Die neue Branche: „GEO“ statt SEO
Parallel zum Werbegeschäft hat sich in den vergangenen Monaten eine ganz neue Branche etabliert: GEO – Generative Engine Optimization. Das Prinzip: Wer bisher seine Website für Google optimiert hat (SEO), soll jetzt dafür sorgen, dass auch KI-Chatbots die eigene Marke finden und empfehlen.
Viele Maßnahmen, die als GEO verkauft werden, sind letztlich bewährte SEO-Techniken mit neuem Etikett. Wer auf der eigenen Website klar und eindeutig beschreibt, was das eigene Unternehmen tut, wird auch von Chatbots besser gefunden. Das bedeutet: weniger blumige Marketingsprache, mehr konkrete Information. Statt „genießen Sie eine urig-köstliche Auszeit in der Szenerie des Flusses“ also besser: „Wir sind ein bayerisches Wirtshaus in der Au in München mit Blick auf die Isar.“
Aber nicht alle haben hier die gleichen Chancen. Sprachmodelle haben einen natürlichen Bias zugunsten von Marken, die schon lange online präsent sind und über die viel geschrieben wird. Ein neues Café in der Nachbarschaft hat es deutlich schwerer, in KI-Antworten aufzutauchen, als eine etablierte Kette.
Was Nutzer tun können
Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das: Skepsis bleibt unverzichtbar. KI-Chatbots klingen überzeugend, aber sie sind leichtgläubig. Wer eine KI fragt, ob eine bestimmte Marke etwas taugt, bekommt unter Umständen eine Antwort, die direkt aus der „Über uns“-Seite der jeweiligen Firma stammt. Auch veraltete Informationen können sich hartnäckig halten. Und je nachdem, ob ein Chatbot mit oder ohne Websuche arbeitet und wie gut sein Reasoning ist, schwankt die Qualität der Antworten erheblich.
Letztlich stellt sich auch eine philosophische Frage: Will man Empfehlungen von einem System, hinter dem zunehmend kommerzielle Interessen stehen? Oder sucht man sich seine Informationen lieber selbst zusammen? Die Antwort darauf muss jeder für sich finden – am besten ohne dafür eine KI zu befragen.

