Nina Hagen hat mit ihrer neuen Platte „Highway to Heaven“ viel vor. Auf 14 hauptsächlich englischsprachigen Titeln will sie eine Kombination aus Southern Gospel, Americana, Reggae und Punk liefern. Wie das möglich sein soll? „Ein Text, ein Song, der bekommt das, was er braucht. Dann kriegt er ein Kleid geschneidert“, erklärt sie im BR-Gespräch den wilden Genre-Mix. „Es gibt viele Musiker, die Gospel-Reggae machen. In Jamaica zum Beispiel viele, die Gospel-Ska machen.“
Zurück zur großen Gospel-Leidenschaft
Wenn es nach Nina Hagen geht, ist vor allem im Gospel vieles möglich. Schon erfolgreiche Gospel-Rocker wie Darrell Mansfield und Larry Norman hätten in den 70er-Jahren bewiesen, wie sich biblische Themen aufgreifen lassen – im selben Genre, in dem Bands wie die Beatles und Rolling Stones hauptsächlich über weltliche Themen sangen. Und gerade das mache so Spaß: „Ein Gospel-Song ist wie eine kleine Predigt, eine kleine Bibelstunde.“ Egal in welchem Genre.
Hommage an wichtige Gospel-Künstler
Nina Hagen will es also 15 Jahre nach ihrem ersten Gospel-Album „Personal Jesus“ wieder vormachen. In „Highway to Heaven“ interpretiert sie Klassiker neu. Schon der Albumtitel ist eine Hommage an den gleichnamigen Blues-Song der „Godmother of Rock’n’Roll“, der afroamerikanischen Gospelsängerin Sister Rosetta Tharpe. Mit ihrer Gitarre wurde Sister Rosetta Tharpe berühmt, „von ihr haben es all die männlichen Rock ’n‘ Roller überhaupt erst gelernt, wie man diese Musik spielt“, bewundert Hagen.
Wilder Genre-Mix soll Lust auf mehr machen
Hagen, die seit 2009 evangelisch ist, hat sich seitdem der christlich-afroamerikanische Musik verschrieben und will den Ursprüngen des Gospels Tribut zollen. Deswegen basiert ihre neue Musik auch nur auf bereits vorhandenen Titeln, für deren Neuinterpretation sie sich Freundinnen, wie die griechische Sängerin Nana Mouskouri, dazu geholt hat.
Das Album soll den Anstoß geben, mehr über Gospel erfahren zu wollen, Gospel-Sänger und -Sängerinnen für sich zu entdecken. Eine schöne Idee, auch wenn das Album in sich unstimmig und chaotisch wirkt und einen mit jedem nächsten Titel wieder in ein anderes Genre schleudert. Zur Ruhe kommen und über Gospel nachdenken – eher etwas schwierig unter diesen Bedingungen.

