Ob ein Oktoberfest für einen Standbesitzer einen Erfolg wird, hängt laut Jürgen Braren von sechs Faktoren ab: Standort, Standort, Standort und Wetter, Wetter, Wetter. Und das ist von Wiesn zu Wiesn sehr unterschiedlich.
Er verkauft gemeinsam mit seinem Sohn und einem kleinen Team Bio-Bratwürste auf dem Oktoberfest. Der Stand „Jürgens Biobratwürste“ verspricht gute Würste aus der Region. „Mir ist es wichtig, was wir essen. Du bist, was du isst. Bio und Regionalität ist wichtig. Es sind so viele Schadstoffe in unserem heutigen Essen, das darf nicht sein“, erklärt Jürgen. Für die höhere Qualität zahlt Jürgen einen drei- bis vierfach höheren Einkaufspreis als seine Kollegen. Eine Bratwurst in der Semmel kostet bei ihm sieben Euro.
Was verdient ein Biobratwurstbudenbesitzer auf dem Oktoberfest?
2025 besuchten 6,5 Millionen Menschen das Oktoberfest. Das ist eine riesige Bühne für Verkäufer, aber Jürgens Umsatz bleibt jedes Jahr unberechenbar. 2025 bekam Jürgen einen aus seiner Sicht schlechteren Standort zugeteilt und machte dadurch weniger Umsatz als die Jahre zuvor. Der lag bei 47.754 Euro. Mit Abzug von 12.953 Euro Wareneinsatz, 5.925 Euro für Lohn, 2.340 Euro für die Standmiete, 1.003 Euro für Strom und Wasser und weiteren Ausgaben in Höhe von 5.000 Euro hatte Jürgen einen Gewinn vor Steuern von 20.531 Euro.
Sein bestes Jahr war 2023, in dem er 94.117 Euro Umsatz machte: „Das war einfach ein tolles Jahr, super Wetter.“ In seinem ersten Jahr hingegen machte er wegen des schlechten Wetters nur 15.014 Euro Umsatz und zahlte drauf. Dieses Oktoberfest war für ihn ein Minusgeschäft.
Wie kommt man als Verkäufer auf die Wiesn?
„Der Mitbewerberkampf ist nicht ganz ohne“, erzählt Jürgen. Jedes Jahr müssen sich die Stände neu für einen Platz bewerben, die Frist ist dabei der 31. Dezember des Vorjahres. Dieses Jahr haben sich laut der Stadt München 954 Stände beworben, zugelassen wurden 478, darunter waren 182 Marktkaufleute wie Jürgen.
Das Referat für Wirtschaft und Arbeit schreibt 13 Bewertungskriterien für die Bewerbung vor. Hierzu zählen unter anderem Volksfesterfahrung, Sachkenntnis, Ausstattung oder Tradition. Aber auch sehr subjektive Kriterien wie „Optik“ sind Teil der Bewertung. Für die Platzierung der Stände ist der Fachbereich Veranstaltung des Referats für Wirtschaft und Arbeit verantwortlich.
Vom Koch zum eigenen Stand
Auf seinen eigenen Bratwurststand hat er lange hingearbeitet – Jürgen bringt aber viel Erfahrung aus der Gastronomie mit. Nach seiner Ausbildung arbeitete er zehn Jahre lang in diesem Beruf. Später gründete er eine eigene Kochschule.
Seine Expertise und Interesse an gesundem, qualitativ hochwertigem Essen nutzte er 2009 zur Entwicklung seiner Bio-Bratwürste. Die Entwicklung dauerte rund ein Jahr, Jürgen versuchte beispielsweise, den Salzgehalt der Würste mit Kräutern zu ersetzen. Seitdem verkauft er seine Würste auf Volksfesten, unter anderem auch auf dem Münchner Christkindlmarkt. Weil Jürgen den direkten Kontakt zum Kunden haben wollte, entschied er sich für den Standbetrieb. Die Bio-Bratwurst ist seit 2022 auf der Wiesn, auch dieses Jahr ist Jürgen wieder dabei.
Wie lief der Wiesn-Start 2026?
Dieses Jahr verkauft Jürgen wieder auf einem weniger besuchten Platz auf dem Oktoberfest. Trotzdem macht es ihm eine große Freude, dabei zu sein: „Das Schönste ist für mich, wenn die Kunden wiederkommen und nur zurücklaufen, um mir zu sagen, dass es die beste Wurst war, die sie je gegessen haben. Ich habe viele Stammkunden.“

