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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Lehrer zu Gewalt an Schulen: Die Politik greift „bisher zu kurz“
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Lehrer zu Gewalt an Schulen: Die Politik greift „bisher zu kurz“

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 30. Mai 2025 09:50
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands, Ulrich Babl, findet deutliche Worte: „Der Anstieg gemeldeter Gewaltdelikte auch an Realschulen ist erschreckend und lässt sich nicht schönreden.“ Die Politik müsse die Schulen unterstützen. Der Verband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen beklagt: „Aus unserer Sicht greift die Politik bisher zu kurz. Obwohl die Problematik erkannt wird, fehlt es an konsequenten und flächendeckenden Maßnahmen.“

Inhaltsübersicht
Philologenverband: Jetzt handelnMehr Gewalttaten, keine neuen StellenSocial-Media-Verbot unter 16?

Angesichts des Anstiegs gemeldeter Gewaltdelikte an Schulen appellieren Lehrerverbände aller Schularten auf BR-Anfrage einhellig an die Staatsregierung: Neben mehr Weiterbildungen für Lehrkräfte zu Deeskalation und Gewaltprävention benötigten Schulen insbesondere personelle Verstärkung: „Kinder, die zur Gewalt neigen, brauchen Profis in der Intervention: Schulpsychologen, Sozialarbeiter“, sagt die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann.

Philologenverband: Jetzt handeln

Der Bayerische Philologenverband, in dem Lehrer an Gymnasien und Berufsoberschulen organisiert sind, mahnt Tempo an: Da 2026 keine neuen Stellen im öffentlichen Dienst geschaffen werden sollten, sei die „klare Forderung an die Politik, dieses Moratorium für den Schulbereich auszusetzen“, sagt Verbandschef Michael Schwägerl. Die Probleme von jungen Menschen in entscheidenden Entwicklungsphasen könnten nicht aufgeschoben werden. „Die zunehmende Gewaltproblematik zeigt doch, dass wir die Unterstützungskräfte jetzt brauchen!“

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte im Herbst angekündigt, dass 2026 wegen der Haushaltslage keine Stellen im öffentlichen Dienst geschaffen werden. Das Kultusministerium dämpft daher Hoffnungen der Lehrerverbände. Der Ruf nach zusätzlichem Personal sei nachvollziehbar, teilt das Ministerium mit. „Allerdings ist der Aufwuchs an Stellen von der Entscheidung des Haushaltsgesetzgebers abhängig und steht im Zusammenhang mit den allgemeinen finanziellen Spielräumen im bayerischen Staatshaushalt.“

Zugleich betont das Ministerium, dass seit 2018 insgesamt 300 Stellen für die Schulpsychologie und 200 Stellen für die Schulsozialpädagogik geschaffen worden seien. „Damit nimmt Bayern in der schulpsychologischen Versorgung im Ländervergleich einen Spitzenplatz ein.“ Allerdings: In anderen Bundesländern werden „multiprofessionelle Teams“ an Schulen weiterhin ausgebaut.

Mehr Gewalttaten, keine neuen Stellen

Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 778 mittelschwere bis schwere Gewaltdelikte an Bayerns Schulen gemeldet. Damit verdoppelte sich die Zahl innerhalb von zehn Jahren, wie aus Antworten des Innenministeriums auf AfD-Anfragen hervorgeht. Die Gesamtzahl der erfassten Körperverletzungen war mit 3.002 fast doppelt so hoch wie 2014 (1.586).

Wie stark Gewalt an Schulen tatsächlich zunimmt, sagen diese Zahlen nicht aus. Zum einen unterscheidet die Statistik nicht, „ob die erfassten Fälle im schulischen Kontext oder in sonstigen Fällen (z.B. schulfremde Veranstaltungen in Sporthallen oder bei Baumaßnahmen) erfasst wurden“. Ein nennenswerter Teil der Opfer und Tatverdächtigen war weder Schüler noch Lehrer. Zum anderen seien mehr gemeldete Delikte oft ein Zeichen für größere Sensibilität, erläutert Fleischmann. „Wir zeigen vielleicht auch eher an.“ Trotzdem steht für sie fest: „Gewalt hat insgesamt zugenommen.“

Müssten die politischen Anstrengungen daher nicht intensiviert werden? Müsste das Ziel von möglichst gewaltfreien Schulen nicht so hohe Priorität haben, dass trotz knapper Kassen neue Stellen ermöglicht werden? Das Ministerium weicht diesen Fragen aus, verweist auf bestehende Maßnahmen zur Prävention und Intervention.

Social-Media-Verbot unter 16?

Die Lehrerverbände haben viele Vorschläge. Für berufliche Schulen brauche es ein „landesweites Konzept zur Gewaltprävention (…), das personelle, rechtliche und finanzielle Aspekte berücksichtigt“. Der Philologenverband pocht auf Enttabuisierung des Gewalt-Themas: „Nur wenn es als Problem im öffentlichen Bewusstsein vorhanden ist, wird ihm zu begegnen sein.“

Der Realschullehrerverband betont die Rolle digitaler Gewalt als Mitverursacher physischer Gewalt. Studien belegten einen „problematischen Umgang Jugendlicher mit sozialen Medien“. Der Verband fordert deshalb ein höheres gesetzliches Mindestalter für Social Media: „Ab 16 Jahren wäre ein denkbarer und sinnvoller Ansatz“, sagt Babl. Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) widerspricht: Jugendlichen die Nutzung sozialer Medien staatlich zu verbieten, sei der falsche Weg und eine „Kapitulation vor der digitalen Transformation“. Wichtiger sei, Menschen fit zu machen für das digitale Zeitalter.

Einig sind sich Politik und Lehrerverbände, dass auch Familien viel Verantwortung zukommt. Das Kultusministerium betont, wichtig sei eine „gelingende Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Eltern“. BLLV-Präsidentin Fleischmann sagt: Kampf gegen Gewalt an Schulen sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe – eine Aufgabe auch der Elternhäuser“.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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