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Netzwelt

Warum Papier-Landkarten in Russland ein Comeback feiern

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 2. April 2026 16:47
Von Benjamin Lehmann
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4 min. Lesezeit
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In Russland werden laut örtlichen Händlern derzeit wieder mehr Papier-Landkarten verkauft, das berichtet der Guardian (externer Link). Dahinter stecken kein skurriler Social-Media-Trend oder Digital-Detox-Vorsätze, sondern ein immer härteres Vorgehen der russischen Regierung gegen das freie Internet.

Inhaltsübersicht
Telegram: Wichtig und bald weg?Karten, MP3-Planer, FestnetzUnnötiges SterbenWiderspruch unerwünscht

So wurden zuletzt immer wieder vielen Russen die mobilen Daten für ihre Handys abgeschaltet sowie beliebte Apps immer weiter eingeschränkt. Facebook, Instagram und Twitter sind bereits seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 verbannt, dann wurde Youtube immer wieder eingeschränkt und zuletzt traf es auch die Messenger WhatsApp und Telegram.

Telegram: Wichtig und bald weg?

Gerade ´Telegram, gegründet von Russen, ist in Russland von enormer Bedeutung: „Eine App, die mehr als 100 Millionen Russen jeden Monat nutzen, um zu kommunizieren und um Nachrichten zu lesen, auch von Anbietern, die aus Russland verbannt wurden“, beschreibt die New York Times (externer Link).

Noch ist Telegram nicht völlig aus Russland verschwunden, die Nutzung aber nur noch unzuverlässig möglich, manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Ab April könnte eine Komplettsperrung folgen, berichten einige Medien. Russlands Regierung wirbt für eine neue, Kreml-nahe App namens MAX als Alternative.

Karten, MP3-Planer, Festnetz

Die Einschränkungen bei mobilen Daten und beliebten Kommunikations-Apps treiben derweil bizarre Blüten. Neben Papier-Landkarten zur Orientierung verkaufen sich in Russland laut Times derzeit Walkie-Talkies, Festnetztelefone, Oldschool-Handys und MP3-Player gut. Weil Taxi-Apps nicht funktionieren, wird per Anhalter gefahren.

Die lange verbreitete Umgehung von Sperren über VPN-Technologien wird derweil von den russischen Behörden laut Reuters (externer Link) zunehmend erschwert.

Unnötiges Sterben

Die Konsequenzen abgeschalteter Netze und Apps enden dabei nicht bei fast nostalgischen Ausflügen in analoge Zeiten mit Landkarten und ausgestreckten Daumen. So bemängelte der Chef des russischen Industriellenverbands im Beisein Putins, dass die Internet-Einschränkungen Wirtschaft und Bürger das Leben schwer machten. Russische Landwirte klagen laut Reuters (externer Link), dass ihnen die Aussaat durch die Internet-Sperren erschwert werde – vor allem das vom Staat geforderte Tracking ihrer Arbeit.

Zudem fallen Diabetes-Trackinggeräte für Kinder, die Eltern über die Werte ihrer Kinder informieren, aus und gefährden so die jungen Patienten. Russische Soldaten weisen laut New York Times derweil darauf hin, dass Telegram für ihr Vorgehen an der Front unverzichtbar sei. Ferner nutzen viele dort die App für die Kommunikation mit ihren Familien.

Auch sonst erreichen sich Menschen in Notlagen gegenseitig nicht. „Bild“ (externer Bericht) berichtet außerdem, dass in Belgograd, einer Grenzregion zur Ukraine, Warnmeldungen zu Drohnen und sonstigen Angriffen durch die Internet-Blockaden zu spät ankommen. Der örtliche Gouverneur sprach laut Times davon, dass die Internet-Unterbrechungen zu „unnötigen Toden“ führen würden.

Widerspruch unerwünscht

Als Grund für Blockaden nennt der Kreml die Sicherheit. Die Internetsperren sollen beim Schutz vor ukrainischen Angriffen helfen. WhatsApp und Telegram wird derweil etwa die Unterstützung von Terrorismus vorgeworfen. Der Unmut in der Bevölkerung ist spürbar. Demonstrationen gegen die Blockaden wurden jedoch reihenweise untersagt – offenbar auch mit dem Verweis auf die Gefahr einer Ansteckung mit Corona.

Derweil gaben mehrere russische Diplomaten – unter der Bedingung, anonym zu bleiben – gegenüber Reuters (externer Link) an, dass das harte Durchgreifen im Netz eher das Ziel habe, dem Kreml mehr Kontrolle über die heimische Bevölkerung zu geben, falls es im Falle eines weiter andauernden Ukraine-Krieges oder eines Friedensabkommens zu Widerstand kommen sollte.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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