Heute Abend wird bei einer großen Gala im Prinzregententheater in München der Bayerische Filmpreis verliehen. Die meisten Preisträger sind noch unbekannt, ihre Namen werden erst am Abend bekannt gegeben – einer steht jedoch schon fest: Denn der Preis des Bayerischen Ministerpräsidenten geht heute Abend an den in München lebenden Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Florian David Fitz.
Im Bayern 2-Interview mit Rolf Büllmann spricht er über den Wert von Auszeichnungen und erzählt, was seine Eltern von seiner Entscheidung hielten, Schauspieler zu werden.
Rolf Büllmann: Wie war das, als die Staatskanzlei angerufen hat und gesagt hat, der Ministerpräsident würde Ihnen gerne den Preis verleihen?
Florian David Fitz: Die rufen ja nicht an – da kriegt man einen Brief. Und da ist das Wappen vorne drauf und dann habe ich gedacht: Oh Gott, ich habe einen Strafzettel bekommen oder meine Steuern nicht bezahlt. Das war aber dann doch erheblich erfreulicher.
Rolf Büllmann: Mit dem Preis reihen Sie sich in eine wirklich beeindruckende Riege ein. Martina Gedeck, Bruno Ganz, Margarete von Trotha, Roland Emmerich, Werner Herzog, Sönke Wortmann sind einige der Preisträger der letzten Jahre. Wie ist das, wenn man jetzt da auch dazugehört?
Florian David Fitz: Surreal. Als ich angefangen habe, da haben diese Ehrenpreise Leute wie Peter Ustinov bekommen. Aber dass ich da selber stehen würde und vor allem jetzt mit knapp über 50. Da muss ich erst noch klarkommen.
Fitz: „Hoffentlich kommt da noch was“
Rolf Büllmann: Aber es ist ja nun auch nicht ihr erster Preis. Auf der Liste stehen: Bayerischer Filmpreis, Deutscher Filmpreis, Bambi, Publikumspreise sogar den bayerischen Verfassungsorden haben Sie schon verliehen bekommen. Ist diese Art der Anerkennung wichtig für Sie?
Florian David Fitz: Man sagt immer, das ist einem nicht so wichtig, aber natürlich freut es einen. Ich bin einfach ein bisschen so gepolt, dass ich das nicht so sehr an mich ranlasse, weil dann müsste man ja auch die negativen Dinge an sich ranlassen. Ich finde es immer ganz gut, ein bisschen Distanz dazu zu haben. Aber natürlich bin ich sehr froh und sehr dankbar. Und ehrlich gesagt, so ein Ehrenpreis ist einfach auch noch mal was anderes, weil sich das so nach Lebenswerk anfühlt, wo ich denke: mit 51 Jahren, hoffentlich kommt da noch was.
Rolf Büllmann: Es ist bislang ja schon sehr viel gekommen, wenn man sich die Liste anschaut mit den Werken, an denen Sie mitgearbeitet haben. Denn das Besondere an Ihrer Karriere ist ja, dass Sie nicht nur als Schauspieler erfolgreich sind, sondern auch als Drehbuchautor und als Regisseur. Das sind ganz unterschiedliche Arten zu arbeiten. Was liegt Ihnen da am meisten – oder macht Ihnen das alles gleich viel Spaß?
Florian David Fitz: Das ist wirklich so unterschiedlich und ich bin tatsächlich auch ganz froh, dass es so unterschiedlich ist, weil da nicht so eine Monotonie reinkommt. Wenn man schreibt, dann ist es meistens ein quälender Prozess, wo man auch sehr viel alleine ist. Aber es ist auch sehr unaufwendig: Man kann sich sein eigenes Leben einfach selber einrichten, sich zurückziehen und man braucht eigentlich nur einen Schreibtisch und einen Kopf. Beim Spielen ist es sehr kameradschaftlich und partnerschaftlich. Und bei der Regie eigentlich auch. Da muss man so unfassbar viel kommunizieren, da ist man am Abend ganz müde. Regie hab ich jetzt eine Weile nicht mehr gemacht, aus familiären Gründen, weil ich sonst einfach nicht Zeit hätte, das alles zu machen.
Fitz: „Probier’s in Boston aus, ob du das Zeug dazu hast“
Rolf Büllmann. Diese drei Arten zu arbeiten haben alle eines gemeinsam, dass es wahnsinnig viel Kreativität braucht. Sie kommen ja auch aus einer sehr kreativen Familie, Sie sind verwandt mit Lisa Fitz und Michael Fitz. Ist da in Ihrer Familie irgendetwas, was Kreativität gefördert hat oder besonders hervorgebracht hat, oder ist es einfach nur ein Zufall?
Florian David Fitz: Ich bin jetzt kein Biologe, aber ich glaube schon, dass sich das genetisch durchgeschlagen hat, weil mein Vater zum Beispiel auch sehr schön zeichnen und singen konnte. Da gibt es schon so eine Art musisches Talent. Meine Familie war ja eher bürgerlich und hat die Schauspielerzunft ein bisschen mit Misstrauen begutachtet. Und als der Sohn dann gesagt hat, er wird Schauspieler, waren sie jetzt vielleicht auch nicht super begeistert.
Rolf Büllmann: Wie lange hat es gedauert, bis Sie Ihre Familie überzeugen konnten? Sie sind ins Ausland gegangen, um zu studieren. Sie waren in Boston. Das war schon ein großer Schritt, dann weg von dem – wie Sie es gerade beschrieben haben – eher Bürgerlichen?
Florian David Fitz: Ich hatte insofern tolle Eltern, dass sie gesagt haben, wir stehen dem schon misstrauisch gegenüber, aber sie haben mich immer unterstützt. Sie waren diejenigen, die gesagt haben: Probier’s in Boston aus, ob du das Zeug dazu hast, ob du Talent hast. Keiner weiß es. Und dann hab ich dort ein Stipendium bekommen und dann haben sie gesagt, bleib dort, dann mach es. Die haben mich immer unterstützt, aber haben darauf geachtet, dass ich mein Geld zusammenhalte. Was vielleicht gar keine so schlechte Idee ist.

