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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Mehr als Papst und Bier: Wer sind die Augustiner?
Kultur

Mehr als Papst und Bier: Wer sind die Augustiner?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 14. Mai 2025 11:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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In Bayern sind die Augustiner eine bekannte Größe – das Bier ist äußerst beliebt. Auf dem Oktoberfest drängen sich die Besucher ins Augustiner-Festzelt. Das Etikett des „Hellen“ zeigt einen rundlichen Mönch wie aus dem Bilderbuch.

Inhaltsübersicht
Der berühmteste Augustiner: Martin LutherWas die Augustiner ausmachtWichtiges Ziel: Soziale GerechtigkeitEin Papst aus dem Orden – was heißt das?

Seit dem 8. April gibt es neben dem Bier nun also einen weiteren berühmten Augustiner: den neuen Papst Leo XIV. Doch wer sind diese Augustiner eigentlich?

Der berühmteste Augustiner: Martin Luther

Einer der bekanntesten Vertreter des Augustinerordens – offiziell Ordo Fratrum Sancti Augustini (OSA) – ist der Begründer der evangelischen Kirche: Martin Luther. Der Augustinermönch trat 1505 dem Erfurter Augustinerkloster bei – eine prägende Zeit für den späteren Reformator. Seine Kritik an der Kirche führte zur Auflösung vieler Ordenshäuser in Deutschland.

Heutzutage gibt es insgesamt noch sechs Augustinerklöster in Deutschland – vier davon in Bayern: Zwei in Münnerstadt mit insgesamt neun Brüdern, Maria Eich in Planegg mit vier Brüdern vor Ort und Maria vom Guten Rat in Würzburg. Mit 13 Brüdern ist es das größte Augustinerkloster in Deutschland. Im Vergleich zu den Benediktinern, die nach wie vor der zahlenmäßig stärkste Orden in Deutschland sind (mit 29 Niederlassungen und 486 Mitgliedern), zählt der Augustinerorden zu den vergleichsweise kleinen Orden.

Was die Augustiner ausmacht

In seiner spirituellen Ausrichtung geht der Orden auf den Kirchenvater Augustinus zurück. Von ihm stammen die berühmten „Confessiones“ – die „Bekenntnisse“. Einer seiner berühmtesten Appelle darin: Ruhe findet man erst in Gott. Augustinus war im vierten und fünften Jahrhundert Bischof von Hippo Regius in der römischen Provinz Numidien, dem heutigen Annaba in Algerien.

Der heutige Orden wurde zu Beginn des Spätmittelalters, im Jahr 1256, von Papst Alexander IV. gegründet – als ein Zusammenschluss mehrerer Eremitengemeinschaften. Ihr neues gemeinsames Ziel: keine Einsamkeit mehr, sondern Stadtmission und Bildungsarbeit. Die Ordensmitglieder trugen den schwarzen Habit mit Kapuze – dazu Schuhe, was für damalige Verhältnisse bereits recht komfortabel war.

Wichtiges Ziel: Soziale Gerechtigkeit

Die Augustiner widmen sich traditionell der Predigt, der Bildung, der Wissenschaft, der Seelsorge – und auch der sozialen Gerechtigkeit. Besonders betont wird, dass Priester und Laienbrüder im Orden gleichberechtigt sind. Alle haben Stimmrecht, alle können Leitungsfunktionen übernehmen – ein Zeichen für gelebte Synodalität schon im Mittelalter.

Zentren des Ordens waren historisch etwa Paris, Erfurt, Wien oder Köln. Besonders das Pariser Kloster war ein akademisches Zentrum: Hier entstand das spätere Studienhaus der Universität. Im 16. Jahrhundert erlebte der Orden seine Blüte – mit 2.000 Männerklöstern und etwa 35.000 Mitgliedern.

Weitere berühmte Augustiner sind der Mystiker Nikolaus von Tolentino, der Prediger Abraham a Sancta Clara und der Genetik-Pionier Gregor Mendel. Und nun also: Papst Leo XIV.

Ein Papst aus dem Orden – was heißt das?

Der US-Amerikaner Robert Francis Prevost war lange Ordensvorsteher der weltweiten Augustiner. Mehrmals war der frühere Generalprior bei den Würzburger Augustinern etwa zu Gast. Dass er jetzt Papst ist, sei laut dem heutigen Generalprior Alejandro Moral Anton ein „Geschenk für die Kirche“. Seine erste Ansprache drehte sich um Frieden, Gerechtigkeit und das Brückenbauen – ganz im Sinne Augustins, der die Christen als „Pilger auf dem Weg zu einer wahren Heimat“ sah.

Seine Wahl zeigt: Die Kirche sucht einen Mann mit spiritueller Tiefe, Lebenserfahrung im globalen Süden – und einer Vision, die das Verbindende betont. Typisch Augustiner also.

Das Münchner Augustinerbier übrigens wird seit mehr als 200 Jahren gar nicht mehr vom Orden selbst gebraut. Mit der Säkularisation wurde das Münchner Augustinerkloster im Jahr 1803 aufgelöst, die Braurechte sicherten sich zwei Fischer aus München.

Mit Informationen von KNA und AFP

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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