Seit 2024 leitet die 55-Jährige US-Amerikanerin Tricia Tuttle das renommierte Filmfestival Berlinale. Nach Vorwürfen, Kontroversen und Rücktrittsforderungen legt sie sich einen Tag vor der Krisensitzung im Kanzleramt fest: Die Berlinale-Intendantin will ihr Amt weiterführen. Aber noch sind nicht alle Fragen geklärt.
Vorwurf an die Bundesregierung zu Gaza
Hintergrund der Kontroverse sind Äußerungen des syrisch-palästinensische Regisseurs Abdallah Alkhatib bei der Abschlussgala. Die Verleihung des Preises für das beste Spielfilmdebüt („Chronicles from the Siege“) hatte Alkhatib genutzt, um der Bundesregierung vorzuwerfen, Partner „des Völkermords im Gazastreifen“ zu sein.
In der Folge dieser Äußerung meldete sich Israels Regierung und wies den Völkermord-Vorwurf zurück, ebenso wie die Bundesregierung. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ die Gala aus Protest. Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verurteilten die Aussage.
Protest gegen mögliche Tuttle-Abberufung in der Kulturszene
Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat bislang nicht abschließend entschieden, ob im Gaza-Streifen Genozid begangen wurde. Das Gericht der Vereinten Nationen stellte aber im Januar 2024 eine Gefahr von Völkermord fest. Zwar verpflichtete der IGH Israel nicht zum Ende des Militäreinsatzes, doch es forderte mehrfach von Israel, mehr Schutzmaßnahmen für Palästinenser zu ergreifen, um einen Völkermord zu verhindern.
Schließlich wurde Tricia Tuttle dafür verantwortlich gemacht, den Vorgang der Meinungsäußerung nicht im Vorfeld verhindert zu haben. Allen Protesten voran meldete „Bild“, Tuttle solle als Intendantin abberufen werden. Eine Vorabverurteilung, die wütende Reaktionen in der Kulturszene auslöste.
Tuttle hatte Zukunft bei der Berlinale in Frage gestellt
Trotzdem sich viele Kulturschaffende mit Festivalchefin Tuttle solidarisiert hatten, hatte die 55-Jährige ihre Zukunft bei der Berlinale gegenüber Kulturstaatsminister Weimer zunächst infrage gestellt und von einer „vergifteten Atmosphäre“ gesprochen.
Vor der weiteren Krisensitzung im Kanzleramt zur Zukunft der Berlinale an diesem Mittwoch (4. März, 11.30 Uhr) gibt sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) zuversichtlich. „Wir sind auf einem guten Weg, die Berlinale zukunftsfest aufzustellen“, so der Beauftragte für Kultur und Medien der dpa.

