Paulus Blick verfolgt einen durch den Raum. Der Apostel hält ein geschlossenes Buch und ein Schwert in Händen. Neben ihm stehen Johannes, Petrus und Markus. Weltberühmt ist dieses großformatige Doppelgemälde von Albrecht Dürer unter dem Titel „Die vier Apostel“. Zwei Jahre vor seinem Tod übergab Albrecht Dürer dem Rat der Stadt Nürnberg dieses Doppelbild.
Ein Geschenk mit Kalkül
Ein sehr großzügiges Geschenk sicherlich, aber auch nicht ganz uneigennützig und durchaus mit Kalkül, wie Christine Demele, die Leiterin des Albrecht-Dürer-Hauses in Nürnberg, erklärt: „Weil er sich selber damit ein Gedächtnis setzen will und dafür sorgen will, dass die Erinnerung an ihn wachgehalten wird. Und gleichzeitig ist es natürlich zu sehen im Zusammenhang mit der Reformation.“
Ein Jahr vorher ist in Nürnberg die Reformation eingeführt worden und Albrecht Dürer zeigt hier nicht nur vier Apostel, sondern er ergänzt sie auch durch Zitate aus der Luther-Bibel. Kurz vor seinem Tod – Dürer starb 1528 – übergab der Künstler noch weitere Gemälde an die Stadt und legte so den Grundstein für die städtischen Kunstsammlungen (externer Link), die damit zu den ältesten im deutschsprachigen Raum zählen.
Millionenwerte, aber keine eigene Ausstellungsfläche
Andreas Curtius steigt eine kleine Leiter hinauf. Der Kunsthistoriker arbeitet im Depot der Kunstsammlungen und nimmt ein kleinformatiges Porträtbild von der Wand. Mit der Lupe begutachtet er das Ölgemälde auf Risse. Insgesamt besitzen die Kunstsammlungen zehntausende Werke, darunter auch Möbel, Münzen und Fayencen. Viele Millionen Euro ist die Sammlung wert.
Die bekanntesten Gemälde, dazu zählen Dürers Kaiserbilder und Rembrandts Selbstbildnis mit Halsberge, sind im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen, erklärt Andreas Curtius: „Die Kunstsammlungen selber haben keine eigene Ausstellungsfläche, also keine städtische Galerie, wo die Kunst gezeigt wird. Wir stellen einiges im Stadtmuseum Fembo-Haus (externer Link) aus, was zur Stadtgeschichte, zur Illustration dient, einiges im Dürerhaus und sonst in Sonderausstellungen. Wir sind der wichtigste Leihgeber des Germanischen Nationalmuseums. Ein großer Teil der bedeutendsten Werke im Germanischen Nationalmuseum gehört der Stadt Nürnberg, was auch wenig bekannt ist.“
Dürers gesamte Drucke sind in Nürnberg
Die Kunstsammlungen besitzen aufs Nürnberger Stadtgebiet verteilt mehrere Depots. Dicht an dicht reihen sich hier Gemälde und Kunstobjekte. Platz ist Mangelware, denn als Sammlung, als visuelles Gedächtnis der Stadt, werden keine Kunstwerke verkauft. Ein Stockwerk über den Gemälden befindet sich die eigentliche Schatzkammer, ein kleiner Raum mit vielen Regalen. Schatulle an Schatulle reiht sich hier und auf allen steht der Name Dürer.
Nürnberg besitzt das gesamte druckgrafische Werk des Künstlers, erzählt Ludwig Sichelstiel, der die Sammlung betreut. „Grafik ist sehr empfindlich und kann nur drei Monate gezeigt werden in der Regel. Von daher ist es wichtig, dass es im Dunkeln gut aufbewahrt wird in solchen Kapseln, wie wir diese Schatullen nennen. Es ist eine große Nachfrage. Es gehen häufig Blätter raus zu Dauerleihgaben, deutschlandweit und auch darüber hinaus.“
Gemälde „Die vier Apostel“ ging nach München
Dürers erste Schenkung an die Stadt Nürnberg, „Die vier Apostel“ dagegen, blieben nur 100 Jahre in der Stadt. Kurfürst Maximilian, ein großer Bewunderer des Künstlers, wollte das Gemälde für sich, erklärt Christine Demele vom Albrecht-Dürer-Haus (externer Link): „Das Ganze war im Jahr 1627, das heißt, wir haben den Kontext des Dreißigjährigen Krieges und die protestantische Stadt Nürnberg war angewiesen auf den starken katholischen Nachbarn aus München und konnte diesem Wunsch Maximilians entsprechend nichts entgegensetzen.“ Somit ging das Doppelbild nach München und gehört jetzt zur Sammlung der Alten Pinakothek (externer Link). Im Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg hingegen hängt eine Kopie.
Rund um das Jubiläum bieten die Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg verschiedene Führungen an, das Programm finden Sie hier.

