250 Proberäume, Ateliers und Büros gab es in der Münchner Fat Cat – dem größten Zwischennutzungsprojekt Europas im ehemaligen Kulturzentrum Gasteig. Drei Jahre lang fanden hier Künstlerinnen und Musiker, Theaterschaffende und Filmemacherinnen eine Heimat. Jetzt müssen sie raus, denn die Sanierung des Gasteigs soll beginnen.
Für die Künstler und Kreativen ist das ein Verlust, aber nicht nur für sie. Denn auch eine Stadt profitiert, wenn leerstehende Gebäude genutzt werden: Dadurch werde sie attraktiver und es entstehen erst gar keine Gegenden, „wo die Leute schnell daran vorbei gehen, sondern es gibt eine soziale Kontrolle im Stadtraum“, sagt Benedikt Boucsein. Er ist Professor für Urban Design an der TU München und hat Transformationsprozesse von Städten im Blick. Und dafür können Zwischennutzungen durchaus Motor sein. Sie schaffen Raum für Kultur und prägen und verändern das Bild eines Viertels oder einer ganzen Stadt, so Boucsein: „Die Leute ziehen ja auch in die Großstadt, um Vielfalt zu erleben und um verschiedene Lebensentwürfe kennenzulernen.“
Nicht jedes Gebäude ist geeignet für eine Zwischennutzung
Zwischennutzungen seien eine Win-Win-Situation für Städte auf der einen und Kunst- und Kulturschaffende auf der anderen Seite, sagt auch Maria Trunk. Sie verantwortet den Raumkompass in Nürnberg, das Projekt ist beim Amt für Kultur und Freizeit der Stadt angedockt und hält Ausschau nach Leerständen, um diese im besten Fall an Künstler und Musikerinnen zu vermitteln.
So stehen allein in Nürnberg rund 400.000 Quadratmeter Bürofläche leer. In München sind es fast zwei Millionen Quadratmeter. Platz gäbe es also zur Genüge. Allerdings eignet sich nicht jedes Gebäude für eine temporäre Nutzung. „Ob es ein Proberaum ist, ein Atelier, eine Veranstaltungshalle oder ein Club, es gelten überall andere Anforderungen“, sagt Stephanie Utz. Etwa beim Brand- und Lärmschutz oder bei den Fluchtwegen.
Utz betreibt in München das Kunstlabor 2 im ehemaligen Gesundheitshaus mit über 70 Ateliers. Eigentlich sollte auch hier im Herbst 2026 Schluss sein, aber das Projekt wurde bis 2033 verlängert. Für Utz ist das ein Glücksfall, denn der Faktor Zeit spielt bei Zwischennutzungen eine entscheidende Rolle. „Sie müssen einfach eine langfristige Planung haben, um sich für die oftmals sehr, sehr hohen Grundinvestitionen, die gebraucht werden, um so sein Gebäude wieder fit zu kriegen, abzusichern. Die wenigsten von uns haben die Chance, das aus der Portokasse zu bezahlen.“
Bezahlbare Räume sind in Städten oft Mangelware
Je länger die Laufzeit einer Zwischennutzung, umso mehr Planungssicherheit. Und die brauchen nicht nur die Betreiber, sondern auch die Künstler. Denn wenn eine Zwischennutzung endet, beginnt die Suche nach einer neuen Bleibe. Und diese Phase der Unsicherheit, wenn sie nicht mehr arbeiten oder proben können, könne für viele eben erstmal einen „Karrierebruch“ bedeuten, sagt Utz vom Kunstlabor 2.
Aber bezahlbare Räume sind in Städten eben oft Mangelware – Zwischennutzungen können da zum Teil Abhilfe schaffen. Aber eine Stadt dürfe sich in ihrer Planung nicht darauf verlassen, dass Zwischennutzungen in die Bresche springen, findet Stephanie Utz. Denn: „Zwischennutzungen dürfen nicht Reparaturbetrieb für eine fehlende Kulturraumstrategie werden“.
Insgesamt hätten die Städte aber durchaus verstanden, welchen Wert Zwischennutzungen haben – und seien sehr offen für solche Projekte, sagt Maria Trunk vom Raumkompass Nürnberg. Orte wie Musikzentrale, Z-Bau oder Heizhaus hätten dort gezeigt, dass aus Zwischennutzungen auch feste Institutionen werden können. „Grade Nürnberg ist wirklich das Musterbeispiel an Kommunen, wo man ganz toll sehen kann, wie aus Zwischennutzungen langfristige wichtige Kulturorte werden.“

