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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Geschwister-Scholl-Preis für Soziologen Amlinger und Nachtwey
Kultur

Geschwister-Scholl-Preis für Soziologen Amlinger und Nachtwey

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 10. Oktober 2025 10:48
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Warum wählten so viele US-Bürger Donald Trump, warum folgen hierzulande so viele Menschen der AfD – obwohl diese keinen Hehl daraus machen, die liberale Demokratie mit all ihren zum Teil hart erkämpften Errungenschaften zerstören zu wollen? So lautet die Leitfrage, die Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey in ihrem Buch „Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus“ versuchen zu beantworten. Dafür wurden sie jetzt mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.

Inhaltsübersicht
Zerstörung der Demokratie von innenThesen auf Grundlage zahlreicher InterviewsPreis im Sinne der bürgerlichen Freiheit

Zerstörung der Demokratie von innen

„Mit ‚Zerstörungslust.‘ legen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey ein Werk vor, das die politische Gegenwart ein­dringlich und zugleich mit großer Sensibilität ausleuchtet“, heißt es in der Begründung der Jury. Im Mittelpunkt stehe die Erfahrung vieler Menschen, dass die Versprechen liberaler Demokratien – Freiheit, Teilhabe, soziale Sicherheit – zunehmend als unerfüllt wahrgenommen werden. Aus dieser Enttäuschung erwachse eine eigentümliche Lust an der Zerstörung. Der von dem Autorenteam entwickelte Begriff des „demokratischen Faschismus“ beschreibe eine Haltung, die mitten in der Demokratie entstehe: eine Mischung aus Ressentiment, regressiver Rebellion und faschistischen Fantasien, die Institu­tionen nutze, um sie zugleich auszuhöhlen.

„Amlinger und Nachtwey vermeiden einfache Schuldzuweisungen“, so die Jury. „Sie legen frei, welche Strukturen den Boden für destruktive Energien bereiten: wachsende Ungleichheit, der Verlust von Status und Zugehörigkeit, die Erosion gemeinsamer Verbindlichkeiten.“ Das Buch zeige damit unübersehbar, „dass die Gefährdung der Demokratie nicht nur von außen kommt, sondern aus uns selbst erwächst.“

Thesen auf Grundlage zahlreicher Interviews

Oliver Nachtwey, Jahrgang 1975, Professor für Sozialstrukturanalyse am Fachbereich Soziologie der Universität Basel und die 1984 geborene Carolin Amlinger, Literatursoziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Departement Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Basel, haben dafür umfangreiche empirische Forschungen betrieben, darunter einer Vielzahl ausführlicher Interviews mit AfD-Anhängern und Mitgliedern libertärer Vereinigungen.

Auf Grundlage dieser Daten entwickeln sie die These, dass sich die Revolte der Trump-Anhänger und AfD-Wähler gegen die Blockade liberaler Gesellschaften wendet, die ihre Versprechen auf Aufstieg und Emanzipation nicht mehr einlösen. In diesem Sinne geht es Trump, Musk, Weidel und ihren Anhängern um die Zerstörung der Welt – als letzten, verzweifelten Versuch, sich davor zu retten, von ihr zermalmt zu werden.

Überreicht bekommen beide den Preis bei der Verleihung am 25. November 2025.

Preis im Sinne der bürgerlichen Freiheit

Der mit 10.000 Euro dotierte Geschwister-Scholl-Preis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. gemeinsam mit der Landeshauptstadt München vergeben. Der Preis würdigt Bücher, die von geistiger Unabhängigkeit zeugen und geeignet sind, bürgerliche Freiheit sowie moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern.

Im letzten Jahr wurde die russische Journalistin Katerina Gordeeva für ihr Buch „Nimm meinen Schmerz. Geschichten aus dem Krieg“ ausgezeichnet, in dem sie in 24 Porträts von der brutalen Realität des Krieges in der Ukraine berichtet.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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