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Der Spritpreis ist angesichts des Kriegs im Iran auch in Deutschland massiv gestiegen. Erste Maßnahmen der Bundesregierung, wie die Auflage, die Preise an Tankstellen nur einmal am Tag erhöhen zu dürfen, verschaffen kaum Linderung. Weiterhin liegen die Kosten bei über zwei Euro für die Standardkraftstoffe E5, E10 und Diesel. Beim Preisvergleich fällt dennoch auf: Die Preise variieren von Tankstelle zu Tankstelle.
Auch die BR24-Nutzer kommentieren die Spritpreise zahlreich. Dabei wird auch deutlich, dass User immer wieder Preisunterschiede zwischen Freien und Markentankstellen wahrnehmen. So schrieb zum Beispiel „lauris“: „(…) Hier befindet sich die billigste Tankstelle neben einer Aral. Letztere müsste schon lange pleite sein“. Darauf antwortet User „Da_Holledauer“: „Viele glauben halt, dass der Sprit von Aral besser ist, obwohl er überall derselbe ist.“
Freie Tankstellen oder Markentankstellen
Freie Tankstellen, also Tankstellen, die nicht zu einem großen Konzern gehören und nicht durch Exklusivverträge an einen Spritanbieter gebunden sind, liegen meist in der Hand von mittelständischen Unternehmen. Im Bundesverband Freier Tankstellen (BFT) sind rund 2.800 dieser Tankstellen organisiert. Demgegenüber stehen Markentankstellen, diese gehören zu großen Mineralölgesellschaften. Die beiden größten Vertreter sind hierbei Aral und Shell, mit jeweils über 2.000 Tankstellen in Deutschland.
Grundsätzlich ist es so, dass in Deutschland für alle Kraftstoffe, also sowohl Benzin als auch Diesel, die gleichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Diese unterliegen den DIN-Normen EN 228 (Benzin) und EN 590 (Diesel). Diese schreiben unter anderem die Reinheit, die Oktanzahl und den maximalen Ethanolanteil vor, erklärt Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband.
Zudem kämen die Kraftstoffe für Freie und Markentankstellen oftmals aus den gleichen Raffinerien. Dies unterstreicht auch Daniel Kaddik, CEO des BFT.
Additive als Unterschied
Kleine Unterschiede gibt es dann aber trotzdem. Denn Marken wie Shell und Aral mischen ihrem Sprit oft eigene Additive bei. Diese sollen etwa die Reinigung des Motors oder den Korrosionsschutz fördern. Aral wirbt unter anderem mit der „Aral Anti-Schmutz-Formel“ und schreibt auf der eigenen Homepage (externer Link): „All unsere Kraftstoffe helfen bei regelmäßiger Verwendung, den Schmutz im Motor zu entfernen, den herkömmliche Kraftstoffe hinterlassen können, und verhindern gleichzeitig die erneute Ablagerung von Schmutzpartikeln.“
Shell wartet mit dem hauseigenen FuelSave auf und wirbt so (externer Link): „(…) schützt vor Verschleiß, Korrosion und der Bildung von Ablagerungen.“ Daniel Kaddik vom BFT sieht den Nutzen von diesen Additivpaketen bei normalen Kraftstoffen für begrenzt an. Auch ein Pressesprecher des ADAC sagt gegenüber BR24: „In der Praxis lassen sich diese Effekte kaum nachprüfen.“
Erst bei sogenannten Premium-Kraftstoffen, die dann auch höhere Dosen der Additive enthalten, sieht Kaddik einen Sinn für Hochleistungsmotoren. Aber: „Für den normalen Pkw, da tut es auch der gute, alte E10.“
Preisunterschiede haben andere Gründe
Bei der Preisgestaltung sieht der BFT die Freien Tankstellen im Vorteil und weist daraufhin, dass große Mineralölkonzerne auf Aktionäre schauen müssten. „Wenn ein kapitalgestütztes Unternehmen den Shareholder-Value im Kopf hat, dann ist das was anderes, als wenn Sie eine lokal verwurzelte Firma haben – ein Familienunternehmen, welches keine Shareholder bedienen muss, sondern guckt, dass es ihren Mitarbeitern gut geht und dass sie selbst gut davon leben können. Das ist dann auch der Preisvorteil, den man im Wettbewerb hat.“ Zusätzlich müsse man als Freie Tankstelle auch weniger in Marketingkosten investieren.
Genau im Marketing sieht Daniel Kaddik dann auch einen Grund dafür, dass Menschen bereit sind, die teils höheren Preise an Markentankstellen zu bezahlen: „Das hat viel mit Gewohnheit und mit Wahrnehmung zu tun.“ Er beobachtet dennoch in den vergangenen Jahren ein steigendes Preisbewusstsein bei den Verbrauchern und sieht Freie Tankstellen in einer starken Marktposition, die sogar als Korrektiv für den Markt fungierten und den Preis nach unten drückten.
Der ADAC fasst zusammen: „In ihrer Grundqualität sind die Kraftstoffe an verschiedenen Tankstellen gemäß DIN-Norm also alle gleich, sie entstammen sogar oft der gleichen Quelle“, so der ADAC. Auch der Automobilclub sieht die unterschiedlichen Preise in den unterschiedlichen Vertriebsstrategien begründet.

