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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > 70 Jahre „Wort zum Sonntag“: Festakt in München
Kultur

70 Jahre „Wort zum Sonntag“: Festakt in München

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 15. November 2024 13:50
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Das „Wort zum Sonntag“, nach der „Tagesschau“ das zweitälteste Format im deutschen Fernsehen, wird 70 Jahre alt. Mit einem ökumenischen Festakt wird das Jubiläum heute in der evangelischen Markuskirche in München gefeiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte die Sendung in einer Rede. Außerdem dabei: Die soeben in Würzburg gewählte EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs sowie Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und die Intendantin des Bayerischen Rundfunks, Katja Wildermuth.

Inhaltsübersicht
1954: Einzige Panne zum Start2024: Steigende Quote für „Pinkelpausen“-SendungEvangelisch, katholisch – ökumenischZwischen Lob und MorddrohungenKirche im Fernsehen: Warum eigentlich?

Steinmeier sprach in seiner Rede von einem großen „ökumenischen Erfolg“. Die Sendung werfe gesellschaftlich relevante Fragen auf und verhandle sie „einer warmen und sorgsamen Sprache“. Das sei wichtig in einer Zeit, in der sprachliche Verrohung und Hetze die Debatten prägten.

1954: Einzige Panne zum Start

Am 1. Mai 1954 sollte das „Wort zum Sonntag“ das erste Mal gesendet werden. Doch wegen eines Kabelbruchs konnte die Premierensendung – die damals noch live übertragen wurde – nicht ausgestrahlt werden. Eine Woche später klappte es dann. Seitdem sei die Sendung „noch nie ausgefallen, mit mehr als 3.600 Folgen und bis heute 315 Sprecherinnen und Sprechern“, sagt Norbert Wichard von der Deutschen Bischofskonferenz.

Zu den Sprechern gehörten bekannte Gesichter, wie etwa der evangelische Theologe Jörg Zink oder die Schauspielerin und katholische Ordensschwester Isa Vermehren. Katholiken wie Protestanten sprachen den Kommentar, Pfarrer, Päpste, Ordensleute und Laien, Männer und – seit 1957 – auch Frauen.

2024: Steigende Quote für „Pinkelpausen“-Sendung

Die Sendung läuft jeden Samstagabend nach den „Tagesthemen“ in der ARD. 1,2 Millionen Menschen schauen sie im Schnitt. „Selbst wenn die Hälfte die drei bis vier Minuten zum Bierholen oder als Pinkelpause nutzen würde, wie ja gerne gelästert wird, sind das weit über eine halbe Million“, sagt Wolfgang Beck, seit 2012 einer der momentan vier katholischen Sprecher des Kommentars. Und die Quote steigt: zwischen 2013 und 2023 von 7,1 auf 8,4 Prozent.

Die höchsten Quoten erzielen traditionell die Sendungen am Abend des Eurovision Song Contest (ESC). Dann läuft das „Wort zum Sonntag“ ausnahmsweise nicht erst nach den „Tagesthemen“, sondern unmittelbar vor dem Start des Wettbewerbs gegen 21 Uhr. So erreicht die Sendung rund vier bis fünf Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer.

Evangelisch, katholisch – ökumenisch

Osternacht 2020, mitten in der Corona-Pandemie. An diesem Abend gibt es eine doppelte Premiere für das „Wort zum Sonntag“: Die Bischöfe Georg Bätzing und Heinrich Bedford-Strohm begrüßen die Zuschauerinnen und Zuschauer. Erstmals richten sich zwei Sprecher ans Publikum. Erstmals wird ein gemeinsamer Impuls eines Katholiken und eines Protestanten gesendet. In ihrem Kommentar sprechen der damalige EKD-Ratsvorsitzende und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz von Hoffnung in der Corona-Zeit: „Das Licht und das Leben werden siegen.“

So wie damals haben die Macher des „Wort zum Sonntag“ immer wieder weltgeschichtlich relevante Momente zum Thema gemacht: Die Mondlandung, der Mauerfall, die Attentate am 11. September – im „Wort zum Sonntag“ wurde alles kommentiert. Die Sendedauer hat sich über die Jahre von zehn auf vier Minuten reduziert.

Zwischen Lob und Morddrohungen

Die Sprecherinnen und Sprecher bekommen viele Rückmeldungen zu ihren Sendungen. Etwa, weil sie Menschen in seelischen Notlagen Mut gemacht haben. Doch es gibt auch negative Reaktionen, sagt etwa der Essener Pfarrer Gereon Alter. Er hat 100-mal das „Wort zum Sonntag“ gesprochen: „Das ging bis zu Morddrohungen nach einem AfD-kritischen Beitrag beim Katholikentag in Münster.“

Kirche im Fernsehen: Warum eigentlich?

Aufgrund von Rundfunkstaatsverträgen stehen den Kirchen besondere Sendezeiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu. Für den Inhalt dieser christlichen Verkündigungssendungen in den Programmen der ARD und im ZDF sind die Kirchen verantwortlich.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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