Susanne Daubner spoilert Sieger-Wort
Und in der Tat, man konnte es wissen. Denn zwar hatte Daubner – deren spröde, seriös-nachrichtliche Jugendwort-Verkündungen in den vergangenen Jahren regelmäßig viral gingen – den Siegerbegriff nicht genannt, sie hatte ihn jedoch performt. Schließlich war ihre Ankündigung (samt Zurücknahme) ein klassischer Fall von Ragebait, wie die vielen Kommentare unter dem Video zeigen.
Und eben dieses Wort, „Ragebait“ also, kürte der Langenscheidt-Verlag am Samstagnachmittag auf der Frankfurter Buchmesse zum Jugendwort des Jahres. Gemeint sind damit Inhalte im Netz, die vor allem darauf abzielen, Polemik, Auseinandersetzungen und Aufregung zu erzeugen (was Susanne Daubner mit ihrem Video ja offensichtlich gelungen ist). Der Ausdruck setzte sich in der alljährlichen Online-Abstimmung knapp gegen die beiden anderen Finalisten „Peak“ und „Crashout“ durch.
Jugendwort wird seit fast 20 Jahren vergeben
Insgesamt 36,5 Prozent der Stimmen konnte „Ragebait“ auf sich versammeln. „Peak“, ein Begriff, der markiert, wenn etwas das Beste vom Besten ist, folgte mit etwa 34 Prozent. „Crashout“, ein Ausdruck für komplette Fassungslosigkeit, erhielt rund 30 Prozent. Wie viele Personen sich an der Endrunde der Online-Abstimmung beteiligten, gab der Verlag nicht bekannt. Insgesamt hätten seit dem Kampagnenstart rund eine Million Jugendliche mitgemacht, heißt es in einer Mitteilung.
Vergeben wird das Jugendwort des Jahres seit fast 20 Jahren. Bei der ersten Abstimmung im Jahr 2008 konnte der Ausdruck „Gammelfleischparty“ die meisten Stimmen auf sich versammeln, ein abwertender Begriff für Ü30-Feiern. Letztes Jahr landete dagegen „das crazy“ auf dem ersten Platz, ein Ausdruck, in dem der Langenscheidt-Verlag eine „Allzweckwaffe der Sprachlosigkeit“ erkannte. Meist kommt das Wörtchen dann zum Einsatz, wenn einem keine passende Antwort einfällt – vergleichbar mit Verlegenheitsfloskeln wie „okay“ oder „alles klar“.
Kritik an intransparenter Abstimmung
In der Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen über die Abstimmung. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln etwa seit Jahren die mangelnde Transparenz des Abstimmungsverfahrens. Einige halten die Aktion in erster Linie für Verlags-Marketing und bezweifeln, dass die prämierten Ausdrücke ein realitätsnahes Bild von Jugendsprache vermitteln. Dazu wurden in den vergangenen Jahren immer wieder auch einzelne Ausdrücke problematisiert, die es auf die Auswahllisten geschafft hatten. 2024 etwa sorgte der Ausdruck „Talahon“ für eine Kontroverse, der trotz seiner rassistischen Konnotation auf der Shortlist landete.
Auch in diesem Jahr gab wieder ein einzelnes Wort Anstoß zu einer größeren Debatte über den Preis, und zwar der Begriff „Mehrzweckeier“, der es gemessen an der Zahl der Einreichungen zwar in die Top 10 geschafft hätte, vom Verlag allerdings von der Liste entfernt wurde, weil er „auf einer persönlichen Beleidigung beruh(e)“. Tatsächlich spielt die Wortkreation auf den Claim „Merz leck Eier“ an, der bei den Protesten gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht auf einem Plakat zu lesen war und im Anschluss im Netz viral ging.
Jugendverbände küren alternatives Jugendwort
Im Juli rief die BUNDjugend deshalb zusammen mit anderen Jugendverbänden einen alternativen Preis ins Leben, das sogenannte „Bundesjugendwort 2026“, das in einer „demokratischen und nicht politisch zensierten Version der Abstimmung“ ermittelt werden sollte. Der Sieger wurde ebenfalls am Samstag, unmittelbar vor dem „Jugendwort des Jahres“, bekanntgegeben – und lautet, eine nicht unironische Pointe, ebenfalls „Ragebait“.

