Einmal im Jahr wird erhoben, wie es um die Wissenschaftsfreiheit in der Welt bestellt ist. In diesem Jahr bietet der sogenannte Academic Freedom Index einen durchaus ernüchternden Blick. Denn ein Land, das wie kein anderes für Spitzenforschung steht, liegt im Bereich der Wissenschaftsfreiheit auf dem Niveau von Mosambik, Thailand oder Kirgistan: die Rede ist von den USA.
Die sind in dem Ranking seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump massiv abgerutscht und gehören nun zu den unteren 30 bis 40 Prozent der Länder, sagt Lars Lott. Er ist Politikwissenschaftler an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, die federführend an dieser Auswertung beteiligt ist. „Wir sehen in unseren Daten ganz klar, dass die Wissenschaftsfreiheit, insbesondere auch die institutionelle Autonomie der Hochschulen, mit dem Machtantritt Trumps und den Maßnahmen der Bundesregierung dramatisch abgestützt ist.“
Deutschland nicht mehr in den Top Ten
Denn die US-Regierung gängelt Universitäten in zunehmendem Maße, etwa indem sie die Vergabe von Forschungsmitteln an inhaltliche Bedingungen knüpft: So sollen etwa Antidiskriminierungsregeln zurückgefahren, Fächer wie Gender Studies oder Umweltforschung nicht mehr gefördert oder beforscht werden. Ursprünglich hätten die USA mal zu den oberen zehn oder 20 Prozent gehört, sagt Lott. Aber damit ist es jetzt erstmal vorbei.
Anders sieht es in Deutschland aus. Hier gehört man zwar noch der Spitzengruppe der oberen 20 Prozent an. Zu den Top Ten zählt man aber seit letztem Jahr nicht mehr. Die Forscher verzeichnen für die Bundesrepublik insgesamt einen leichten Rückgang. Man sehe, dass die Wissenschaftsfreiheit hierzulande ein bisschen schlechter geschützt ist, als das vor zehn Jahren der Fall gewesen sei, sagt der Politikwissenschafter Lars Lott. Dies habe mehrere Gründe.
Strukturelle Gründe
So würden Universitäten immer häufiger von außen unter Druck gesetzt, etwa wenn gefordert werde, dass „bestimmte Veranstaltungen, beispielsweise im Kontext des Themenkomplexes Gaza-Krieg abgesagt werden“. Außerdem führe der befristete Status vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Universitäten dazu, dass sie weniger frei forschen könnten, „als es der Fall wäre, wenn sie eine Dauerperspektive hätten“. Denn wer darum bangt, dass sein Vertrag verlängert wird, der äußert sich vielleicht seltener kritisch als ein festangestellter Mitarbeiter.
Weltweit hat die Wissenschaftsfreiheit in den letzten zehn Jahren gelitten. In den letzten zehn Jahren haben sich die Bedingungen in 50 Ländern verschlechtert, während nur neun Länder Verbesserungen verzeichnen konnten. Trotzdem sieht der Politikwissenschafter Lars Lott durchaus positive Effekte. „Wir sehen in Polen oder auch Brasilien, dort, wo radikal rechte Populisten abgewählt werden, dass die Wissenschaftsfreiheit sich erholen kann.“
Hochschulen in Demokratien sind resilient
Insbesondere in Demokratien erwiesen sich die Hochschulen als resilient gegen Vereinnahmung von außen. So gebe es in den USA beispielsweise „Widerstand der Hochschulen vor Gericht“. Es gebe Gerichtsentscheide, die den „Hochschulen Recht geben und wir sehen, dass Proteste organisiert werden, dass Wissenschaftsorganisationen, Wissenschaftseinrichtungen sich wehren gegen die Maßnahmen der Trump-Administration“.
Der Academic Freedom Index trifft aber zunächst einmal keine Aussage darüber, wie gut die Hochschulen finanziell oder administrativ ausgestattet sind. Und deswegen sehe man Länder weit vorne, „die man vielleicht nicht üblicherweise auf dem Schirm hätte“, wie zum Beispiel Honduras oder Jamaika. Dass sich viele gut ausgestattete europäische Länder wie etwa Frankreich und Großbritannien auf den hinteren Plätzen finden, hänge damit zusammen, dass dort „Wissenschaft zunehmend nach Zweckmäßigkeitserwägungen finanziert wird“, sagt Lars Lott. Dass die „gesellschaftliche Wirkung priorisiert wird“ und nicht die Wissenschaft selbst entscheidet, welche Themen relevant und erforschungswürdig sind.

