Bayern profitiert bei Erdgasspeicherung von Nähe zu Österreich
Laut Bundesnetzagentur liegt der bundesweite Speicherfüllstand aktuell bei rund 25 Prozent. Dies sei „im Moment im Rahmen der marktlichen und wetterbedingten Erwartungen“, so die Behörde. In Bayern ist der Stand unabhängigen Experten zufolge noch etwas niedriger. Hier sei die Lage, so die Bundesnetzagentur, „besonders aufmerksam zu beobachten“.
Allerdings profitiere Bayern von der Anbindung an Österreich. Das betont auch das Bayerische Wirtschaftsministerium. Für die Versorgungssicherheit im Freistaat seien neben den eigenen Speichern vor allem die direkt an das bayerische Netz angeschlossenen österreichischen Speicher Haidach im Bundesland Salzburg und 7Fields in Oberösterreich entscheidend. Der Füllstand dieser für die bayerische Versorgung relevanten Speicher liege derzeit bei etwa 34 Prozent.
Wie das Erdgas nach Bayern kommt
Deutschland importierte 2025 das meiste Gas aus Norwegen (44 Prozent), den Niederlanden (24 Prozent) und Belgien (21 Prozent). LNG machte 10,3 Prozent aus. Im laufenden Jahr sind über die LNG-Terminals laut Bundesnetzagentur bisher rund elf Prozent der Importe ins deutsche Netz eingespeist worden.
Nach Bayern gelangt das Gas überwiegend über das Fernleitungsnetz aus dem Norden Deutschlands. Ergänzt durch Entnahmen aus den bayerischen Speichern Breitbrunn, Bierwang, Inzenham-West, Wolfersberg sowie aus den beiden österreichischen Speichern Haidach und 7Fields, so das Ministerium.
Was passiert bei Unterschreitung der gesetzlichen Gasspeicherstände?
Immer wieder ist in diesen Tagen zu lesen, die Füllstände seien niedriger als gesetzlich vorgeschrieben. Die gesetzlichen Zielmarken stehen in der sogenannten Gasspeicherfüllstandsverordnung. Für den laufenden Winter gelten zum 1. Februar im Regelfall 30 Prozent, und 40 Prozent speziell für die vier bayerischen Anlagen Bierwang, Breitbrunn, Inzenham-West und Wolfersberg. Diese Vorgaben wurden in der Krise 2022 – nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine – eingeführt, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Werden diese Zielmarken unterschritten, kann das Bundeswirtschaftsministerium in Absprache mit der Bundesnetzagentur eingreifen. Kommen diese zu der Einschätzung, dass zu wenig Erdgas zur Verfügung steht, beauftragen sie die Trading Hub Europe GmbH, Gas zu beschaffen. Das Unternehmen ist beim Gas verantwortlich für das sogenannte Marktgebiet Deutschland. Im Normalfall sollen Speicherbefüllungen aber „durch die Marktteilnehmer“ erfolgen.
Wie viel Gas brauchen wir noch bis zum Ende des Winters?
Auf die konkrete Frage, wie viel Gas bis zum Ende des Winters noch benötigt wird, gibt es keine klare Antwort, weder aus der Politik noch von den Behörden. Die Bundesnetzagentur betont, sie nehme „keine Prognosen vor“. Entscheidend seien Temperatur und Verhalten der Marktteilnehmer.
Konkreter wird Marc-Boris Rode von der Bayernets GmbH: Im BR24-Interview sagt Rode, der Verbrauch im südbayerischen Netzgebiet liege im Winter „durchschnittlich zwischen 150 und 330 GWh pro Tag“, an sehr kalten Tagen auch darüber. Das bedeutet: Für die restlichen Winterwochen zählt vor allem, ob der Umfang der ständig weiterlaufenden Importe stabil bleibt – und ob die Speicher nicht nur „Menge“, sondern auch genug Ausspeicherleistung bereitstellen. Das ist die maximale Menge Erdgas, die aus einem Gasspeicher pro Tag entnommen und ins Gasnetz eingespeist werden kann.
Kein Anlass für Panik – aber ein Stresstest bei Kälte
Genau hier könnte im Extremfall das Problem liegen. Kritisch kann es bei den Speichern werden, wenn bei extremer Kälte die technische Ausspeicherleistung nicht mehr reicht. Die Bundesnetzagentur formuliert es so: „Die Ausspeicherleistung sinkt mit zunehmender Entleerung“, dadurch könnten „insbesondere in den späten Winterwochen Risiken“ entstehen, wenn lokale Regelenergie aus Speichern nicht mehr bedient werden kann.
Mit anderen Worten: Es gibt derzeit keinen Grund zur Panik. Besonders kalte Spätwinterwochen sollten uns aber möglichst erspart bleiben – und den Gasspeichern gleich dreimal.

