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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Ist die virale 90s-Challenge eine Datensammel-Verschwörung?
Netzwelt

Ist die virale 90s-Challenge eine Datensammel-Verschwörung?

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 27. März 2026 09:51
Von Benjamin Lehmann
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3 min. Lesezeit
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Ein gesteuertes Meme?

Nun wird die „90s-Challenge“ ins Visier genommen: Haben TikTok, Meta und Co. den Trend etwa bewusst ins Leben gerufen, um an Daten zu kommen?

Inhaltsübersicht
Ein gesteuertes Meme?Fotos fürs KI-Training?Brauchen TikTok und Meta diese Daten überhaupt?

Wenn man sich die Geschichte des Trends anschaut, fällt erst einmal nichts Ungewöhnliches auf. Das Format wurde nicht von einer Sekunde auf die andere groß – stattdessen teilten kleinere Accounts das Meme erst ohne großen Widerhall, bevor es im März 2026 weltbekannt wurde.

So entstehen die meisten viralen Trends: Ein paar eher unbekannte Nutzer experimentieren mit einem Format, irgendwann springen Accounts mit mehr Followern auf, irgendwann kommt es zu einer Lawine. Das Verhalten von viralen Trends dieser Art ist notorisch schwer vorherzusagen und auch schwer zu steuern.

Fotos fürs KI-Training?

Aber sind die Daten trotzdem interessant? Zumindest ein wenig. Oft verwenden Nutzer in der „90s-Challenge“ Bilder, die bis dato noch nicht im Internet zu finden waren. Sie liefern damit Daten über Lifestyle, Freunde und Ex-Partner, Mode und früheres Aussehen. Im großen Datenpool des Internets könnten diese Daten theoretisch fürs Training von KI-Modellen genutzt werden.

Doch der Vorwurf vieler Nutzer greift weiter: Die Videos könnten zur Analyse von Gesichtsdaten genutzt werden, um Alterungsprozesse und biometrische Daten abzuschätzen. Ob das funktioniert, ist aber zweifelhaft. Videos dieser Art sind für KI-Modelle kein perfekter Datensatz. Sie sind schwer analysierbar, und auch wenn Nutzer zwar „90s“ mit dazuschreiben, ist nicht gesichert, dass die Fotos wirklich aus den 90ern stammen. Zudem sind nur wenige Fotos, die hier verwendet werden, qualitativ so hochwertig, dass große automatische Systeme nennenswerte Rückschlüsse aus ihnen ziehen können.

Brauchen TikTok und Meta diese Daten überhaupt?

Vieles erinnert an die Sorgen um die „10 Year Challenge“. Auch damals machten sich manche Nutzer Sorgen, Facebook hätte die Challenge bewusst ins Leben gerufen, um an eben diese Daten zu kommen.

Es gab nie konkrete Hinweise darauf, dass die „10 Year Challenge“ fremdgesteuert war. Aber selbst wenn man hier skeptisch ist, bleibt ein weiterer Faktor: Schon damals hätte Facebook eine solche Manipulation kaum nötig.

Seit fast zwei Jahrzehnten ist Social Media weit verbreitet, und seit fast zwei Jahrzehnten laden Menschen bereitwillig Fotos von sich hoch. Facebook hätte es kaum nötig gehabt, eine solche Challenge zu provozieren – denn Daten darüber, wie Menschen über die Jahre hinweg aussehen, waren ohnehin schon zur Genüge vorhanden.

Mit der 90s-Challenge dürfte es sich ähnlich verhalten: Ja, es gelangen zwar ein paar neue Daten ins Netz, die vorher nicht da waren. Aber bei den gigantischen Mengen an Daten, die ohnehin jeden Tag ins Netz gespült werden, dürften diese kaum einen Unterschied machen.

 

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Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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