Unsere Nachbarländer, ausgenommen Schweiz, Österreich, Tschechien und Dänemark, haben eine Zuckersteuer. Seit Mitte der 2010er Jahre wird in Deutschland darüber diskutiert. Schwarz-Rot will sie einführen, stritt aber massiv darüber, wie sie aussehen soll. BR24 liegt der Kompromiss vor, der am Mittwoch von der Bundesregierung verabschiedet wurde.
Auf welche Zuckersteuer hat sich die Regierung geeinigt?
Auf eine Steuer nur für gezuckerte Getränke ab dem 1. Juli 2027. Ab dann soll ein Steuersatz von 26 Cent pro Liter auf gesüßte Getränke mit einem Zuckergehalt ab 5 Gramm pro 100 Milliliter erhoben werden. Bei einem Zuckergehalt von 8 Gramm pro 100 Milliliter soll der Satz 32 Cent betragen.
Was kostet die Cola in Zukunft?
Nach aktuellem Stand (14.10.2026) entfielen auf den Preis für eine klassische 0,33-Liter-Dose Cola rund 12,6 Cent Steuer inklusive Mehrwertsteuer. Die Dose würde also bei der heutigen Preisempfehlung statt 99 Cent rund 1,10 Euro kosten. Allerdings nur, wenn die Hersteller den Zuckergehalt ihrer Getränke nicht senken.
Dass durch eine Steuer weniger Zucker in die Getränke kommt, zeigt das Beispiel Großbritannien: Die Regierung hatte sie 2018 eingeführt. Der Konzern Coca-Cola hält dort zwar weiter am Zuckergehalt der Cola fest. In den meisten anderen Limos wurde der Zuckeranteil aber teils deutlich gesenkt.
Mittelständische Getränkehersteller bangen um ihre Zukunft – zu Recht?
Die Bundesregierung will verhindern, dass Mittelständler in der Getränkebranche stark belastet werden, und hat für sie eine Ausnahme in die Gesetzesänderung geschrieben: Getränkeproduzenten, die bis zu eine Million Liter im Jahr produzieren, werden von der Steuer befreit. Allerdings muss da noch die EU zustimmen.
Warum wurde jetzt eine „Light-Fassung“ beschlossen?
Die Ausnahme für kleine Hersteller sorgt dafür, dass es weiter gezuckerte Limonade steuerfrei geben wird. Zudem waren eigentlich drei Zuckersteuerstufen geplant: Ab zehn Gramm Zucker pro 100 Milliliter im Getränk wie in der klassischen Cola (10,6 Gramm) waren ursprünglich 38 Cent Steuern pro Liter vorgesehen. Diese Stufe ist im verabschiedeten Entwurf nicht mehr zu finden.
Wie viel Geld bringt die Steuer dem Staat? Und wofür?
Weniger als erwartet, was auch an den Änderungen liegt. Laut dem für Steuern zuständigen Finanzministerium sollen es Mehreinnahmen von 690 Millionen sein, wegen des Starts zur Jahresmitte. Für 2031 werden Einnahmen von 890 Millionen Euro erwartet. Bisher waren noch 925 Millionen Euro in der vollen Jahreswirkung für 2027 und 1,16 Milliarden Euro für 2031 veranschlagt worden. In der Erklärung des Finanzministeriums heißt es, die Einnahmen „sollen dazu verwendet werden, die Beiträge für die Gesetzliche Krankenversicherung stabil zu halten“.
Worüber hat die Koalition gestritten?
Es gibt drei Sichtweisen auf die Steuer: die der Gesundheitsminister, die auf positive Effekte in den Nachbarländern verweisen und auf die Gefahren von zu hohem Zuckerkonsum. Demgegenüber die Landwirtschaftsminister, die auf Freiwilligkeit, Anreize und Eigenverantwortung setzen und Gefahren für die Landwirtschaftsbetriebe sehen.
Und da ist Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), der Finanzlöcher im Haushalt stopfen muss und aus dessen Haus im August ein Papier geleakt wurde, das eine Besteuerung auch von Säften diskutierte, von Hafer- und Mandelmilch, alkoholfreien Biermixgetränken und sogar Getränken, die lediglich Süßungsmittel enthalten. Viel mehr Geld. Klingbeil distanzierte sich von dem Plan. Aber die Diskussion gewann an Schärfe. Ein letzter Entwurf war vom Kanzleramt gestoppt worden. Die Einigung stand offenbar erst Dienstagabend.
Wie wird die Zuckersteuer in Bayern diskutiert?
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) nennt Gründe für die Steuer: Regelmäßiger Konsum von zuckergesüßten Softdrinks stehe im Zusammenhang „mit Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2 und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“. Diese Erkrankungen belasteten zunehmend das Gesundheitssystem.
Ihre Kollegin Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) dagegen hält nichts von der Steuer: „Wir können nicht ständig über Entlastung reden und gleichzeitig die nächste Steuer erfinden.“ Zudem veränderten die Menschen ihr Verhalten längst selbst: „Sie trinken weniger gesüßte Getränke und mehr Wasser.“

