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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Zwischen Schutz und Schuss: So geht’s dem Luchs in Bayern
Wissen

Zwischen Schutz und Schuss: So geht’s dem Luchs in Bayern

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 23. September 2024 06:50
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Glaubt man den Jägern an Bayerns Grenze zu Tschechien, hat sich die Luchs-Population dort sehr gut entwickelt. Im Bayerischen Wald ging’s vor rund 50 Jahren wieder los mit dem Luchs in Bayern, nachdem das einst letzte wildlebende Tier in Bayern Mitte des 19. Jahrhunderts geschossen worden war. Rund 200 Tiere leben inzwischen im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet.

Inhaltsübersicht
Jägerschaft: „Viele Luchse, aber keine Rehe“Keine belastbaren Zahlen zum RehwildAcht illegale Luchs-Tötungen seit 2012Jagdverband verurteilt WildereiMühsames Monitoring im SpessartUmweltministerium lehnt Umsiedlungen ab

Jägerschaft: „Viele Luchse, aber keine Rehe“

„Es sind zu viele, um hier wieder einen Rehwildbestand aufzubauen“, sagt Heinrich Moser. Der Jäger aus Lohberg im Landkreis Cham ist Luchs-Koordinator im Jagdverband Bad Kötzting – und spricht insbesondere vom Lamer Winkel in der Oberpfalz.

Dort könnten die Jäger schon seit Jahren ihre Abschusspläne, die ihnen die Jagdbehörde vorgibt, nicht mehr erfüllen, sagt Moser. Die behördlichen Vorgaben verpflichten die Jäger, eine vorgeschriebene Anzahl an Rehen zu erlegen, damit das Rehwild nicht zu viel Verbiss verursacht und so die Waldverjüngung verhindert. Bei Verstößen drohen Geldstrafen.

Keine belastbaren Zahlen zum Rehwild

Während es für die Jägerschaft ausgemachte Sache ist, dass der Luchs ihnen die Jagd aufs Reh vereitelt, heißt es von der zuständigen Behörde in Cham: „In welcher Größenordnung sich die Anwesenheit des Luchses auf die Population des Rehwildes im Lamer Winkel auswirkt, kann seitens der Unteren Jagdbehörde nicht beantwortet werden. Hierzu wäre wohl eine wissenschaftliche Expertise notwendig.“

Die Rehbestände in Bayern werden aber von keiner Behörde gezählt – aus Sicht von Sybille Wölfl ein Problem. Für die Biologin vom Verein „Luchs-Bayern“ ist der erstarkte Luchs-Bestand in Ostbayern zwar ein Erfolg für den Artenschutz; aber einer, der zugleich gefährdet ist. „Weil wenn der Luchs mit jagt, dann kann der sich natürlich auswirken – tatsächlich auswirken auf das, was ich erlegen kann bei den Rehen. Und das wird dem ein oder anderen Jäger nicht gefallen.“

Acht illegale Luchs-Tötungen seit 2012

Tatsächlich weiß das bayerische Innenministerium seit 2012 von acht getöteten Luchsen. Allerdings wurde in keinem der Fälle ein Täter ermittelt. Zu einem Prozess wegen einer mutmaßlich illegalen Luchs-Tötung ist es bislang nur einmal gekommen.

Jagdverband verurteilt Wilderei

„Der Bayerische Jagdverband lehnt diese illegalen Tötungen nachhaltig ab“, sagt Jagdverbands-Präsident Ernst Weidenbusch. Um dem Reh in Gebieten wie dem Lamer Winkel wieder eine Chance zu geben, schlägt er Luchs-Umsiedlungen vor.

Denkbar wäre etwa eine Entnahme im Lamer Winkel und Aussetzung im Spessart. In dem bayerisch-hessischen Naturpark ist bislang nur ein Luchs nachgewiesen. Dem Tier versuchen dort drei Ranger mit fünf Fotofallen auf der Spur zu bleiben. „Du bräuchtest hunderte von Kameras“, sagt Andreas Gries, einer der drei Ranger.

Mühsames Monitoring im Spessart

Doch Wildtierkameras und Personal, die es erlauben würden, den Luchs besser zu dokumentieren, sind auch eine Geldfrage. Einstweilen ruht Gries‘ Hoffnung auf der Jägerschaft: „Die haben ja viele Fotofallen draußen hängen und da ist der Luchs bestimmt auch immer wieder mal drauf abgebildet.“ Aber von Zuarbeit seitens der Jägerschaft könne aktuell keine Rede sein.

Dass das Desinteresse damit zu tun haben könnte, dass der Luchs den Jägern ein Dorn im Auge ist, weil die Raubkatze mit ihnen ums Reh konkurriert, schließt der Ranger aus. Im Spessart sei der Rehwildbestand „ausreichend groß, dass Luchs und Jäger auf gleicher Fläche jagen gehen können“. Insofern würde es Gries – selbst Jäger – begrüßen, wenn man gezielt Luchse in den Spessart umsiedeln und so auch einen Beitrag zum Arterhalt leisten würde.

Umweltministerium lehnt Umsiedlungen ab

Das bayerische Umweltministerium verweist auf Anfrage aber auf den Luchs-Managementplan von 2008. „Maßnahmen wie die gezielte Aussetzung von (…) eingefangenen Luchsen sind darin nicht vorgesehen“, ohnehin sei „eine Bestandsregulierung der besonders und streng geschützten Art Luchs“, so das Ministerium, „rechtlich nicht zulässig“.

Auch die Biologin Sibylle Wölfl hält Umsiedlungen für unrealistisch. „Der Luchs wählt seinen Lebensraum selbst“, sagt sie. Ein gangbarer Weg für sie: die Abschusspläne der Jäger lockern. So wie es die Lamer Jägerschaft schon lange gefordert hat. Und so, wie es zumindest die Untere Jagdbehörde im Landkreis Cham heuer getan hat. Erstmals wird eine Abweichung der Abschusspläne von bis zu 20 Prozent toleriert.

Noch mehr über den Luchs gibt’s im aktuellen „Nah dran“-Podcast – hier.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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