteln auf die staatlichen Investitionen in Infrastruktur sowie für Verteidigung zurück, zu einem Drittel auf Exporte, hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gesagt. Der deutsche Außenhandel konnte demnach zeitweise sogar von weltweiten Engpässen profitieren: Käufer stockten angesichts des Konflikts in der Golfregion ihre Lagerbestände mit energieintensiven Gütern wie Stahl, Dünger und Aluminium auf, die in Deutschland produziert wurden. Auch vom Boom künstlicher Intelligenz profitieren deutsche Zulieferer.
Irland und Spanien stützen Eurozone
Die Wirtschaft im Währungsraum legt laut neuer IWF-Prognose 2026 um 1,1 Prozent zu, kommendes Jahr dürfte das Plus weiter bei 1,2 Prozent liegen. Das liegt demnach vor allem an einer sehr starken Erholung in Irland und einer andauernden Dynamik in Spanien. In den anderen Euro-Ländern sei die Wirtschaftsaktivität „weitgehend stabil“ geblieben. So würden weiterhin höhere Energiepreise und ein schwaches Verbrauchervertrauen das Wachstum bremsen.
IWF: Globale Wirtschaft federt Energieschocks ab
Für die Weltwirtschaft rechnen die IWF-Experten nun 2026 mit einem Zuwachs von 3,1 Prozent (zuvor: 3,0 Prozent). Für das kommende Jahr behalten sie ihre Prognose von 3,4 Prozent bei.
Dass der weltweite Aufschwung nicht abgerissen ist, führt der IWF auf mehrere Faktoren zurück: So habe sich die globale Wirtschaft widerstandsfähiger gegen Energieschocks aufgestellt. Zudem hätten eine höhere Ölförderung außerhalb des Persischen Golfs, das Anzapfen strategischer Reserven und ein Nachfragerückgang in China den Preisschock abgefedert.
USA spüren Energiekrise kaum
Die Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft behalten die Ökonomen bei 2,3 Prozent für dieses Jahr – auch 2027 dürften die USA entsprechend zulegen. Der IWF sieht nur begrenzte direkte Belastungen aus der Energiekrise infolge des Iran-Kriegs, weil die USA mehr Energie ausführen als einkaufen.
Armut in ärmeren Ländern verschärft sich
Mit den Folgen der von den USA hausgemachten Energiekrise hadern vor allem arme Länder. Sie müssen viel mehr Geld für Öl, Gas und Lebensmittel bezahlen, während ihre eigenen Währungen an Wert verlieren. Dadurch bleibt den Menschen weniger Geld zum Leben.
Mit Informationen von dpa

