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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Warum viele Deutsche keine Lust auf Glasfaser haben
Netzwelt

Warum viele Deutsche keine Lust auf Glasfaser haben

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 3. März 2026 09:47
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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In der oberbayerischen Gemeinde Isen zeigt sich wie durch ein Brennglas, was beim Glasfaserausbau in Deutschland alles schieflaufen kann. Wir verfolgen bei BR24 die Entwicklung in Isen seit Jahren. Der erste Antrag wurde 2019 gestellt. Die Geschäftsführerin im Rathaus, Christine Pettinger, treibt das Projekt seitdem mit einer Mischung aus Zähigkeit und stoischer Gelassenheit voran. Anders geht das wohl auch nicht, ohne zu verzweifeln.

Inhaltsübersicht
Halbverlegte Leitungen verrottenGlasfaser ist StandortvorteilAn Glasfaser führt kein Weg vorbeiViele Deutsche wollen Glasfaser nichtDrückerkolonnen sind weiterhin ein ProblemWann werden Kupferkabel abgeschaltet?

Halbverlegte Leitungen verrotten

Pettinger muss seit gut sechs Jahren zusehen, wie die Straßen in ihrer Gemeinde für die Glasfaserkabel aufgerissen und notdürftig wieder zugeschüttet werden, weil es gerade nicht weitergeht. Dann stehen Kabel aus der Erde und es passiert monatelang gar nichts, weil eine Baufirma pleitegegangen ist. Der Glasfaseranbieter, der den Vertrag für Isen unterschrieben hat, lässt die Gemeinde und die Kunden im Ungewissen, ist nicht erreichbar. Wenn nach einem Jahr oder mehr eine neue Baufirma gefunden ist und die Arbeiten wieder aufgenommen werden, sind die Enden mancher Leitungen durch die Witterung marode geworden und die Kabel müssen neu verlegt werden.

Glasfaser ist Standortvorteil

Manchmal weiß die neue Baufirma nicht, wo die alten Leitungen eigentlich genau verlegt worden sind. Auch dann wird neu verlegt. Solche und ähnliche Probleme gibt es im Übrigen nicht nur in Isen, sondern in vielen deutschen Gemeinden und es spielt dabei keine Rolle, ob der Anbieter etwa Deutsche Telekom oder Deutsche Glasfaser heißt. Inzwischen immerhin scheint ein Ende der Glasfaser-Odyssee von Isen absehbar. Christine Pettinger hofft, dass die Gemeinde in diesem Jahr komplett angeschlossen ist. Es sei aller höchste Zeit, für Isen sei schnelles Internet ein Standortfaktor. Es gebe Firmen, die sich hier nur niederlassen wollen, wenn es Glasfaser gibt, berichtet Pettinger.

An Glasfaser führt kein Weg vorbei

In den Datenleitungen wird es inzwischen eng. Zu Stoßzeiten wie etwa am Abend, wenn viele Leute gleichzeitig anfangen, Filme zu streamen, mehren sich die Aussetzer, wie Nikola Schiefke berichtet. Sie ist Referentin für Telekommunikation im Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Mit dem Fortschritt beim Glasfaserausbau in Deutschland ist sie nicht zufrieden. Aktuell seien erst ca. 13 bis 15 Prozent der Haushalte angeschlossen. „Da ist also bis zu einer 100-Prozent-Abdeckung noch viel zu tun“, so Schiefke.

Viele Deutsche wollen Glasfaser nicht

Ein Hemmschuh ist die Zurückhaltung der Kundinnen und Kunden. Mehr als jeder fünfte Haushalt in Deutschland hätte zwar einen Glasfaseranschluss im Haus, nutzt diesen aber nicht. Genau 22 Prozent verzichten auf die Aktivierung. Das zeigt eine Untersuchung des Vergleichsportals Verivox.

Ein Jahr zuvor ließen noch 32 Prozent der Haushalte einen vorhandenen Anschluss brachliegen. Trotzdem sei die Lücke zwischen verfügbarem und aktiviertem Glasfaser noch immer beträchtlich, heißt es bei Verivox.

Drückerkolonnen sind weiterhin ein Problem

Als Grund, warum man sich gegen Glasfaser entscheidet, nennen Kunden in erster Linie, dass der alte DSL-Anschluss doch ausreiche. Außerdem befürchten viele organisatorisches Chaos, so wie eben in Isen. VZBV-Expertin Nikola Schiefke berichtet zudem von anhaltenden Problemen mit Drückerkolonnen. Noch immer versuchten Vertreter, die von den Anbietern geschickt werden, Verbrauchern Verträge aufzuschwatzen. Zum Teil sei nicht mal erkennbar, für welches Unternehmen genau diese Leute eigentlich auftreten. Solche Beschwerden gibt es seit Jahren und sie reißen nicht ab.

Wann werden Kupferkabel abgeschaltet?

In der Diskussion war immer wieder mal eine Abschaltung der alten Technologie, um die Umstellung voranzutreiben. So hält die EU ein Auslaufen der alten DSL-Anschlüsse über Kupferkabel bis 2030 für denkbar. Auch die Bundesregierung hat erkannt, dass was passieren muss, um Deutschland beim Internet endlich fit zu machen. Doch ein konkretes Enddatum für alte DSL-Anschlüsse gibt es nicht. Nikola Schiefke sagt, angesichts der herrschenden Ausbauprobleme mache es auch keinen Sinn ein Datum in den Raum zu stellen. Denn auch das zeigt der Blick nach Isen, die Glasfaser-Branche tut sich mit konkreten Zeitabläufen extrem schwer.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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